Gibt Jesus Offenbarungen von der Hölle? /
Kommentar Klaus Hildebert 00, 2008-12-30
Sind die verstorbenen Christen bereits im
Himmel?
Ist die Gemeinde die Braut Christi?
Sind die 144000 Versiegelten die
christliche Gemeinde?
Erfolgt die Entrückung der Gemeinde bei
der Ersten Auferstehung?
Wird die Gemeinde noch vor der Großen
Trübsal entrückt?
Gibt es "wiedergeborene" Christen?
Kann ein "Wiedergeborener"
nicht mehr verloren gehen?
(Texte in einem schwarzen Rahmen sind Zitate von Besuchern dieser Site oder anderen Autoren!)
Mit großem Interesse habe ich Ihre Ausführungen auf Immanuel.at gelesen. Ich
gratuliere Ihnen zu ihrer einmaligen, detaillierten und fundierten Sichtweise zu den Inhalten
der biblischen Schriften. Sie haben sich wirklich viel Mühe gegeben und einen solchen Aufwand
und eine solche Bibelfestigkeit findet man selten.
Mein Anliegen, weshalb ich Ihnen schreibe, ist folgendes: Ich habe im Internet eine Seite
gefunden, auf der Christen von göttlichen Erlebnissen berichten, die ihnen angeblich
zugestoßen sind. Die deutschen Texte auf der Seite finden sich unter www.spiritlessons.com/german/index.htm.
Meine besondere Aufmerksamkeit erhielten hierbei die Berichte, in denen besagte Christen
behaupten, von Gott die Hölle gezeigt bekommen zu haben.
Einige Beispiele:
Hier berichten sieben Jugendliche davon, wie Jesus mit ihnen durch die Tiefen der Hölle
gelaufen ist und ihnen die Verlorenen und ihre Pein gezeigt hat:
www.spiritlessons.com/Documents/7_Jovenes/German_7_Youths_Hell_Offenbarungen_uber_die_Holle.htm
Ein ähnlicher Bericht findet sich bei dieser Frau, die ebenfalls, so sagt sie, mehrere Male die
Hölle gezeigt bekam, um darüber zu berichten:
www.spiritlessons.com/Documents/a_divine_revelation_of_hell/German_A_Divine_Revelation_Of_Hell.htm
Der folgende Mann war eigenen Angaben nach nicht nur ein Besucher, sondern auch ein Leidender in
der Hölle:
www.spiritlessons.com/Documents/Bill_Wiese_23_Minutes_In_Hell/Bill_Wiese_German.htm
Ich frage Sie nun, als jemand, der sich ja ganz offensichtlich gut mit der Materie auskennt: Was
ist von solchen Berichten zu halten? Sind es Wahnvorstellungen, Lügen oder wahrhaftige
Offenbarungen? Woran kann man erkennen, ob diese Berichte real sind oder nicht? Und wenn sie
nicht real, sondern nur erlogen sind: Wieso tun Christen so etwas, wo sie doch genau wissen,
dass Gott Lügen und Verfälschen seiner Lehre hasst?
Sprüche 6
16 Diese sechs Dinge haßt der HERR, diese sieben sind ihm ein Greuel:
17 stolze Augen, falsche Zunge, Hände, die unschuldiges Blut vergießen,
18 ein Herz, das arge Ränke schmiedet, Füße, die behende sind, Schaden zu tun,
19 ein falscher Zeuge, der frech Lügen redet, und wer Hader zwischen Brüdern anrichtet.
Offenbarung 22
18 Ich bezeuge allen, die da hören die Worte der Weissagung in diesem Buch: Wenn jemand etwas
hinzufügt, so wird Gott ihm die Plagen zufügen, die in diesem Buch geschrieben stehen.
Klaus Hildebert
Vielen Dank für Ihren Besuch bei Immanuel.at und Ihre freundlichen Worte. Ihr
Kommentar weist auf eine Erscheinung hin, welche tatsächlich - insbesondere in den US- und
südamerikanischen Staaten - eines der großen Probleme in den christlichen Gemeinden unserer Zeit
ist. Nämlich, dass immer wieder von Offenbarungen berichtet wird, welche angeblich der Herr Jesus
selbst den Leuten gegeben hätte und sie dann beauftragt hat, diese Visionen unter den Menschen zu
verbreiten.
Nachdem es sich dabei in vielen Fällen auch um biblisch durchaus bewanderte Erzähler handelt, ist
es besonders für Zeitgenossen mit weniger Bibelkenntnis eher schwierig, die anscheinend
schriftkonforme Argumentation zu überprüfen und festzustellen, ob es sich dabei um fundierte
Exegese handelt oder ob in der sogenannten „Steinbruchmethode” einzelne Verse und Abschnitte
herausgegriffen und zu einer neuen „Geschichte” zusammengesetzt wurden.
Und weil nun die genaue Überprüfung und Beurteilung derartiger Aussagen eine relativ
zeitaufwendige Aufgabe darstellt, machen es sich manche Kommentatoren leicht und behaupten ganz
einfach, dass dies alles falsch sei, ohne jedoch einen konkreten Schriftbeweis anzuführen. Damit
sind sie aber nicht besser als diese „Erzähler” und können von diesen jederzeit mit dem
Argument relativiert werden, dass sie ja die Aussagen nicht widerlegen konnten.
Wir wollen daher den korrekten, wenn auch mühsameren Weg gehen und versuchen diese Leute dort zu
überprüfen, wo sie am ehesten zu widerlegen sind. Das sind einerseits ihre Zitate von
Bibelstellen, sofern sie welche anführen, und andererseits - was bei derartigen Berichten sehr
häufig vorkommt und schon fast ein Zeichen für eine Fälschung ist -, dass der Herr Jesus selbst
mit ihnen gesprochen hätte. Wir kennen den Duktus des Herrn - also die charakteristische Art wie er
gesprochen hat - aus der Bibel, und können durchaus erkennen, wenn jemand, der dieser Diktion nicht
mächtig ist, versucht ihm Texte unterzuschieben.
Auf der ersten von Ihnen zitierten Website sind es sieben kolumbianische Jugendliche (ähnlich den drei Kindern von Fatima?), welchen Jesus Christus u.a. auch die Hölle gezeigt haben soll und wo es ziemlich am Beginn heißt:
„Inmitten des Lichtes sahen wir eine Menge Engel die weiß gekleidet
waren. Diese Engel waren wundervoll, groß und sehr gut aussehend. In ihrer Mitte sahen wir etwas
Erstaunliches - die Gestalt eines Menschen. Er sah besonders aus - ein Mensch, der einen sehr
weißen Mantel und ebensolche Gewänder trug. (...)
Er sprach in einfachen, aber sehr machtvollen Worten, zu uns. Folgende, hörbare Worte sagte Er zu
uns: ,Meine lieben Kinder, fürchtet euch nicht, Ich bin Jesus von Nazareth; und Ich bin deshalb zu
euch gekommen, um euch Geheimnisse zu zeigen, die ihr dann Nationen, Städten, Gemeinden und
allerorts mitteilen sollt. Wohin Ich euch sage, dass ihr gehen sollt, werdet ihr gehen - und wohin
Ich euch sage, dass ihr nicht gehen sollt, werdet ihr nicht gehen.' (...) Wir konnten jedoch sehen,
dass Er eine goldene Schärpe über der Brust trug, auf der mit goldenen Buchstaben stand: ,König
der Könige und Herr aller Herren.'”
Zum Einen wäre zu bemerken, dass die meisten gläubigen Christen, wenn sie eine derartige Erscheinung hätten, so beeindruckt und perplex wären, dass sie wohl kaum auf das „gute Aussehen” dieser Engel achten würden. Aber alleine schon der Umstand, dass diese Leute dem Aussehen von Engeln so große Beachtung beimessen, lässt erkennen, dass sie kaum gläubig-geistlich sondern eher weltlich-optisch orientiert sind. Des Weiteren die Gestalt des Menschen in ihrer Mitte: wenn dieser Mensch tatsächlich einen Mantel trug, wäre es eher schwierig gewesen, die Farbe seiner Gewänder - die er ja darunter tragen musste - zu erkennen. Und schließlich ist es ziemlich offensichtlich, dass hier „Anleihen” aus der Offenbarung zu erkennen sind.
Inmitten der Leuchter einen gleich einem Menschensohn, bekleidet mit einem bis zu den Füßen reichenden Gewand.
Off 1,12 Und ich wandte mich um, die Stimme zu sehen, die mit mir
redete, und als ich mich umwandte, sah ich sieben goldene Leuchter, 1,13 und inmitten der
Leuchter einen gleich einem Menschensohn, bekleidet mit einem bis zu den Füßen reichenden Gewand
und an der Brust umgürtet mit einem goldenen Gürtel; 1,14 sein Haupt aber und die Haare waren
weiß wie weiße Wolle, wie Schnee, und seine Augen wie eine Feuerflamme. Off 1,12-14;
Es ist aber auch eher seltsam, dass sich der Herr hier mit „Ich bin Jesus von
Nazareth” vorstellt. Er hat sich selbst nie „Jesus von Nazareth” genannt, sondern
Menschensohn. Und insbesondere in der Ewigkeit - von wo aus dieses Gespräch ja geführt wird - ist
es völlig irrelevant, dass er aus Nazareth kam. Seit seiner Auferstehung ist er Sohn Gottes und
allen gläubigen Christen als solcher bekannt.
