Gibt es die Unsterblichkeit der Seele? / Buch H.
J. Twisselmann 00, Nr. 123/124
(Texte in einem schwarzen Rahmen sind Zitate von Besuchern dieser Site oder anderen Autoren!)
Das AT weiß nichts von einer „unsterblichen Seele”. Menschen sind „wie
Gras, das aufsprosst; am Morgen blüht es und sprosst auf; am Abend wird es abgemäht und
verdorrt” (Psalm 90,5.6; 102,12), „wie die Blume des Feldes” (Psalm 103,15; 1. Petrus
1,24), ja, wie Staub (Psalm 104,14; 104.28). In ihrem von Gott gelösten Dasein, ohne Leben in
sich selbst, zeichnen sie sich im Sterben durch nichts den Tieren gegenüber aus: sie haben „einerlei
Geschick”, „Alles geht an einem Ort, alles ist aus dem Staube geworden, und alles kehrt zum
Staube zurück” (Pred. 3,19-20). Auch die Seele des Menschen – hebr. „nephesch” –
entgeht dem Tode nicht (4. Mose 23,10; Psalm 143,7). Simson rief aus: „Meine Seele sterbe mit
den Philistern” (Richter 16,30). Weil die Seele sterben kann (und, wenn sie sündigt, sterben
muss), verdient sie nicht die Bezeichnung „unsterblich”.
In vielen Fällen bezeichnet die Bibel den ganzen Menschen als „Seele”. Das kommt schon im
Schöpfungsbericht 1. Mose 2,7 zum Ausdruck! Siehe auch Hes 18,4.20 usw. In anderen Fällen ist
das Wort „Seele” gleichbedeutend mit „Leben” (Jes. 53,12, wo es wörtlich „Seele”
heißt: „dass er seine Seele ausgeschüttet hat in den Tod”). Schließlich nennt die Bibel
sogar Tiere „Seelen” (1. Mose 1,20.24; 2,19).
Dem hebräischen Wort „nephesch” entsprechend bezeichnet auch das neutestamentliche Wort „Psyche”
nicht eine vom Körper trennbare Seele, durch die sich der Mensch vom Tier unterscheide, sondern
in der Regel den ganzen Menschen, der aus Erdenstaub und Lebensodem (Leib und Geist) besteht.
Gemäß Jesu Worten in Luk.. 17,33 und 9,24 kann ein Mensch seine Seele, wenn er sie zu erhalten
sucht, gerade „verlieren”. Nach Matth. 10,28 kann Gott „Leib und Seele” in der Gehenna
verderben („umbringen”, gemäß der konkordanten Wiedergabe). Wenn Gott Seelen verderben
oder umbringen kann, sind sie nicht unsterblich. (...) Allen Versuchen, dem Menschen – oder
einem Teil von ihm – Unsterblichkeit zuzuschreiben, tritt das Neue Testament entgegen, indem
es Gott preist, als „König aller Könige und Herr aller Herren, der allein Unsterblichkeit
hat...” (1. Tim.6,15-16).
Wenn Gott allein Unsterblichkeit hat, ist damit jegliche Diskussion um eine angeblich „unsterbliche
Seele” des Menschen gegenstandslos. Dann kann alle Ewigkeitssehnsucht und alles Heilsverlangen
des Menschen nur eine Ausrichtung erfahren: hin zu Gott, dem Quell des Lebens! Er hat den
Einbruch des Lebens in unsere dem Tode verfallene Welt durch unseren Herrn Jesus Christus schon
bewirkt und uns ein ewiges Leben, ja Unsterblichkeit in Aussicht gestellt. Diese aber haben wir
nicht, sondern empfangen sie bei der Wiederkunft unseres Herrn und der Auferstehung der Toten.
+) Der Auszug ist dem Artikel von H. J. Twisselmann in „Leben und Unsterblichkeit ohne
Christus”? entnommen.
(H. J. Twisselmann, Brücke zum Menschen Nr. 123/124, Bruderdienst-Missionsverlag e. V.).
Die Auffassung der Unsterblichkeit der Seele findet sich – auf philosophischer
Grundlage – schon im Altertum, bei Platon (Athener Philosoph, 427-347 v. Chr.). Er hat als erster
eine Sinnen-Seele von einer Geist-Seele (dem „logistikon”) geschieden und eine Einheit beider im
Menschen angenommen. Den ersten und folgenreichsten Versuch, den Menschen in seiner Ganzheit
im Begriff Seele metaphysisch zu erfassen, unternahm aber Aristoteles (384-322 v. Chr.). Für ihn
war die Seele zunächst ein belebendes Prinzip (Vitalseele, vegetative Seele), dieses wiederum
Unterlage der animalen (sensitiven) Seele, d. h. der empfindenden, begehrenden und fühlenden Seele.