Und dann heißt es weiter:
„Die Heilige Schrift, das Wort Gottes, sagt in Joel 3:1: ,Und danach
wird es geschehen, dass Ich Meinen Geist ausgießen werde über alles Fleisch. Und eure Söhne und
Töchter werden weissagen, eure Greise werden Träume haben, eure jungen Männer werden Gesichte
sehen.' Das sind die Zeichen, die Gott für jeden vorbereitet hat.”
Und damit soll offensichtlich mit einem aus dem Zusammengang gerissenen Vers aus der Schrift bewiesen werden, dass auf diese Leute jetzt der Heilige Geist ausgegossen wurde und sie nun weissagen können. Daraus ist aber nicht nur der Versuch zu erkennen, diese Bibelstele für ihre Zwecke zu missbrauchen, sondern auch und insbesondere, dass diese Leute von der Bedeutung des Textes, welchen sie hier zitieren, keine Ahnung haben. Wer den Kontext liest, erkennt, dass sich diese Aussagen des Propheten Joel nicht auf diese sieben kolumbianischen Jugendlichen und auf unsere heutige Zeit beziehen, sondern auf das Volk Israel und sich erst in der Zeit des Tausendjährigen Reichs auf Erden realisieren werden.
Und ihr werdet erkennen, daß ich in Israels Mitte bin und daß ich, der HERR, euer Gott bin und keiner sonst.
Joel 2,23 Und ihr, Söhne Zions, jubelt und freut euch im HERRN,
eurem Gott! Denn er gibt euch den Frühregen nach dem Maß der Gerechtigkeit, und er läßt euch
Regen herabkommen: Frühregen und Spätregen wie früher. 2,24 Und die Tennen werden voll Getreide
sein und die Kelterkufen überfließen von Most und Öl. 2,25 Und ich werde euch die Jahre
erstatten, die die Heuschrecke, der Abfresser und der Vertilger und der Nager gefressen haben, mein
großes Heer, das ich gegen euch gesandt habe. 2,26 Und ihr werdet genug essen und satt werden und
werdet den Namen des HERRN, eures Gottes, loben, der Wunderbares an euch getan hat. Und mein Volk
soll nie mehr zuschanden werden 2,27 Und ihr werdet erkennen, daß ich in Israels Mitte bin
und daß ich, der HERR, euer Gott bin und keiner sonst. Und mein Volk soll nie mehr zuschanden
werden. Joel 2,23-27;
Und erst dann spricht Joel die oben zitierten Verheißungen aus:
Joel 3,1 Und danach wird es geschehen, daß ich meinen Geist
ausgießen werde über alles Fleisch. Und eure Söhne und eure Töchter werden weissagen, eure
Greise werden Träume haben, eure jungen Männer werden Gesichte sehen. Joel 3,1;
Weiter unten berichten diese Jugendlichen dann von einem Mann in der Hölle, der zu Jesus um Erbarmen flehte:
„Der Mann streckte seine dürre Hand zum Herrn aus und fing an zu
weinen, indem er sagte: „Herr, hab Erbarmen mit mir! Bitte, erbarme Dich meiner! Es tut so weh!
Ich brenne! Bitte, erbarme Dich meiner und hole mich hier raus!” Der Herr sah ihn voller Mitleid
an - und plötzlich fühlte ich etwas Warmes in meiner Hand. Ich sah hin und erblickte Blut das Blut
Jesu! Das Blut kam aus Seiner Hand, während er auf den leidenden Mann sah, der von Flammen
eingehüllt war.”
Das ist nun ein ziemlich eindeutiger Beweis dafür, dass wir es hier mit ganz
unverschämten Lügen zu tun haben. Die Schilderung: „und plötzlich fühlte ich etwas Warmes in
meiner Hand. Ich sah hin und erblickte Blut das Blut Jesu! Das Blut kam aus Seiner Hand” ist
ebenso falsch, wie alle jene Darstellungen des Gekreuzigten, welche die Nägelmale in seinen
Handflächen zeigen. Wie archäologische Funde zeigen, wurden bei der Kreuzigung durch die Römer
nicht die Handflächen, sondern die Handgelenke durchbohrt. Daran sind auch alle katholischen „Heiligen”
zu überführen, welche ihre Stigmatisation auf ein Wirken des Heiligen Geistes zurückführen
wollen, der sie mit den Wundmalen Jesu in den Handflächen „segnete”. Tatsächlich bestreichen
sie - wie etwa Padre Pio von Pietralcina in Italien (Padre
Pio's kleines Geheimnis) - ihre Handflächen mit Säure, um dann ein blutendes Stigmata
vorzutäuschen.
Auf der zweiten der von Ihnen zitierten drei Websites präsentiert die Autorin gleich zu Beginn ihre Berufung durch Jesus höchstpersönlich:
„An Kathryn von Jesus
Für diesen Auftrag bist du geboren, um aufzuschreiben und weiter zu
sagen, was Ich dir zeigen und mitteilen werde. Weil diese Dinge wahr sind. Dein Ruf ist es, die Welt
wissen zu lassen, dass es eine Hölle gibt und dass Ich, Jesus Christus, von Gott gesandt wurde, um
die Menschen vor diesem Horror zu retten.”
Auch hier erkennen wir an der Art, wie der Herr sich angeblich selbst vorstellt: „Ich,
Jesus Christus”, dass diese Aussage nicht vom Herrn kommen kann. Er hat sich zu seinen Lebzeiten
nie selbst so bezeichnet und nun, da er zur Rechten des Vaters im Himmel herrscht, wird er sich noch
viel weniger so nennen. Fortan ist er im Himmel und auf Erden Sohn Gottes. Hier wird eine
Offenbarung des Herrn wie ein Jausensgespräch dargestellt. Doch Gott - und auch Gottes Sohn - ist
Geist und jeder Mensch, an den er sich richtet, weiß sofort im Geist, wer er ist und muss nicht
erst darauf hingewiesen werden, wer da spricht. Und es ist auch fraglich, ob der Herr in einer
Offenbarung den Terminus „Horror” verwenden würde, oder ob das nicht dem Sprachschatz einer auf
derartige Sprachbilder fixierten „Illusionistin” entspringt.
Sie schreibt dann weiter in ihrem Buch „A Divine Revelation of Hell” (Eine göttliche
Offenbarung der Hölle) - in welchem sie übrigens ohne jede Bibelstelle auskommt -, dass sie der
Herr 30 Nächte lang in die Hölle mitnahm, um ihr „die Realität der Hölle” zu zeigen. Und
dann schildert sie ein Erlebnis, welches tatsächlich in ähnlicher Form aus okkulten Kreisen
bekannt ist.
„Im März 1976, als ich zu Hause betete, besuchte mich der HERR Jesus
Christus. Tagelang hatte ich im Geist gebetet, als ich plötzlich die Gegenwart Gottes fühlte.
Seine Kraft und Seine Herrlichkeit erfüllten das Haus. Ein strahlendes Licht erhellte den Raum, in
dem ich am Beten war und ein süßes und wundervolles Gefühl kam über mich. Liebeswellen
rollten und falteten sich ineinander und rollten über- und aus einander. Es war ein spektakuläres
Schauspiel! (...) Gottes Lobpreis begann von mir zu fließen”
Diese Aussagen der US-Amerikanerin erinnern sehr an das Erlebnis einer anderen Frau, einer Deutschen, die an einer charismatischen Geistestaufe in Jerusalem teilgenommen hatte und deren Bericht hier auszugsweise zitiert werden soll:
„In Lüdenscheid trifft Elisabeth auf eine Frau, die ihr vorschwärmt,
wie toll eine Geistestaufe beim jüdischen Laubhüttenfest der Organisation Internationale
Christliche Botschaft Jerusalem ist. Dort treffe man auf die ,Nabelschnur vom Himmel und die ganze
Fülle des Segens'. Elisabeth fährt nach Israel und erlebt tatsächlich in einem
Heilungsgottesdienst mit dem Inder Mahesh Chavda die charismatische Geistestaufe: ,Chavda schrie:
,Wer hat die Geistestaufe noch nicht?' Jemand gab mir von hinten einen Stups. Jetzt oder nie! So
ging ich mit vielen nach vorne.
Jeder bekam persönlich die Hände aufgelegt und fiel er nicht um, wurde er noch angeblasen. Was ich
dann am Boden liegend erlebte, übertraf alles, was ich bisher kannte: Liebesgefühle ohne Ende.
Ich wollte und konnte gar nicht mehr aufstehen. Ich war ein anderer Mensch. Jetzt kannte ich Jesus
noch als Liebhaber. Von nun an konnte auch ich in Zungen (Glossolalie/ekstatisches Reden) reden,
anderen die Hände auflegen oder sie anhauchen, und sie fielen auf den Rücken. Auch heilen war
keine Seltenheit mehr. Nun war ich ,Jemand', hochgestiegen auf dieser Leiter der Hierarchie.'”
(Siehe auch Immanuel.at - Besucherinformationen: „Bericht
über das charismatische Lager.”)
Schließlich wird auch der Beweggrund der Autorin für das Verfassen dieses Buch klar:
„Siehe, mein Kind”, sagte Jesus, „Ich werde dich mit Meinem Geist
in die Hölle hineinführen. Danach wirst du fähig sein, die Realität der Hölle in einem Buch
festzuhalten, um damit der ganzen Welt klar und deutlich zu machen, dass es die Hölle wirklich
gibt. Dadurch werden Verlorene aus der Dunkelheit ins Licht des Evangeliums von Jesus Christus
geführt.”
Durch ihren Besuch in der Hölle sollen also „Verlorene aus der Dunkelheit ins
Licht des Evangeliums von Jesus Christus geführt” werden. Es ist eine derart absurde Vorstellung,
dass unser Herr, der uns von unseren Sünden durch seinen eigenen Tod vor eben dieser Hölle
errettet hat, dann einen von uns in die Hölle schicken würde, um „die Realität der Hölle” zu
erfahren, dass dies schon nicht mehr einem menschlichen Hirn - sei es noch so verkorkst -
entspringen kann, sondern offensichtlich das Produkt eines unreinen Geistes ist.
Der Autor des letzten der drei von Ihnen zitierten Berichte ist - ebenso wie seine
Frau - von Beruf Immobilienmakler und hat daher sicher ein gewisses Talent andere Menschen von
seiner Sicht der Dinge zu überzeugen. Man muss allerdings fairer Weise auch sagen, dass sein
Bericht die am besten durchkomponierte und mit den meisten Bibelreferenzen versehene Geschichte ist.
Wenn auch nicht alle Bibelzitate immer zu seinem Text passen, erkennt man doch, dass er ein recht
profundes Bibelwissen hat
Er behautet, er hätte seinen Körper verlassen und wäre mit Jesus in der Hölle gewesen. Seine
Frau berichtet, sie hätte ihren Mann eines Nachts schreiend am Boden des Wohnzimmers vorgefunden
und hätte 10-20 Minuten für ihn gebetet, bis er sich beruhigt hatte. Und um nun alle Zweifel von
vornherein auszuräumen, führt dieser Immobilienmakler als Beweis für die Richtigkeit seiner
Ausführungen jene Paulusstelle aus 2Kor 12,2 an, in der Paulus berichtet, dass er außerhalb des
Leibes war. Die Bescheidenheit des Paulus, der hier nicht von sich selbst spricht, sondern „von
einem Menschen in Christus”, hätte diesem Immobilienmakler viel besser angestanden, doch das
hätte dann ja das Verständnis vieler Amerikaner überfordert und sie hätten diese Geschichte
eventuell missverstanden.
Nicht genug dieses unpassenden Vergleichs mit Paulus, zitiert der Mann auch noch Jona als Zeugen
seiner „Höllenfahrt”
„Jona 2:3 ,Und ich rief zu dem Herrn in meiner Angst, und Er
antwortete mir. Ich schrie aus dem Rachen des Todes, und Du hörtest meine Stimme'. Und in Jona 2,7
steht ,Ich sank hinunter zu der Berge Gründen, der Erde Riegel schlossen sich hinter mir ewiglich.
Aber Du hast mein Leben aus dem Verderben geführt, Herr. mein Gott.' Das heißt, es gab jemanden,
der die Hölle besucht hatte - und zwar JONA.”
Dass der Text im Vers zuvor - Jona 2,2 - und auch in diesem Vers davon spricht, dass Jona hier aus dem Bauch des Fisches zum Herrn betete und in der Folge seine Erlebnisse und Ängste in der Finsternis dieses Fischbauches, den er mit dem Scheol (Totenreich) verglich, schildert, dürfte dem Immobilienmakler entgangen sein oder er hat dieses Passage bewusst ausgelassen, weil sonst seine Deutung auf die „Hölle” nicht mehr plausibel gewesen wäre.
Und Jona betete zum HERRN, seinem Gott, aus dem Bauch des Fisches
Jona 2,1 Und der HERR bestellte einen großen Fisch, Jona zu
verschlingen; und Jona war drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches. 2,2 Und Jona betete zum HERRN, seinem Gott, aus dem Bauch des Fisches
2,3 und sprach: Ich rief aus meiner Bedrängnis zum HERRN, und er antwortete mir. Aus dem
Schoß des Scheol schrie ich um Hilfe - du hörtest meine Stimme. Jona 2, 1- 3;
Hier erkennt man recht genau mit welcher Dreistigkeit Bibeltexte willkürlich aus
ihrem Kontext gerissen und für den eigenen Gebrauch gekürzt und uminterpretiert werden. Dass man
dabei auch vor einem so bekannten Thema wie „Jona und der Fisch” nicht zurückschreckt, lässt
entweder auf die Dummheit des Autors oder auf jenes Maß an Dummheit schließen, welches er bei
seinen Lesern vermutet.
In der weiteren Folge werden dann als Beweisführung über die Hölle einige Bibelstellen aus dem AT
zitiert, welche vom Totenreich sprechen, ohne zu realisieren, dass Totenreich im AT (Scheol:
Grab der [gesamten] Menschheit, Aufenthaltsort der Guten [Ps
30,4] und der Bösen [4Mo
16,33] und Hölle im NT (Gehenna: Aufenthaltsort der Bösen [Mt
23,33] zwei völlig unterschiedliche Begriffe sind.
Am Ende seiner Erzählung stellt der Autor genau jene Frage, welche auch einem kritischen Leser
während der ganzen Lektüre auf der Zunge brennt:
„Als ich real wieder zu mir kam und einigermaßen fähig war zu
sprechen, fragte ich Ihn in Gedanken ,Warum hast du mich hierher gebracht?' Jesus las meine Gedanken
und sagte: ,Weil die Menschen nicht glauben, dass dieser Ort tatsächlich existiert. Selbst einige
Christen glauben nicht daran'”.
Und die Antwort, welcher ihm der Herr hier angeblich gegeben hat, steht im krassen Gegensatz zu Jesu Aussagen in der Bibel. Den Juden, die wegen ihrer Hartherzigkeit bekannt waren, erzählte der Herr folgende Geschichte, welche hier zum besseren Verständnis zur Gänze zitiert werden soll:
Wenn sie Mose und die Propheten nicht hören, so werden sie auch nicht überzeugt werden, wenn jemand aus den Toten aufersteht.
Lk 16,19 Es war aber ein reicher Mann, und er kleidete sich in Purpur
und feine Leinwand und lebte alle Tage fröhlich und in Prunk. 16,20 Ein Armer aber, mit Namen
Lazarus, lag an dessen Tor, voller Geschwüre, 16,21 und er begehrte, sich mit den Abfällen vom
Tisch des Reichen zu sättigen; aber auch die Hunde kamen und leckten seine Geschwüre.
16,22 Es geschah aber, daß der Arme starb und von den Engeln in Abrahams Schoß getragen wurde. Es
starb aber auch der Reiche und wurde begraben. 16,23 Und als er im Hades seine Augen aufschlug und
in Qualen war, sieht er Abraham von weitem und Lazarus in seinem Schoß. 16,24 Und er rief und
sprach: Vater Abraham, erbarme dich meiner und sende Lazarus, daß er die Spitze seines Fingers ins
Wasser tauche und meine Zunge kühle! Denn ich leide Pein in dieser Flamme.
16,25 Abraham aber sprach: Kind, gedenke, daß du dein Gutes völlig empfangen hast in deinem Leben
und Lazarus ebenso das Böse; jetzt aber wird er hier getröstet, du aber leidest Pein. 16,26 Und zu
diesem allen ist zwischen uns und euch eine große Kluft festgelegt, damit die, welche von hier zu
euch hinübergehen wollen, es nicht können, noch die, welche von dort zu uns herüberkommen wollen.
16,27 Er sprach aber: Ich bitte dich nun, Vater, daß du ihn in das Haus meines Vaters sendest,
16,28 denn ich habe fünf Brüder, daß er ihnen eindringlich Zeugnis ablege, damit sie nicht auch
an diesen Ort der Qual kommen! 16,29 Abraham aber spricht: Sie haben Mose und die Propheten.
Mögen sie die hören!
16,30 Er aber sprach: Nein, Vater Abraham, sondern wenn jemand von den Toten zu ihnen geht, so
werden sie Buße tun. 16,31 Er sprach aber zu ihm: Wenn sie Mose und die Propheten nicht hören,
so werden sie auch nicht überzeugt werden, wenn jemand aus den Toten aufersteht. Lk 16,19-31;
Nach diesen Worten des Herrn hat es also überhaupt keinen Sinn, wenn Leute in der
Hölle gewesen wären und von dort zurückkehrten, um das den Menschen zu erzählen. Die Menschen
würden sich dadurch nicht bekehren. Einzig und allein das Studium der Schrift, also das Alte
Testament mit Mose und den Propheten - wobei wir Heutigen zusätzlich auch noch das NT haben -, ist
nach der obigen Textaussage in der Lage, die Menschen zu Gott zu führen. Das sagt uns unser Herr (Jh
5,46-47) und das wissen auch die meisten Bibelleser. Aber die drei von Ihnen zitierten
Buchautoren haben dies scheinbar noch nie gelesen oder ganz einfach nicht verstanden.