Diese sogenannte niedere Seele entstehe durch Zeugung. Sie wird ihrerseits von der Vernunft- oder
Geistseele „überformt”, so dass letztlich diese die „Form des Leibes” bildet. In ihr ist,
was vorher Trieb war, jetzt Wille, was Vorstellung war, nun denkendes Erkennen. Diese Geistseele
kommt nach Aristoteles „von außen”, nur sie präexistiert, ist unsterblich, und widerspricht in
ihrer Existenz einer rein materialistischen Auffassung.
Innerhalb der christlichen Glaubenslehre ist der Satz von der Unsterblichkeit der
Seele als metaphysische Gegebenheit nur in der katholischen Dogmatik herausgearbeitet. Hier bedeutet
Unsterblichkeit in bezug auf den Menschen die Unvernichtbarkeit seines Personkerns, der den Tod, die
Auflösung der leiblichen Existenz, überdauert. Schon sehr früh wurden von Platon und dem
Neuplatonismus, seit dem 13. Jhdt. von Aristoteles, maßgebliche Gedanken übernommen: Da die
menschliche Seele an den ewigen Werten des Wahren und Guten teilhat, ist sie nicht schlechthin den
Bedingungen von Raum und Zeit unterworfen; die Geist-Seele ist substantiell einfach, deshalb weder
von innen auflösbar, noch von außen zerstörbar und von ewiger Dauer. Diese Lehrmeinung wurde auf
dem 5. Laterankonzil im Jahre 1515 zum Dogma erklärt und ist bis heute ein Grunddogma der
katholischen Kirche.
Die meisten evangelischen Kirchen stützen sich richtigerweise nicht auf ein
philosophisches Gedankengebäude, sondern auf die Heilige Schrift und argumentieren etwa wie H. J.
Twisselmann im eingangs zitierten Artikel
Aus den letzten Sätzen dieses Artikels erkennen wir, dass es dem Autor nicht darum
geht, die Verheißung des ewigen Lebens für die Gläubigen nach der Auferstehung zu negieren,
sondern es geht hier um die Zeit zwischen Tod und Auferstehung und die Frage, ob der Mensch – oder
ein Teil von ihm – im Tod weiterexistiert oder nicht.
Und hier kommen wir nun zum anderen Extrem des Meinungsspektrums: der „Ganztod-Theorie”. Es ist
dies jene Sicht, die postuliert, dass der Mensch im Tode völlig vernichtet wird und damit in diesem
Zeitraum überhaupt nicht existent ist. Allerdings räumen die Vertreter dieser These dann schon
ein, dass bei der Auferstehung jeder Mensch von Gott aufgrund dessen „ewigen Gedächtnisses” neu
geschaffen werden wird.
Wir wollen nun schrittweise vorgehen und eine Theorie nach der anderen auf
Plausibilität prüfen. Beginnen wir bei der „Ganztod-Theorie”. Wir haben sowohl im AT als auch
im NT eindeutige Hinweise, dass Menschen während der Zeit ihres Todes – also im Totenreich –
Bewusstsein haben.
Warum hast du meine Ruhe gestört, dass du mich heraufkommen lässt?
1Sam 28,8 Und Saul machte sich unkenntlich, zog andere Kleider an und
ging hin, er und zwei Männer mit ihm, und sie kamen zu der Frau bei Nacht. Und Saul sagte: Wahrsage
mir doch durch Totenbeschwörung und bringe mir herauf, wen ich dir nennen werde! 28,9 Aber
die Frau antwortete ihm: Siehe, du kennst ja das, was Saul getan hat, wie er die Totenbeschwörer
und die Wahrsager aus dem Land ausgerottet hat. Und warum stellst du mir eine Falle, um mich zu
töten? 28,10 Und Saul schwor ihr bei dem HERRN: So wahr der HERR lebt, es soll dich in dieser Sache
keine Schuld treffen! 28,11 Da sagte die Frau: Wen soll ich dir heraufholen? Und er erwiderte:
Hole mir Samuel herauf! 28,12 Als aber die Frau Samuel sah, schrie sie laut auf und sagte zu
Saul: Warum hast du mich betrogen? Du bist ja Saul! 28,13 Und der König sagte zu ihr: Fürchte dich
nicht! Nun, was siehst du? Die Frau antwortete Saul: Ich sehe einen Geist aus der Erde
heraufsteigen. 28,14 Er sagte zu ihr: Wie sieht er aus? Und sie antwortete: Ein alter Mann
steigt herauf. Er ist in ein Oberkleid gehüllt. Da erkannte Saul, dass es Samuel war, und er
neigte sich mit seinem Gesicht zur Erde und fiel nieder. 28,15 Und Samuel sprach zu Saul: Warum
hast du meine Ruhe gestört, dass du mich heraufkommen lässt? Und Saul antwortete: Ich bin in
großer Bedrängnis! Denn die Philister kämpfen gegen mich, und Gott ist von mir gewichen und
antwortet mir nicht mehr, weder durch Propheten noch durch Träume. Da ließ ich dich rufen, damit
du mir zu erkennen gibst, was ich tun soll. 1Sam 28, 8-15;
Der obige Text berichtet, wie König Saul durch eine Totenbeschwörerin den
Propheten Samuel aus dem Totenreich heraufkommen lässt und wie Samuel dem König den Untergang
seines Heeres und seinen – des Königs - und seiner Söhne Tod für den nächsten Tag prophezeit.