Als Resümee kann man zumindest festhalten, dass alle derartigen Geschichten, wo Leute in die
Hölle, in den Himmel oder sonst wohin „entrückt” wurden, nicht bibelkonform und daher erfunden
sind und man sich sinnvollerweise gleich nach dem Lesen der Überschrift die Lektüre sparen kann.
Es ist schade um die Zeit.
Mit Ihrer abschließenden Frage:
„Wieso tun Christen so etwas, wo sie doch genau wissen, dass Gott
Lügen und Verfälschen seiner Lehre hasst?”
berühren Sie tatsächlich ein Phänomen im Christentum, welches wir in allen
Denominationen beobachten können.
Warum werden in der katholischen Kirche der Götze „Maria” und die verstorbenen „Heiligen” angebetet, wo doch die Schrift sagt, dass Gott den Götzendienst hasst und ihm der Totenkult ein Gräuel ist?
Sie sind wie eine Vogelscheuche im Gurkenfeld und reden nicht; sie müssen getragen werden, denn sie gehen nicht.
Jer 10,2 So spricht der HERR: Gewöhnt euch nicht an den Weg der
Nationen und erschreckt nicht vor den Zeichen des Himmels, auch wenn die Nationen vor ihnen
erschrecken! 10,3 Denn die Ordnungen der Völker - ein Götze ist es, der sie gab. Ja, ihre
Götzen sind Holz, das einer aus dem Wald geschlagen hat, ein Werk von Künstlerhänden, mit dem
Schnitzmesser hergestellt. 10,4 Man schmückt es mit Silber und mit Gold. Mit Nägeln und mit
Hämmern befestigen sie es, daß es nicht wackelt. 10,5 Sie sind wie eine Vogelscheuche im
Gurkenfeld und reden nicht; sie müssen getragen werden, denn sie gehen nicht. Fürchtet euch
nicht vor ihnen! Denn sie tun nichts Böses, und Gutes tun können sie auch nicht. 10,6 Keiner ist
dir gleich, HERR. Du bist groß, und groß ist dein Name durch deine Macht. Jer 10 2- 6;
Soll nicht ein Volk seinen Gott befragen? Soll es etwa für die Lebenden die Toten befragen?
Jes 8,19 Und wenn sie zu euch sagen: Befragt die Totengeister
und die Wahrsagegeister, die da flüstern und murmeln, so antwortet Soll nicht ein Volk seinen
Gott befragen? Soll es etwa für die Lebenden die Toten befragen? Jes 8,19;
Doch diese falsche Lehre - speziell die Anbetung von verstorbenen Gläubigen als "Heilige" - resultiert aus einer anderen falschen Auslegung. Nicht nur in der katholischen Kirche, sondern auch in den christlichen Gemeinden ist die Auffassung weit verbreitet, dass die verstorbenen Christen bereits im Himmel wären. Andererseits aber glaubt man in der Gemeinde Christi auch fest daran, dass nach den Verheißungen des Paulus, in 1Kor 15,51-53 und 1The 4,15-17, bei der Wiederkunft des Herrn die Entrückung der toten und lebenden Gläubigen erfolgen wird.
Die Toten werden auferweckt werden und unvergänglich sein.
1Kor 15,51 Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle
entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden, 15,52 in einem Nu, in einem Augenblick, bei der
letzten Posaune; denn posaunen wird es, und die Toten werden auferweckt werden, unvergänglich
sein, und wir werden verwandelt werden. 15,53 Denn dieses Vergängliche muß Unvergänglichkeit
anziehen und dieses Sterbliche Unsterblichkeit anziehen. 1Kor 15,51-53;
Denn der Herr selbst wird herabkommen vom Himmel, und die Toten in Christus werden zuerst auferstehen.
1The 4,15 Denn dies sagen wir euch in einem Wort des Herrn, daß wir,
die Lebenden, die übrigbleiben bis zur Ankunft des Herrn, den Entschlafenen keineswegs
zuvorkommen werden. 4,16 Denn der Herr selbst wird beim Befehlsruf, bei der Stimme eines
Erzengels und bei dem Schall der Posaune Gottes herabkommen vom Himmel, und die Toten in Christus
werden zuerst auferstehen; 4,17 danach werden wir, die Lebenden, die übrigbleiben, zugleich
mit ihnen entrückt werden in Wolken dem Herrn entgegen in die Luft; und so werden wir allezeit
beim Herrn sein. 1The 4,15-17;
Wenn Paulus oben, in 1Kor 15,52 schreibt „die Toten werden auferweckt werden, unvergänglich sein”, dann waren ja die Toten vorher nicht unvergänglich. Wenn sie jedoch im Himmel wären, müssten sie einen Auferstehungsleib haben und daher per se unvergänglich sein. Und auch der Herr prophezeit uns, dass er bei seiner Wiederkunft zur Entrückung der Seinen ins Totenreich hineinrufen wird und die Toten in Christus, die zu dieser "Stunde" als einzige unter den Toten diesen Ruf hören werden, werden auferweckt und werden leben.
Es kommt die Stunde, wo die Toten, welche die Stimme des Sohnes Gottes gehört haben, leben werden.
Jh 5,25 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, daß die Stunde kommt und
jetzt da ist, wo die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden, und die sie gehört haben,
werden leben. Jh 5,25;
Wenn also die verstorbenen Gläubigen zu diesem Zeitpunkt tatsächlich bereits im
Himmel wären, würde sie der Herr hier für die Entrückung vergeblich unter den Toten suchen. Die
verstorbenen christlichen Gläubigen müssen daher - zumindest bis zur Entrückung - im Totenreich
sein.
Als Gegenargument wird hier meistens angeführt, dass ja der Herr in Lk 23,39-43 dem bekehrten
Schächer am Kreuz auch verheißt: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.
Einer der gehenkten Übeltäter lästerte ihn, der andere aber wies diesen zurecht.
Lk 23,39 Einer der gehenkten Übeltäter aber lästerte ihn:
Bist du nicht der Christus? Rette dich selbst und uns! 23,40 Der andere aber antwortete und wies
ihn zurecht und sprach: Auch du fürchtest Gott nicht, da du in demselben Gericht bist? 23,41
Und wir zwar mit Recht, denn wir empfangen, was unsere Taten wert sind; dieser aber hat nichts
Ungeziemendes getan. 23,42 Und er sprach: Jesus, gedenke meiner, wenn du in dein Reich kommst! 23,43
Und er sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein. Lk
23,39-43;
Hier wird schnell gefolgert, dass der Schächer nach seinem Tod am Kreuz gemeinsam mit dem Herrn in den Himmel aufgefahren ist. Aber sagt das die Bibel wirklich? Wenn wir in der Schrift suchen, wohin der Herr unmittelbar nach seinem Tod gegangen ist, erfahren wir etwas ganz anderes. In Mt 12,40 heißt es, dass der Herr nach seinem Tod "im Herzen der Erde" war.
Der Sohn des Menschen wird drei Tage und drei Nächte im Herzen der Erde sein.
Mt 12,40 Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte in dem Bauch des
großen Fisches war, so wird der Sohn des Menschen drei Tage und drei Nächte im Herzen der
Erde sein. Mt 12,40;
Und im Herzen der Erde ist nun gewiss nicht das Himmelreich. Und Petrus erklärt uns in seinem ersten Brief nicht nur wo der Herr nach seinem Tod hingegangen ist, sondern auch was er dort getan hat.
Den Toten wurde das Evangelium verkündigt.
1Ptr 4,6 Denn dazu ist auch den Toten das Evangelium verkündigt,
dass sie zwar nach Menschenweise gerichtet werden im Fleisch, aber nach Gottes Weise das Leben haben
im Geist. 1Ptr 4, 6;
Nach seinem Tod ist Christus im Geist hingegangen und hat den Geistern im Gefängnis gepredigt.
1Ptr 3,18 Denn es hat auch Christus einmal für Sünden
gelitten, der Gerechte für die Ungerechten, damit er uns zu Gott führe, zwar getötet nach dem
Fleisch, aber lebendig gemacht nach dem Geist. 3,19 In diesem ist er auch hingegangen und
hat den Geistern im Gefängnis gepredigt. 1Ptr 3,18-19;
Christus ist - wie jeder andere Mensch auch - nach seinem Tod ins Totenreich
gekommen und hat dort 3 Tage und 3 Nächte lang den Toten das Evangelium verkündet, damit jene,
welche daran glauben wollten, gerettet wären.