Dieses Geschehen wäre nicht möglich gewesen, wenn Samuel nach seinem Tod völlig ausgelöscht
worden wäre. Nachdem Samuel bei diesem Ereignis auch nicht wieder lebendig geworden ist, sondern
sichtlich wieder ins Totenreich zurückkehrte, können wir hier auch nicht von einer
Auferstehung sprechen.
Wir haben des Weiteren im AT eine ganze Reihe von Erwähnungen des Totenreichs.
Du hast meine Seele errettet aus dem tiefsten Totenreich.
Ps 86,12 Ich will dich preisen, Herr, mein Gott, mit meinem ganzen
Herzen und deinen Namen ewig verherrlichen. 86,13 Denn deine Gnade ist groß gegen mich, und du
hast meine Seele errettet aus dem tiefsten Totenreich (Gruftreich). Ps 86,12-13;
Du hast meine Seele aus dem Totenreich heraufgeholt.
Ps 30,4 HERR, du hast meine Seele aus dem Totenreich (Gruftreich)
heraufgeholt, hast mich am Leben erhalten und bewahrt vor dem Hinabfahren zur Grube. Ps 30, 4;
Wir wollen sie verschlingen wie das Totenreich die Lebendigen.
Spr 1,11 Wenn sie sagen: »Geh mit uns! Wir wollen auf Blut lauern und
den Unschuldigen nachstellen ohne Grund; 1,12 wir wollen sie verschlingen wie das Totenreich die
Lebendigen, und die Frommen sollen sein wie die, welche hinunter in die Grube fahren; Spr
1,11-12;
Ihre Füße laufen zum Tode hinab; ihre Schritte führen ins Totenreich.
Spr 5,5 Ihre Füße laufen zum Tode hinab; ihre Schritte führen ins
Totenreich, 5,6 daß du den Weg des Lebens nicht wahrnimmst; haltlos sind ihre Tritte, und du
merkst es nicht. Spr 5, 5-6;
Ihr Haus ist der Weg ins Totenreich.
Spr 7,27 Ihr Haus ist der Weg ins Totenreich, da man hinunterfährt in
des Todes Kammern. Spr 7,27;
Drei sind nicht zu sättigen, und vier sagen nie: »Es ist genug«: das Totenreich.
Spr 30,15 Der Blutegel hat zwei Töchter, die heißen: »Gib her, gib
her!« Drei sind nicht zu sättigen, und vier sagen nie: »Es ist genug«: 30,16 das
Totenreich und der Frauen verschlossner Schoß, die Erde, die nicht des Wassers satt wird, und
das Feuer, das nie spricht: »Es ist genug!« Spr 30,15-16;
Ach dass du mich im Totenreich verwahren und verbergen wolltest.
Hiob 14,13 Ach dass du mich im Totenreich verwahren und verbergen
wolltest, bis dein Zorn sich legt, und mir ein Ziel setzen und dann an mich denken
wolltest! Hiob 14,13;
Das Totenreich ist aufgedeckt vor ihm.
Hiob 26,6 Das Totenreich ist aufgedeckt vor ihm, und der Abgrund
hat keine Decke. Hiob 26, 6;
Daher hat das Totenreich den Schlund weit aufgesperrt.
Jes 5,14 Daher hat das Totenreich den Schlund weit aufgesperrt und
den Rachen aufgetan ohne Maß, dass hinunterfährt, was da prangt und lärmt, alle Übermütigen
und Fröhlichen. Jes 5,14;
Das Totenreich drunten erzittert vor dir, wenn du nun kommst.
Jes 14,9 Das Totenreich drunten erzittert vor dir, wenn du nun
kommst. Es schreckt auf vor dir die Toten, alle Gewaltigen der Welt, und lässt alle Könige der
Völker von ihren Thronen aufstehen, 14,10 dass sie alle anheben und zu dir sagen: »Auch du bist
schwach geworden wie wir, und es geht dir wie uns. Jes 14, 9-10;
Wir haben mit dem Totenreich einen Vertrag gemacht.
Jes 28,15 Ihr sprecht: Wir haben mit dem Tod einen Bund geschlossen
und mit dem Totenreich einen Vertrag gemacht. Wenn die brausende Flut daherfährt, wird sie uns
nicht treffen; denn wir haben Lüge zu unsrer Zuflucht und Trug zu unserm Schutz gemacht. Jes 28,15;
Du hast deine Boten in die Ferne und tief hinab bis zum Totenreich gesandt.