(Siehe auch Kapitel 12: „Christus
im Totenreich”)
Und wenn also der Schächer mit Christus gegangen ist, dann war er ebenfalls genau
dort: im Totenreich. Dass der Herr dies als "Paradies" bezeichnete, hängt damit zusammen,
dass das Paradies ein Teil des Totenreichs ist.
(Siehe auch Exkurs 09: „Das Paradies”)
Während der Herr nach drei Tagen und drei Nächten auferstanden und in den Himmel
aufgefahren ist, ist der Schächer - wie alle anderen Toten auch - im Totenreich entschlafen. Jene
unter den Toten, welche sich durch die Verkündigung des Herrn bekehrt haben, warten gemeinsam mit
den seit damals verstorbenen Christusgläubigen im Paradies des Totenreichs auf die Auferweckung bei
er Wiederkunft des Herrn zur Entrückung. Die Anderen aber, die damals nicht zum Glauben an Christus
gekommen sind, warten gemeinsam mit allen seither verstorbenen Menschen, die Christus nicht als
ihren Retter angenommen haben, im anderen Teil des Totenreichs auf die Allgemeinen Auferstehung und
das Weltgericht, wo sie ihr Urteil empfangen werden.
Wenn also die Katholiken zu ihren verstorbenen "Heiligen" beten wollen, sind sie noch
etwas zu früh dran. Denn diese schlafen noch im Totenreich mit allen anderen Toten und werden erst
bei der Allgemeinen Auferstehung - der Wiedergeburt aus dem Geist - wieder lebendig werden. Und die
falschen Gebete, welche an sie gerichtet werden, werden ihnen beim Gericht wahrscheinlich nicht
helfen, sondern eher schaden.
Wieso predigt man in den Gemeinden, dass die Gemeinde die Braut Christi ist, obwohl doch Gott selbst aus dem Mund des Propheten Hosea Israel verheißt:
Ich will dich mir verloben in Ewigkeit, und ich will dich mir verloben in Gerechtigkeit und in Recht und in Treue.
Hos 2,21 Und ich will dich mir verloben in Ewigkeit, und ich will
dich mir verloben in Gerechtigkeit und in Recht und in Gnade und in Erbarmen, 2,22 ja in
Treue will ich dich mir verloben; und du wirst den HERRN erkennen. Hos 2,21-22;
Als Argument führen dann viele Ausleger immer Eph 5,31-33 und 2Kor 11,2 an:
Dieses Geheimnis ist groß, ich aber deute es auf Christus und die Gemeinde.
Eph 5,31 «Deswegen wird ein Mensch Vater und Mutter verlassen und
seiner Frau anhängen, und die zwei werden ein Fleisch sein.» 5,32 Dieses Geheimnis ist groß,
ich aber deute es auf Christus und die Gemeinde. 5,33 Jedenfalls auch ihr - jeder von euch liebe
seine Frau so wie sich selbst; die Frau aber, daß sie Ehrfurcht vor dem Mann habe! Eph 5,31-33;
Bei Eph 5,31-33 übersieht man, dass Paulus hier sagt, er würde dies „deuten”. Es ist also keine Offenbarung, sondern der Versuch einer Deutung, welche jedoch durch die explizite Entscheidung Gottes in Hos 2,21-22 widerlegt ist. Gerade Paulus sagt uns ja auch 4 Kapitel vorher, in Eph 1,22-23 (Röm 12,5; 1Kor 12,12), dass die Gemeinde der Leib Christi und Christus das Haupt ist. Wir können also nicht Bräutigam und Braut zugleich sein.
Er ist das Haupt und die Gemeinde sein Leib.
Eph 1,22 Und alles hat er seinen Füßen unterworfen und ihn als
Haupt über alles der Gemeinde gegeben, 1,23 die sein Leib ist, die Fülle dessen, der
alles in allen erfüllt. Eph 1,22-23;
Und in 2Kor 11,2 führt Paulus nun jene Eigenschaften an, welcher einer Braut Christi tatsächlich zukommen, von welchen aber die Gemeinde, entgegen den Hoffnungen des Paulus, realistischerweise nur träumen kann.
Denn ich habe euch einem Mann verlobt, um euch als eine keusche Jungfrau vor den Christus hinzustellen.
2Kor 11,2 Denn ich eifere um euch mit Gottes Eifer; denn ich habe
euch einem Mann verlobt, um euch als eine keusche Jungfrau vor den Christus hinzustellen.
2Kor 11,2;
Noch dazu, wo wir in Off 14,1-5 die wahre und untadelige Braut Christi aus dem endzeitlichen Volk Gottes aus Israel mit all den bräutlichen Eigenschaften, präsentiert bekommen:
Diese sind aus den Menschen als Erstlingsfrucht für Gott und das Lamm erkauft worden.
Off 14,1 Und ich sah: und siehe, das Lamm stand auf dem Berg Zion und
mit ihm 144000, die seinen Namen und den Namen seines Vaters an ihren Stirnen geschrieben
trugen. 14,2 Und ich hörte eine Stimme aus dem Himmel wie das Rauschen vieler Wasser und
wie das Rollen eines lauten Donners; und die Stimme, die ich hörte, war wie von Harfensängern, die
auf ihren Harfen spielen. 14,3 Und sie singen ein neues Lied vor dem Thron und vor den vier
lebendigen Wesen und den Ältesten; und niemand konnte das Lied lernen als nur die 144000, die
von der Erde erkauft waren. 14,4 Diese sind es, die sich mit Frauen nicht befleckt
haben, denn sie sind jungfräulich; diese sind es, die dem Lamm folgen, wohin es auch
geht. Diese sind aus den Menschen als Erstlingsfrucht für Gott und das Lamm erkauft
worden. 14,5 Und in ihrem Mund wurde kein Falsch gefunden; sie sind untadelig.
Off 14, 1- 5;
Es kann also nicht zwei Bräute geben. Gott ist kein Bigamist und wer meint, hier
eine Trennung in Gottes Braut / Christi Braut sehen zu können, muss sich die Frage nach seinem
Verständnis der Dreieinigkeit gefallen lassen. Daher: Christus ist das Haupt. Die Gemeinde
aller Zeiten ist der Leib. Und die endzeitlichen Repräsentanten des Volkes Israel sind die Braut.
(Siehe auch den Diskurs 15: „Wer ist die Braut des
Lammes?”)
Weshalb werden in vielen christlichen Gemeinden die 144.000 Versiegelten aus Off 7,4-8 als die Gemeinde der Endzeit gesehen, wo man doch in der Bibel genau lesen kann, dass es sich hierbei um Israeliten, namentlich genannt aus allen 12 Stämmen Israels handelt? (Wenn man einmal nicht davon ausgehen will, dass damit die obere Interpretation der Gemeinde als Braut Christi mit völlig unzureichenden Argumenten begründet werden soll!)
144000 Versiegelte, aus jedem Stamm der Söhne Israels.
Off 7,4 Und ich hörte die Zahl der Versiegelten: 144000
Versiegelte, aus jedem Stamm der Söhne Israels. 7,5 Aus dem Stamm Juda 12000
Versiegelte, aus dem Stamm Ruben 12000, aus dem Stamm Gad 12000, 7,6 aus dem Stamm Asser
12000, aus dem Stamm Naftali 12000, aus dem Stamm Manasse 12000, 7,7 aus dem Stamm Simeon
12000, aus dem Stamm Levi 12000, aus dem Stamm Issaschar 12000, 7,8 aus dem Stamm Sebulon
12000, aus dem Stamm Josef 12000, aus dem Stamm Benjamin 12000 Versiegelte.
7,9 Nach diesem sah ich: und siehe, eine große Volksmenge, die niemand zählen konnte, aus jeder
Nation und aus Stämmen und Völkern und Sprachen, stand vor dem Thron und vor dem Lamm, bekleidet
mit weißen Gewändern und Palmen in ihren Händen. Off 7, 4- 9;
Noch dazu, wo gleich anschließend, hier oben, in Off 7,9, die tatsächliche
Gemeinde der Endzeit vor dem Thron Gottes gesehen wird. Wie man sieht, ist die Gemeinde zu diesem
Zeitpunkt, wenn die 144.000 Israeliten auf Erden versiegelt werden (Off 7,4-8) bereits vor dem Thron
Gottes (Off
7,9-10), nach der Großen Trübsal bei der Wiederkunft des Herrn entrückt (Off
7,13-17) und schon im Himmel.
(Siehe auch Tabelle 14: „Die Offenbarung - nach
Ereignissen gegliedert.”)
(Siehe auch Diskurs 06: „Die 144.000 Versiegelten:
Israeliten oder die Gemeinde der Endzeit?”)
Auch die Erste Auferstehung in Off 20,4-6 sehen viele christliche Prediger noch immer als die Entrückung bei der Wiederkunft des Herrn und damit als die Auferstehung der ganzen Gemeinde zum Herrschen als Priester und Könige mit Christus im Tausendjährigen Reich. Wie z.B. David Pawson weiter oben in diesem Diskurs: „Gottes Volk, das so lange von den Regierungen der Welt unterdrückt wurde, wird dann die Weltregierung stellen!” oder Heinz Weber von der Bibelschule Brake: „denn wir werden ja als seine Gemeinde auf Erden regieren - mitregieren, tausend Jahre mit ihm”.