Jes 57,9 Du bist mit Öl zum König gezogen und mit viel köstlicher
Salbe und hast deine Boten in die Ferne gesandt und tief hinab bis zum Totenreich. Jes 57, 9;
Aber ich will sie aus dem Totenreich erlösen.
Hos 13,14 Aber ich will sie aus dem Totenreich erlösen und vom Tode
erretten, Tod, ich will dir ein Gift sein; Totenreich, ich will dir eine Pest sein; Rache kenne
ich nicht mehr. Hos 13,14;
Allein schon die Erwähnung des Totenreichs beweist ja, dass dies ein Aufenthaltsort
für die Toten ist. Und wozu sollte es einen Aufenthaltsort geben, wenn sich dort niemand aufhalten
würde?
Auch im NT werden uns Aussagen über das Totenreich überliefert und damit nachgewiesen, dass der
Mensch nach seinem Tod nicht „ganztot” oder „völlig ausgelöscht” sein kann.
So wird der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Schoß der Erde sein.
Mt 12,38 Da fingen einige von den Schriftgelehrten und Pharisäern an
und sprachen zu ihm: Meister, wir möchten gern ein Zeichen von dir sehen. 12,39 Und er antwortete
und sprach zu ihnen: Ein böses und abtrünniges Geschlecht fordert ein Zeichen, aber es wird ihm
kein Zeichen gegeben werden, es sei denn das Zeichen des Propheten Jona. 12,40 Denn wie Jona
drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, so wird der Menschensohn drei Tage und drei
Nächte im Schoß der Erde sein. Mt 12,38-40;
Er hat den Geistern im Gefängnis gepredigt.
1Ptr 3,18 Denn es hat auch Christus einmal für Sünden gelitten, der
Gerechte für die Ungerechten, damit er uns zu Gott führe, zwar getötet nach dem Fleisch, aber
lebendig gemacht nach dem Geist. 3,19 In diesem ist er auch hingegangen und hat den Geistern
im Gefängnis gepredigt, 3,20 die einst ungehorsam gewesen waren, als die Langmut Gottes in den
Tagen Noahs abwartete, während die Arche gebaut wurde, in die wenige, das sind acht Seelen, durchs
Wasser hindurch gerettet wurden. 1Ptr 3,18-20;
Denn dazu ist auch den Toten gute Botschaft verkündigt worden.
1Ptr 4,6 Denn dazu ist auch den Toten gute Botschaft verkündigt
worden, damit sie zwar den Menschen gemäß nach dem Fleisch gerichtet werden, aber Gott gemäß
nach dem Geist leben möchten. 1Ptr 4,6;
Was besagt es anderes, als dass er auch hinabgestiegen ist in die unteren Teile der Erde?
Eph 4,8 Darum heißt es: «Hinaufgestiegen in die Höhe, hat er
Gefangene gefangen geführt und den Menschen Gaben gegeben.» 4,9 Das Hinaufgestiegen aber, was
besagt es anderes, als dass er auch hinabgestiegen ist in die unteren Teile der Erde? 4,10 Der
hinabgestiegen ist, ist derselbe, der auch hinaufgestiegen ist über alle Himmel, damit er alles
erfüllte. Eph 4, 8-10;
Insbesondere der Hinweis oben, in 1Ptr 4,6, dass der Herr in jenen drei Tagen, in
welchen er im Totenreich war, den Toten das Evangelium verkündigt hat, führt die „Ganztod-Theorie”
eindeutig ad absurdum.
(Siehe auch das Kapitel 12: „Die
Auferstehung - Christus im Totenreich.”)
Damit können wir uns der evangelischen Sicht zuwenden, welche behauptet, dass es
eine Unsterblichkeit der Seele nicht geben kann, weil die Seele aufgrund einer Vielzahl von
Schriftaussagen „dem Tode nicht entgeht”, „stirbt” und „verdorben und umgebracht” werden
kann.
Und diesen Aussagen ist natürlich voll und ganz zuzustimmen. Die Bibel kennt tatsächlich keine
Unsterblichkeit der Seele. Ja ganz im Gegenteil bezeichnet das hebräische Wort „näphäsch” im
AT das von Gott gegebene Leben eines Geschöpfes – also sowohl Mensch als auch Tier.
Ich richte meinen Bund mit euch auf und mit jeder lebenden Seele, die bei euch ist.
1Mo 9,9 Und ich, siehe, ich richte meinen Bund mit euch auf und mit
euren Nachkommen nach euch 9,10 und mit jeder lebenden Seele, die bei euch ist, an Vögeln,
an Vieh und an allen Tieren der Erde bei euch, von allem, was aus der Arche gegangen ist, von
allen Tieren der Erde 9,11 Ich richte meinen Bund mit euch auf, dass nie mehr alles Fleisch
ausgerottet werden soll durch die Wasser der Flut, und nie mehr soll es eine Flut geben, die Erde zu
vernichten 1Mo 9, 9-11;
Und an seinem König, an der Stadt und an allen Seelen, die in ihr waren, vollstreckte er den Bann.
Jos 10,28 Und Josua nahm an demselben Tag Makkeda ein und schlug es mit
der Schärfe des Schwertes. Und an seinem König, an der Stadt und an allen Seelen, die in ihr
waren, vollstreckte er den Bann: er ließ keinen Entronnenen übrig. Und er machte es mit dem
König von Makkeda, wie er es mit dem König von Jericho gemacht hatte. Jos 10,28;
Im obigen Text von Jos 10,28, wo Josua u. a. an allen Seelen der Stadt den Bann
vollstreckte und keine Entronnenen übrig ließ, ist auch wieder ganz eindeutig die Sterblichkeit
der Seele im AT zu erkennen.
Desweiteren wird „näphäsch” im AT auch für Leben, Kreatur, Mensch, Person, Herz, etc.
gebraucht, womit die Bezeichnung „näphäsch”, Seele, auch wieder als sterbliche Kategorie
klassifiziert wird. Und in den Texten unten wird uns dann auch ganz konkret gesagt, wo bzw. was die
Seele ist.
Euer eigenes Blut werde ich einfordern; ich werde die Seele des Menschen einfordern.
1Mo 9,5 Jedoch euer eigenes Blut werde ich einfordern; von jedem
Tiere werde ich es einfordern, und von der Hand des Menschen, von der Hand eines jeden, nämlich
seines Bruders, werde ich die Seele des Menschen einfordern. 1Mo 9, 5;
Denn was die Seele alles Fleisches betrifft: sein Blut, das ist seine Seele.
3Mo 17,10 Und jedermann aus dem Haus Israel und von den Fremden,
die in ihrer Mitte als Fremde wohnen, der irgendwelches Blut isst, - gegen die Seele, die das Blut
isst, werde ich mein Angesicht richten und sie aus der Mitte ihres Volkes ausrotten.
17,11 Denn die Seele des Fleisches ist im Blut, und ich selbst habe es euch auf den Altar
gegeben, Sühnung für eure Seelen zu erwirken. Denn das Blut ist es, das Sühnung tut durch die
Seele in ihm. 17,12 Darum habe ich zu den Söhnen Israel gesagt: Keine Seele von euch soll Blut
essen; auch der Fremde, der in eurer Mitte als Fremder wohnt, soll nicht Blut essen.
17,13 Und jedermann von den Söhnen Israel und von den Fremden, die in eurer Mitte als Fremde
wohnen, der ein Wild oder einen Vogel erjagt, die gegessen werden dürfen, soll ihr Blut
ausfließen lassen und es mit Erde bedecken. 17,14 Denn was die Seele alles Fleisches betrifft:
sein Blut, das ist seine Seele, - und ich habe zu den Söhnen Israel gesagt: Das Blut
irgendwelches Fleisches sollt ihr nicht essen, denn die Seele alles Fleisches ist sein Blut; jeder,
der es isst, soll ausgerottet werden. 3Mo 17,10-14;
Denn das Blut ist die Seele, und du sollst nicht die Seele mit dem Fleisch essen.
5Mo 12,23 Nur halte fest daran, kein Blut zu essen! Denn das Blut
ist die Seele, und du sollst nicht die Seele mit dem Fleisch essen, 12,24 du sollst es nicht
essen; auf die Erde sollst du es gießen wie Wasser. 12,25 Du sollst es nicht essen, damit es dir
und deinen Kindern nach dir gutgeht, weil du tust, was in den Augen des HERRN recht ist. 5Mo
12,23-25;
Die Seele ist also im Blut, bzw. das Blut ist die Seele und daher sollte - nach den
Geboten des AT - das Blut nicht mit dem Fleisch gegessen sondern auf die Erde ausgeschüttet werden.
Doch auch im NT haben wir ein derartiges Gebot bezüglich des Blutes. Die Seele wird im NT mit dem
griechischen Wort „psyche” bezeichnet, welches dem hebräischen „näphäsch”
entspricht. Und das Verbot des Blutessens gilt dort sowohl für die gläubigen Christen aus
Israel, als auch für jene aus den Nationen.
Dass sie sich enthalten von den Götzen, von der Unzucht, vom Erstickten und vom Blut.
Apg 15,19 Deshalb urteile ich, man solle die, welche sich von den
Nationen zu Gott bekehren, nicht beunruhigen, 15,20 sondern ihnen schreiben, dass sie sich enthalten
von den Verunreinigungen der Götzen und von der Unzucht und vom Erstickten und vom Blut. Apg
15,19-20;
Enthaltet euch von Götzenopfern und von Blut und von Ersticktem und von Unzucht.
Apg 15,28 Denn es hat dem Heiligen Geist und uns gut geschienen, keine
größere Last auf euch zu legen als diese notwendigen Stücke: 15,29 euch zu enthalten von
Götzenopfern und von Blut und von Ersticktem und von Unzucht. Wenn ihr euch davor bewahrt, so
werdet ihr wohl tun. Lebt wohl!» Apg 15,28-29;
Die Gläubigen aus den Nationen sollen sich hüten vor Götzenopfer, Blut, Ersticktem und Unzucht.