Die Seelen der Märtyrer wurden lebendig. Dies ist die Erste Auferstehung.
Off 20,4 Und ich sah Throne, und sie setzten sich darauf, und ihnen
wurde das Gericht übergeben. Und ich sah die Seelen derer, die enthauptet waren um des Zeugnisses
von Jesus und um des Wortes Gottes willen, und die nicht angebetet hatten das Tier und sein
Bild und die sein Zeichen nicht angenommen hatten an ihre Stirn und auf ihre Hand; diese
wurden lebendig und regierten mit Christus tausend Jahre. 20,5 Die andern Toten aber wurden
nicht wieder lebendig, bis die tausend Jahre vollendet wurden. Dies ist die erste Auferstehung.
20,6 Selig ist der und heilig, der teilhat an der ersten Auferstehung. Über diese hat der zweite
Tod keine Macht; sondern sie werden Priester Gottes und Christi sein und mit ihm regieren
tausend Jahre. Off 20, 4- 6;
Dabei wird aber übersehen, dass hier in Off 20,4 ausschließlich von den Enthaupteten
- also den Märtyrern - die Rede ist. Die Auffassung, dass in Off 20,6 die ganze Gemeinde
gemeint sei - also auch alle eines natürlichen Todes und ohne Verfolgung wegen ihres Glaubens
gestorbenen Geschwister im Herrn -, welche dann als Könige und Priester mit dem Herrn regieren
werden, schreibt der Gemeinde wieder einmal ein Vorrecht zu, welches sie nach der Schrift nicht
besitzt. Nicht die Gemeinde wird im Millennium mit dem Herrn regieren, sondern jene Märtyrer aus
Altem und Neuem Bund, welche wir auch hier unten, in Off 6,9-11 „unten am Altar” erkennen und
die - wie es auch oben, in Off 20,4 von ihnen heißt - geschlachtet worden waren um des
Wortes Gottes und um ihres Zeugnisses willen.
Die Geschlachteten um des Wortes Gottes und des Zeugnisses willen.
Off 6,9 Und als es das fünfte Siegel öffnete, sah ich unter dem Altar
die Seelen derer, die geschlachtet worden waren um des Wortes Gottes und um
des Zeugnisses willen, das sie hatten. 6,10 Und sie riefen mit lauter Stimme und sprachen:
Bis wann, heiliger und wahrhaftiger Herrscher, richtest und rächst du nicht unser Blut an denen,
die auf der Erde wohnen? 6,11 Und es wurde ihnen einem jeden ein weißes Gewand gegeben; und es
wurde ihnen gesagt, dass sie noch eine kurze Zeit abwarten sollten, bis auch ihre Mitknechte und
ihre Brüder vollendet seien, die ebenso wie sie getötet werden sollten. Off 6, 9-11;
(Siehe auch Diskurs 07: Entrückung und Erste
Auferstehung: ein einziges Ereignis?
Aber nicht nur mit dem „Herrschen” im Millennium wird die ganze Gemeinde -
anstelle der Märtyrer aller Zeiten - fälschlicherweise von manchen Predigern geadelt, sondern auch
mit ihrer Bewahrung vor der Großen Trübsal/Bedrängnis. Wenn wir im Millennium angeblich schon
Könige sein werden, sollen wir offenbar auch möglichst stilgerecht in den Himmel aufgenommen
werden.
Es passt ja scheinbar nach Meinung dieser Prediger gar nicht zu Königen, wenn sie in der Großen
Trübsal, welche diese Welt überkommen und Milliarden von Menschen das Leben kosten wird, auch
getötet werden sollten. Da verschiebt man schon lieber die Wiederkunft des Herrn und die
Entrückung der ganzen Gemeinde vor diese Große Bedrängnis und lässt die Gemeinde schnell noch
vorher in den Himmel entrücken. Man fragt sich als bibelgläubiger Christ, warum der Herr dann in
jedem Sendschreiben der Offenbarung davon gesprochen hat, dass nur der, welcher überwindet, das
Himmelreich erben wird und nicht der, welcher sich vor der Trübsal wegstehlen will.
Und das alles, obwohl wir in der Schrift ganz eindeutige Hinweise über den Zeitpunkt von
Wiederkunft und Entrückung haben, wie das z.B. Paulus in seinem 2. Brief an die Thessalonicher
erklärt:
Der Tag der Wiederkunft und der Entrückung kommt nicht, es sei denn, dass zuerst der Antichrist gekommen ist.
2The 2,1 Wir bitten euch aber, Brüder, wegen der Ankunft unseres
Herrn Jesus Christus und unserer Vereinigung mit ihm, 2,2 dass ihr euch nicht schnell in
eurem Sinn erschüttern, auch nicht erschrecken lasst, weder durch Geist noch durch Wort, noch durch
Brief, als seien sie von uns, als ob der Tag des Herrn da wäre. 2,3 Dass niemand euch auf
irgendeine Weise verführe! Denn dieser Tag kommt nicht, es sei denn, dass zuerst der Abfall
gekommen und der Mensch der Gesetzlosigkeit geoffenbart worden ist, der Sohn des Verderbens; 2,4
der sich widersetzt und sich überhebt über alles, was Gott heißt oder Gegenstand der Verehrung
ist, so dass er sich in den Tempel Gottes setzt und sich ausweist, dass er Gott sei. 2,5 Erinnert
ihr euch nicht, dass ich dies zu euch sagte, als ich noch bei euch war? 2The 2, 1- 5;
Der Tag der Ankunft des Herrn - seine Wiederkunft - und unsere Vereinigung mit ihm -
unsere Entrückung - kommt nicht, wenn nicht vorher der Abfall - die Große Trübsal -
und der Sohn des Verderbens - der Antichrist - gekommen ist. Wiederkunft und Entrückung finden also
nach der Großen Bedrängnis statt. Genauer kann man das ja schon nicht mehr
formulieren. Aber hier dürfte manche Leute die Satzstellung verwirren.
Aber dann haben wir auch noch eine ähnlich konkrete Aussage unseres Herrn im Matthäusevangelium:
Eine große Bedrängnis, wie sie von Anfang der Welt bis jetzt nicht gewesen ist und auch nie sein wird.
Mt 24,21 Denn dann wird große Bedrängnis sein, wie sie von Anfang
der Welt bis jetzt nicht gewesen ist und auch nie sein wird. 24,22 Und wenn jene Tage nicht
verkürzt würden, so würde kein Fleisch gerettet werden; aber um der Auserwählten willen
werden jene Tage verkürzt werden. 24,23 Wenn dann jemand zu euch sagt: Siehe, hier ist der
Christus, oder dort! so glaubt es nicht! Mt 24,21-23;
Dies ist also diese Große Bedrängnis/Trübsal, und wenn sie um der Auserwählten (Gläubigen) willen verkürzt werden soll, müssen diese Gläubigen noch auf Erden sein. Auch die Warnung, sich vor falschen Christussen zu hüten, hätte wohl - wenn alle Gläubigen bereits vor der Trübsal entrückt worden wären - für Ungläubige und Gottlose wenig Sinn. Und einige Verse später bezieht sich der Herr dann auf ebendiese Bedrängnis, wenn er sagt:
Nach dieser Bedrängnis wird der Sohn des Menschen kommen und die Auserwählten versammeln.
Mt 24,29 Aber gleich nach der Bedrängnis jener Tage wird
die Sonne verfinstert werden und der Mond seinen Schein nicht geben, und die Sterne werden vom
Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel werden erschüttert werden. 24,30 Und dann wird das
Zeichen des Sohnes des Menschen am Himmel erscheinen; und dann werden wehklagen alle Stämme des
Landes, und sie werden den Sohn des Menschen kommen sehen auf den Wolken des Himmels mit
großer Macht und Herrlichkeit. 24,31 Und er wird seine Engel aussenden mit starkem
Posaunenschall, und sie werden seine Auserwählten versammeln von den vier Winden her, von
dem einen Ende der Himmel bis zu ihrem anderen Ende. Mt 24,29-31;
Auch hier muss man sagen, dass es äußerst erstaunlich ist, dass bei einer derartigen Klarheit der Aussagen des Herrn, es doch immer wieder einige Prediger zuwege bringen, den leichtgläubigeren Geschwistern in den Gemeinden mit phantasievollen Uminterpretationen eine Wiederkunft und Entrückung vor der Großen Bedrängnis zu verkünden obwohl der Herr hier sagt:
o ... gleich nach der Bedrängnis dieser Zeit
o ... werden sie den Sohn des Menschen kommen sehen auf den Wolken des Himmels
o ... er wird seine Engel aussenden mit starkem Posaunenschal
o ... sie werden seine Auserwählten versammeln von
den vier Winden her
Den unumstößlichen Beweis dafür, dass die Gemeinde der Endzeit durch die Große Bedrängnis gehen muss und erst danach, bei der Wiederkunft des Herrn und der Auferweckung der Toten in Christus, in den Himmel entrückt wird, erfahren wir schließlich aus der Offenbarung. In Off 7,9-14 sieht Johannes eine Volksmenge die niemand zählen konnte, aus allen Völkern, im Himmel vor dem Thron Gottes. Sie haben ihre Gewänder im Blut des Lammes gewaschen, womit sie ganz eindeutig als die Gemeinde aller Zeiten und aus allen Nationen zu identifizieren sind. Und von ihnen sagt der Älteste dem Johannes, dass sie „aus der großen Bedrängnis kommen”.