Apg 21,25 Was aber die Gläubigen aus den Nationen betrifft, so
haben wir geschrieben und verfügt, dass sie sich sowohl vor dem Götzenopfer als auch vor Blut
und Ersticktem und Unzucht hüten sollen. Apg 21,25;
Es gibt aber im NT auch direkte Hinweise auf die Seele im Menschen bzw. den „seelischen”
Menschen.
Ein natürlicher (wörtlich: „seelischer”) Mensch aber nimmt nicht an, was des Geistes Gottes ist.
1Kor 2,13 Davon reden wir auch, nicht in Worten, gelehrt durch
menschliche Weisheit, sondern in Worten, gelehrt durch den Geist, indem wir Geistliches durch
Geistliches deuten. 2,14 Ein natürlicher (wörtlich: „seelischer”) Mensch aber nimmt nicht
an, was des Geistes Gottes ist, denn es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht
erkennen, weil es geistlich beurteilt wird. 2,15 Der geistliche dagegen beurteilt zwar alles,
er selbst jedoch wird von niemand beurteilt. 1Kor 2,13-15;
Diese sind es, die Trennungen verursachen, irdisch gesinnte Menschen, die den Geist nicht haben.
Jud 1,18 Denn sie sagten euch, dass am Ende der Zeit Spötter sein
werden, die nach ihren gottlosen Begierden wandeln. 1,19 Diese sind es, die Trennungen
verursachen, irdisch (wörtlich: „seelisch”) gesinnte Menschen, die den Geist nicht haben.
1,20 Ihr aber, Geliebte, erbaut euch auf eurem heiligsten Glauben, betet im Heiligen Geist. Jud
1,18-20;
Ein derartig „natürlicher”, „irdischer” und „seelisch” gesinnter Mensch
nimmt also nicht an, was des Geistes Gottes ist, denn es ist ihm eine Torheit. Und es sind auch
solche Menschen, die den Geist nicht haben, welche die Trennungen verursachen.
Damit scheint nun erwiesen, dass es nicht die Seele sein kann – wie die
katholische Lehre postuliert -, welche nach dem Tod des Menschen im Totenreich auf die Auferstehung
wartet. Was ist es aber dann?
Hier müssen wir noch einmal auf Platon zurückgreifen. Schon er hat ja eine „Sinnen-Seele” von
einer „Geist-Seele” (dem „logistikon”) geschieden und eine Einheit beider im Menschen
angenommen. Und dies ist auch der Eindruck bei einer unvoreingenommenen Betrachtungsweise, dass dem
Menschen zwei „Kräfte” innewohnen. Darauf deutet nicht nur der oft zitierte Vers von den „zwei
Seelen in der Brust”. Es ist auch der, jedem Menschen wohlbekannte innere Kampf zwischen Emotion
und Ratio, also zwischen Gefühl und Vernunft, welcher darauf hinweist, ja geradezu bestätigt, dass
der Mensch außer der „lebendigen Seele”, welche er hat - Gefühl, Herz, Blut - und welche er
ist - Geschöpf, Mensch, Fleisch - noch von einer zweiten Kraft, nämlich – Gewissen, Vernunft,
Moral – gesteuert wird.
Und wie die bisherige Analyse zeigt, hat diese zweite Kraft im Menschen – der Geist - definitiv
nichts mit jener Definition der Seele gemein, wie wir sie in der Heiligen Schrift vorfinden. Denn
sonst müssten auch alle anderen beseelten Geschöpfe, d. h. also alle Tiere, bei welchen der
Stoffwechsel über ein Blutgefäßsystem erfolgt, vernunftbegabt sein. Doch das sind sie
erwiesenermaßen nicht.
Das Vorhandensein dieser zweiten Kraft lässt sich auch anhand der Schrift nachweisen.
Der Geist (Gottes) selbst bezeugt zusammen mit unserem Geist.
Röm 8,16 Der Geist (Gottes) selbst bezeugt zusammen mit unserem
Geist, dass wir Kinder Gottes sind. Röm 8,16;
Der Geist des Menschen, der in ihm ist.
1Kor 2,11 Denn wer von den Menschen weiß, was im Menschen ist, als
nur der Geist des Menschen, der in ihm ist? So hat auch niemand erkannt, was in Gott ist, als
nur der Geist Gottes. 1Kor 2,11;
Auch hier oben bezieht sich Paulus auf den Geist im Menschen und vergleicht ihn mit
dem Geist Gottes. Er sagt uns hier, dass in gleicher Weise, wie nur des Menschen Geist weiß, was im
Menschen ist, auch nur der Geist Gottes weiß, was in Gott ist. Und das scheint nun der Hinweis auf
diese zweite Kraft im Menschen – neben der Seele – zu sein: der Geist des Menschen.
Aber wir haben noch eine konkretere Aussage vom Schreiber des Hebräerbriefes, wo sogar beide
Kräfte - die Seele und der Geist – explizit erwähnt werden:
Das Wort Gottes ist durchdringend bis zur Scheidung von Seele und Geist.
Hbr 4,12 Denn das Wort Gottes ist lebendig und wirksam und schärfer
als jedes zweischneidige Schwert und durchdringend bis zur Scheidung von Seele und Geist, sowohl
der Gelenke als auch des Markes, und ein Richter der Gedanken und Gesinnungen des Herzens; 4,13 und
kein Geschöpf ist vor ihm unsichtbar, sondern alles bloß und aufgedeckt vor den Augen dessen, mit
dem wir es zu tun haben. Hbr 4,12-13;
Und dieses Innewohnen von Geist und Seele in unserem Leib wird uns auch von Paulus
in 1The 5,23 bestätigt.
Möge euer Geist und Seele und Leib untadelig bewahrt werden.
1The 5,23 Er selbst aber, der Gott des Friedens, heilige euch völlig;
und vollständig möge euer Geist und Seele und Leib untadelig bewahrt werden bei der Ankunft
unseres Herrn Jesus Christus! 1The 5,23;
Dies scheint nun also die Bestätigung dafür zu sein, dass dem Menschen zwei
Kräfte innewohnen: die Seele und der Geist. Während die Seele mit dem Tod des Menschen stirbt und
sich auflöst - wie auch das „Fleisch”, also der biologische Körper – kann der Geist nicht
vernichtet werden, sondern er kehrt zu Gott zurück, der ihn gegeben hat, wie der Text aus Pred 12,7
sagt.
Der Geist kehrt zu Gott zurück, der ihn gegeben hat.
Pred 12,7 Und der Staub kehrt zur Erde zurück, so wie er gewesen, und
der Geist kehrt zu Gott zurück, der ihn gegeben hat. Pred 12, 7;
Wir dürfen nun allerdings diesen Geist des Menschen, den Gott ihn gab, nicht mit
dem Heiligen Geist verwechseln. Obwohl beide von Gott kommen, ist es nur der Erstere, der – von
der Geburt bis zum Tod – den Menschen begleitet. Der Heilige Geist – also der Geist Gottes
selbst – kann auch im gläubigen Menschen wohnen. Eines der vielen Beispiele in der Schrift dafür
ist Apg 7,54-57:
Da er aber voll Heiligen Geistes war und fest zum Himmel schaute sah er die Herrlichkeit Gottes.
Apg 7,54 Als sie aber dies hörten, wurden ihre Herzen durchbohrt, und
sie knirschten mit den Zähnen gegen ihn. 7,55 Da er aber voll Heiligen Geistes war und fest zum
Himmel schaute, sah er die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen; 7,56 und er
sprach: Siehe, ich sehe die Himmel geöffnet und den Sohn des Menschen zur Rechten Gottes stehen!
7,57 Sie schrien aber mit lauter Stimme, hielten ihre Ohren zu und stürzten einmütig auf ihn los.
Apg 7,54-57;
Unmittelbar vor seiner Steinigung wurde Stephanus mit dem Heiligen Geist erfüllt
und sah den Herrn Jesus im Himmel zur Rechten Gottes stehen. Daran ist auch zu erkennen, dass in
solchen Momenten beide, sowohl der menschliche Geist als auch der Geist Gottes im Menschen präsent
sind.
Und genau davon spricht auch Paulus, wenn er in Röm 8,16 sagt, dass der Geist Gottes, der Heilige
Geist, selbst in uns und gemeinsam mit unserem menschlichen Geist bezeugt, dass wir Kinder Gottes
sind.
Der Geist selbst bezeugt zusammen mit unserem Geist.
Röm 8,16 Der Geist selbst bezeugt zusammen mit unserem Geist, dass
wir Kinder Gottes sind. 8,17 Wenn aber Kinder, so auch Erben, Erben Gottes und Miterben Christi,
wenn wir wirklich mitleiden, damit wir auch mitverherrlicht werden. Röm 8,16-17;
Die Erkenntnis, dass der „normale” Geist des Menschen von Gott kommt, lässt
sich aber auch anhand anderer Schriftstellen nachweisen.
Gott, du Gott des Lebensgeistes in allem Fleische!
4Mo 16,22 Und sie fielen auf ihr Angesicht und sagten: Gott, du Gott
des Lebensgeistes in allem Fleische! Ein einziger Mann sündigt, und du willst der ganzen
Gemeinde zürnen? 4Mo 16,22;
Du sendest aus deinen Geist, so werden sie geschaffen.