Die Volksmenge die niemand zählen konnte, aus allen Nationen sind es, die aus der großen Trübsal kommen.
Off 7,9 Nach diesem sah ich: und siehe, eine große Volksmenge, die
niemand zählen konnte, aus jeder Nation und aus Stämmen und Völkern und Sprachen, stand
vor dem Thron und vor dem Lamm, bekleidet mit weißen Gewändern und Palmen in ihren Händen.
7,10 Und sie rufen mit lauter Stimme und sagen: Das Heil unserem Gott, der auf dem Thron sitzt, und
dem Lamm! 7,11 Und alle Engel standen rings um den Thron und die Ältesten und die vier lebendigen
Wesen, und sie fielen vor dem Thron auf ihre Angesichter und beteten Gott an 7,12 und sagten: Amen!
Den Lobpreis und die Herrlichkeit und die Weisheit und die Danksagung und die Ehre und die Macht und
die Stärke unserem Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. 7,13 Und einer von den Ältesten begann und
sprach zu mir: Diese, die mit weißen Gewändern bekleidet sind - wer sind sie, und woher sind sie
gekommen? 7,14 Und ich sprach zu ihm: Mein Herr, du weißt es. Und er sprach zu mir: Diese
sind es, die aus der großen Trübsal kommen, und sie haben ihre Gewänder gewaschen und sie
weiß gemacht im Blut des Lammes. Off 7, 9-14;
Wie man sieht, ist es hier kaum möglich, dass man all diese Schriftbeweise, die
für die Wiederkunft des Herrn und die Entrückung der Gemeinde erst nach der Großen
Bedrängnis sprechen, nicht erkennen und verstehen könnte. Man kann hier nur zu dem Schluss kommen,
dass mit der Vorverlegung der Entrückung vor die Große Bedrängnis eine bestimmte falsche
Lehrmeinung bestätigt werden sollte.
Und so ist auch nicht „das nächste größte Ereignis der Weltgeschichte für die Gläubigen die
Entrückung” und die Wiederkunft des Herrn „heute, jetzt, morgen” zu erwarten, wie das Heinz
Weber von der Bibelschule Brake lehrt. Sondern das nächste größte Ereignis der Weltgeschichte
für die gesamte Menschheit ist die größte Katastrophe aller Zeiten: eine Große Bedrängnis, wie
sie von Anfang der Welt bis jetzt nicht gewesen ist und auch nie mehr sein wird (Mt
24,21).
Und erst danach, wenn diese Tage um der Auserwählten willen verkürzt werden (Mt
24,22), werden sich Sonne und Mond verfinstern und sie werden den Herrn so kommen sehen, wie sie
ihn auch haben auffahren sehen (Apg
1,11): auf den Wolken des Himmels (Mt
26,64). Und dann wird er seine Engel aussenden und sie werden seine Auserwählten versammeln.
Das ist dann die Wiederkunft des Herrn und die Entrückung der toten und lebenden in Christus.
(Siehe auch: Diskurs 71 „Ist das nächste größte
Ereignis der Weltgeschichte für die Gläubigen die Entrückung?”
(Siehe auch: Diskurs 16 „Findet die Entrückung vor
der großen Drangsal statt?”
Ein weiteres Phänomen ist die Behauptung in fast allen Gemeinden, dass bekehrte Menschen „wiedergeboren” wären. Und das, obwohl uns der Herr in Jh 3,7-8 sagt, dass jeder Wiedergeborene (aus dem Geist Geborene) - ähnlich wie der Herr selbst nach Tod und Auferstehung (Jh 20,19) - durch verschlossene Türen kommen und unsichtbar wieder gehen kann, wogegen diese zu Lebzeiten „Wiedergeborenen” derartige Fähigkeiten noch nie aufweisen konnten.
Der Wind weht, wo er will, und du hörst sein Sausen, aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er geht;
Jh 3,7 Wundere dich nicht, daß ich dir sagte: Ihr müßt von
neuem geboren werden. 3,8 Der Wind weht, wo er will, und du hörst sein Sausen, aber du
weißt nicht, woher er kommt und wohin er geht; so ist jeder, der aus dem Geist geboren ist.
Jh 3, 7- 8;
Das griechische Wort, welches hier oben in Jh 3,7 (und auch vorher in Jh 3,3) für
„von neuem” steht, nämlich anothen, bedeutet als Adverb „von oben, von der Höhe herab”
(so auch in der Nestle-Aland Interlinearübersetzung von Dietzfelbinger) und wird in Jh 3,31 und
19,11 auch von allen Übersetzungen mit „von oben” übersetzt. Weil jedoch auch die Übersetzer
die eigentliche Bedeutung dieses Satzes nicht verstanden haben, haben sie in Jh 3,3.7 nicht die
räumliche, sondern die zeitliche Variante „von neuem” gewählt und damit die richtige
Interpretation dieser Aussage des Herrn auf Generationen verhindert.
Ähnlich ist es mit der Übersetzung der von Petrus in 1Ptr
1,3.23
bzw. Johannes in Jh 1,13; 1Jh 2,29; 3,9; 4,7; 5,1.4.18 gebrauchten griechischen Verben anagegennemenoi
als „wiedergeboren” bzw gegennetai als „geboren”. Beide Verben können sowohl als „(wieder)gezeugt”
als auch als „(wieder)geboren” übersetzt werden. Und nachdem die Übersetzer den tieferen
Hintergrund der Aussage des Herrn oben, in Jh 3,7-8 nicht kannten, haben sie anstatt mit „wiedergezeugt”
bzw. „gezeugt” mit dem gängigeren „wiedergeboren” bzw. „geboren” übersetzt (siehe
Nestle-Aland und Anmerkungen zur Elberfelder) und damit diesem Text eine völlig andere Bedeutung
gegeben.
Wie wir auch der Schriftstelle hier unten entnehmen können, spricht der Herr hier also nicht von
einer „Wiedergeburt” zu Lebzeiten, sondern von der Situation nach Tod und Auferstehung der
Gläubigen und vor dem Gericht über die auferstandenen Völker. Und daher ist es völlig klar, dass
jene Leute, die meinen, zu Lebzeiten wiedergeboren zu sein, derartige Fähigkeiten - dass man nicht
weiß woher sie kommen und wohin sie gehen - nicht aufweisen können. Sie sind nach der Schrift eben
nicht wiedergeboren, sondern erst geistlich (durch das Wort Gottes) wiedergezeugt. Und all das, was
einem biologisch gezeugten Menschenkind in der Zeit der Schwangerschaft zustoßen kann, kann im
übertragenen Sinn auch einem geistlich wiedergezeugten Menschen widerfahren - bis hin zum „Abortus”.
In der Wiedergeburt, wenn der Sohn des Menschen auf seinem Thron der Herrlichkeit sitzen wird.
Mt 19,28 Jesus aber sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Ihr, die
ihr mir nachgefolgt seid, auch ihr werdet in der Wiedergeburt, wenn der Sohn des Menschen auf
seinem Thron der Herrlichkeit sitzen wird, auf zwölf Thronen sitzen und die zwölf Stämme Israels
richten. Mt 19,28;
Der Menschensohn wird auf dem Thron seiner Herrlichkeit sitzen und die versammelten Völker richten.
Mt 25,31 Wenn aber der Menschensohn kommen wird in seiner
Herrlichkeit, und alle Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Thron seiner Herrlichkeit,
25,32 und alle Völker werden vor ihm versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden,
wie ein Hirt die Schafe von den Böcken scheidet, 25,33 und wird die Schafe zu seiner Rechten
stellen und die Böcke zur Linken. Mt 25,31-33;
(Siehe auch Diskurs 85: „Die echte und die falsche
Wiedergeburt.”)
Diese Selbstüberhöhung gipfelt dann in der Behauptung, „ein Wiedergeborener kann nicht mehr verloren gehen”. Abgesehen davon, dass eben noch kein Mensch tatsächlich wiedergeboren wurde, sondern erst bei der Auferstehung aus dem Geist geboren wird, gibt uns die Schrift etliche Hinweise, dass Gläubige und mit dem Heiligen Geist gesegnete Menschen vom Glauben auch wieder abfallen können.
Denn es ist unmöglich, diejenigen, die einmal des Heiligen Geistes teilhaftig geworden sind und doch abgefallen sind, wieder zur Buße zu erneuern.
Hbr 6,4 Denn es ist unmöglich, diejenigen, die einmal erleuchtet
worden sind und die himmlische Gabe geschmeckt haben und des Heiligen Geistes teilhaftig geworden
sind 6,5 und das gute Wort Gottes und die Kräfte des zukünftigen Zeitalters geschmeckt
haben. 6,6 und doch abgefallen sind, wieder zur Buße zu erneuern, da sie für sich
den Sohn Gottes wieder kreuzigen und dem Spott aussetzen. Hbr 6, 4- 6;
Denn wenn sie wieder überwältigt werden, so ist für sie das letzte schlimmer geworden als das erste.
2Ptr 2,20 Denn wenn sie den Befleckungen der Welt durch die Erkenntnis
unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus entflohen sind, aber wieder in diese verwickelt und
überwältigt werden, so ist für sie das letzte schlimmer geworden als das erste. 2,21 Denn
es wäre ihnen besser, den Weg der Gerechtigkeit nicht erkannt zu haben, als sich, nachdem
sie ihn erkannt haben, wieder abzuwenden von dem ihnen überlieferten heiligen Gebot. 2Ptr
2,20-21;
Denn wir sind Teilhaber des Christus geworden, wenn wir die anfängliche Zuversicht bis zum Ende standhaft festhalten.
Hbr 3,12 Seht zu, Brüder, daß nicht etwa in jemandem von euch ein
böses Herz des Unglaubens sei im Abfall vom lebendigen Gott, 3,13 sondern ermuntert einander
jeden Tag, solange es «heute» heißt, damit niemand von euch verhärtet werde durch Betrug der
Sünde! 3,14 Denn wir sind Teilhaber des Christus geworden, wenn wir die anfängliche
Zuversicht bis zum Ende standhaft festhalten. Hbr 3,12-14;
Als Gegenargument zu diesen Schriftstellen wird dann meisten Jh
10,27-29 angeführt, wo uns der Herr sagt, dass uns niemand aus seiner und des Vaters Hand
rauben kann. Man übersieht dabei allerdings, dass uns zwar niemand aus der Hand Gottes rauben kann,
dass wir uns aber - wie die obigen Schriftstellen beweisen - selbst aus der Hand Gottes lösen
können. Gott zwingt keinen Menschen! Ebenso wie unsere Entscheidung für Jesus Christus und damit
unser Eintritt in den Glauben völlig freiwillig war, lässt uns Gott auch die freie Entscheidung ob
wir daran auch weiter festhalten wollen oder nicht.
Wie der Hebräerbriefschreiber oben sagt, müssen wir unsere anfängliche Zuversicht bis zum Ende
standhaft festhalten. Auch der Herr sagt in der Offenbarung (2,26): „Und wer überwindet und meine
Werke bis ans Ende bewahrt, dem werde ich Macht über die Nationen geben” und weist darauf
hin, dass die Heiligen beim Gericht die Welt richten werden (1Kor 6,2). Hier also eine Art
Automatismus abzuleiten: „Wer bekehrt ist, kann nicht mehr verloren gehen” ist nicht nur absolut
falsch, sondern auch eine der größten Versuchungen, der die Gemeinde insgesamt ausgesetzt ist.
Leider wird diese falsche Auffassung aber auch von vielen Predigern und Evangelisten
bestätigt und unterstützt, welche den Menschen von der „unendlichen” und „bedingungslosen”
Liebe Gottes erzählen. Die Bibel sagt uns wohl, dass uns Gott liebt, sonst hätte er nicht seinen
Sohn für unsere Sünden ans Kreuz gehen lassen. Aber sie spricht weder von einer „unendlichen”
noch von einer „bedingungslosen” Liebe Gottes. Jeder, der der deutschen Sprache halbwegs
mächtig ist, wird sofort erkennen, dass eine derartige Liebe weder zeitliche Grenzen noch
moralische Bedingungen kennt, weil sie eben unendlich und bedingungslos ist.
Das heißt aber, dass so eine Liebe Gottes alle Verbrecher, Massenmörder, Gottesleugner, Tyrannen
und was es sonst noch an üblem Gesindel gibt, vom Anbeginn der Welt bis zu ihrem Ende (unendlich!!)
ohne Reue und Bekehrung (bedingungslos!!) in das ewige Leben eingehen lassen müsste. Das ist
natürlich Unsinn, aber nachdem viele Prediger das immer und immer wieder verkünden, glauben es die
Leute schließlich und realisieren nicht, dass bei einer unendlichen und bedingungslosen Liebe, Gott
allen Menschen alle ihre Sünden ohne irgendeine Gegenleistung vergeben müsste und es wäre dann
kein Opfer mehr erforderlich - und Jesus Christus hätte nicht am Kreuz sterben müssen.
Dass dieses Opfer Jesu Christi dennoch erforderlich war, ist der Beweis dafür, dass Gott in erster
Linie ein Gott der Gerechtigkeit ist und seine Gerechtigkeit ein Opfer für alle unsere Sünden
gefordert hat. Dieses Opfer hätte eigentlich jeder Einzelne von uns erbringen müssen, doch Gott
hat in seiner Liebe zu uns Menschen seinen Sohn gesandt, der als Einziger für alle unsere Sünden
durch seinen Tod am Kreuz bezahlen konnte. Wer dieses Loskaufopfer für seine Sünden nicht im
Glauben annimmt, kann sich weder auf eine unendliche noch auf eine bedingungslose Liebe Gottes
berufen, sondern er wird nach der Gerechtigkeit Gottes verurteilt und das Reich Gottes nicht sehen.
Oder wißt ihr nicht, daß Ungerechte das Reich Gottes nicht erben werden?
1Kor 6,9 Oder wißt ihr nicht, daß Ungerechte das Reich Gottes
nicht erben werden? Irrt euch nicht! Weder Unzüchtige noch Götzendiener, noch Ehebrecher, noch
Lustknaben, noch Knabenschänder, 6,10 noch Diebe, noch Habsüchtige, noch Trunkenbolde, noch
Lästerer, noch Räuber werden das Reich Gottes erben. 1Kor 6, 9-10;
Wir können daher mit absoluter Sicherheit auf die Gnade und Barmherzigkeit Gottes
und unseres Herrn Jesus Christus vertrauen, haben aber gleichzeitig allen Grund, unserer eigenen
Standhaftigkeit im Glauben zu misstrauen (Mt 26,34-35.75). Die Maxime muss daher lauten: „Dranbleiben
- koste es was es wolle”.
(Siehe auch Diskurs 69: „Die
Prädestination und die Auserwählten. - Können Gläubige (Wiedergeborene) verloren gehen?”)
Die falsche Lehre einer Wiedergeburt zu Lebzeiten und die postulierte Unmöglichkeit, dass ein derart „Wiedergeborener” vom Glauben abfallen könnte, wiegt die Geschwister in einer falschen Sicherheit und ist daher äußerst gefährlich. Wie man sieht, sind wir im Christentum oft bestrebt, die Schrift so zu interpretieren, dass die Gemeinde und ihre Mitglieder möglichst ruhmvoll und untadelig dastehen. Wir wollen die Ersten und die Besten sein und womöglich im Millennium herrschen. Und das ist nun deshalb ein Phänomen, weil uns der Herr prophezeit, dass gerade eine solche Haltung kontraproduktiv ist und uns um die Früchte unseres Glaubens bringt:
Und siehe, es sind Letzte, die Erste sein werden, und es sind Erste, die Letzte sein werden.
Lk 13,30 Und siehe, es sind Letzte, die Erste sein werden, und es
sind Erste, die Letzte sein werden. Lk 13,30;
Und damit finden wir auch eine Antwort auf die von Ihnen in Ihrem e-mail gestellte Frage:
„Wieso tun Christen so etwas, wo sie doch genau wissen, dass Gott
Lügen und Verfälschen seiner Lehre hasst?”
Einerseits sind es jene Prediger und Evangelisten, welche Bücher verkaufen wollen und auch für ihre Vorträge und Seminare Honorare verlangen, welche Interesse daran haben, bei ihrem Zuhörern und ihrer Leserschaft möglichst positive Eindrücke zu hinterlassen. Indem sie den Menschen die ungeschminkte Wahrheit sagten, haben sich schon die Propheten des Alten Testaments - und nicht zuletzt auch unser Herr Jesus Christus - bei vielen Menschen unbeliebt gemacht. Andererseits ist es natürlich auch ein bestimmtes Publikum, das viel lieber jene Dinge hört und glaubt, welche ihnen von einer herrlichen Zukunft, ohne Bedrängnis und Not und mit viel Ehre und Macht kündet, und welches sich daher selbst seine Lehrer auswählt und damit bestimmt, was es hören oder lesen will und was nicht.
Denn es wird eine Zeit sein, da sie die gesunde Lehre nicht ertragen werden.
2Tim 4,3 Denn es wird eine Zeit sein, da sie die gesunde Lehre nicht
ertragen, sondern nach ihren eigenen Begierden sich selbst Lehrer aufhäufen werden, weil es
ihnen in den Ohren kitzelt; 4,4 und sie werden die Ohren von der Wahrheit abkehren und sich zu
den Fabeln hinwenden. 2Tim 4, 3- 4;