Ps 104,29 Verbirgst du dein Angesicht, so erschrecken sie; nimmst du
weg ihren Geist, so vergehen sie und werden wieder Staub. 104,30 Du sendest aus deinen Geist,
so werden sie geschaffen, und du machst neu die Gestalt der Erde. Ps 104,29-30;
Wie der Psalmist oben sagt, hat Gott dem Menschen den Geist gegeben, aber er kann
ihn auch nehmen, wann immer er will. Wie uns die Schrift sagt, war das Alter der Menschen vor der
Sintflut wesentlich höher als danach. Dass diese Veränderung in der Absicht Gottes lag, bezeugt
uns 1Mo 6,3.
Mein Geist soll nicht ewig im Menschen bleiben.
1Mo 6,3 Da sprach der HERR: Mein Geist soll nicht ewig im Menschen
bleiben, da er ja auch Fleisch ist. Seine Tage sollen 120 Jahre betragen. 1Mo 6, 3;
Und auch hier werden wieder beide Lebenskräfte angesprochen, einerseits der Geist
und andererseits das Fleisch, also das, was uns im AT als Seele dargestellt wird. Diese Polarität
zwischen Geist und Fleisch (Seele) spricht auch der Herr Jesus in Mt 26,41 an:
Der Geist zwar ist willig, das Fleisch aber schwach.
Mt 26,41 Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung kommt! Der
Geist zwar ist willig, das Fleisch aber schwach. Mt 26,41;
Die Aussage des Herrn lässt uns hier zwei Dinge erkennen: erstens, dass der Mensch
von zwei eher gegensätzlichen inneren Kräften bestimmt ist und zweitens, dass die eine Kraft, der
Geist, „willig” ist und daher u. a. auch die Gebote Gottes offen aufnimmt, während die andere
Kraft, die Seele, einer rationalen, vernunftmäßigen Argumentation weniger zugänglich ist und eher
den Bedürfnissen des „Fleisches” nachkommt, also jenes Teils des Menschen, welcher ihn - als
„Seele” - mit allen anderen beseelten aber nicht vernunftbegabten Geschöpfen verbindet.
Allerdings lässt uns der Herr auch nicht im Unklaren darüber, dass – trotz aller
Gegensätzlichkeit dieser inneren Kräfte – das oberste Gebot für beide zu gelten hat. Unten, in
Mt 22,37, zitiert der Herr 5Mo 6,5, wo es heißt: „du sollst ... Gott lieben ... mit deiner ganzen
Seele und mit deiner ganzen Kraft” und er ersetzt (bzw. ergänzt bei Lukas und Markus) dieses Wort
„Kraft” durch den Ausdruck „Verstand”, was wieder ein Hinweis auf den von Gott gegebenen
Geist des Menschen ist. Die Verpflichtung Gott zu lieben gilt also für beide, für die Seele ebenso
wie für den Geist und somit für den gesamten Menschen.
Du sollst Gott lieben mit deinem Herzen mit deiner Seele und mit deinem ganzen Verstand.
Mt 22,37 Er aber sprach zu ihm: «Du sollst den Herrn, deinen Gott,
lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstand. »
22,38 Dies ist das größte und erste Gebot. 22,39 Das zweite aber ist ihm gleich: «Du sollst
deinen Nächsten lieben wie dich selbst.» 22,40 An diesen zwei Geboten hängt das ganze Gesetz und
die Propheten. Mt 22,37-40;
Du sollst Gott lieben mit deinem Herzen mit deiner Seele und mit deiner ganzen Kraft.
5Mo 6,4 Höre, Israel: Der HERR ist unser Gott, der HERR allein! 6,5 Und
du sollst den HERRN, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und
mit deiner ganzen Kraft. 6,6 Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollen in deinem Herzen
sein. 5Mo 6, 4- 6;
Während nun die Seele – wie wir weiter oben gesehen haben – im Blut und damit
offensichtlich im ganzen Körper (im „Fleisch”) präsent ist, ist die Lokalisierung des
menschlichen Geistes durch die Schrift nicht so eindeutig dokumentiert. Es wäre natürlich
naheliegend, das Gehirn als Sitz des Geistes anzusehen. Doch hier sollten wir vorsichtig sein.
Einerseits versorgt ja das Blut auch das Gehirn und ist damit rein physisch als „Seele” auch
dort vorhanden, andererseits unterscheiden wir im Gehirn u. a. das Großhirn (auch Endhirn oder
Cerebrum) und den Hirnstamm. Während das Großhirn nur beim Menschen in einer beträchtlichen
Komplexität und Größe vorzufinden ist und dies die Voraussetzung für seine geistige
Leistungsfähigkeit darstellt, steht der Hirnstamm im Dienste der elementaren motorischen sensiblen
und vegetativen Funktionen, welche allen Wirbeltieren mehr oder weniger in gleichem Maße eigen
sind.
Von daher wäre es durchaus denkbar, dass beide Kräfte - Seele und Geist - gemeinsam den
menschlichen „Denkapparat”, den Verstand, benutzen, um den Menschen und seinen Körper in ihre
jeweilige Richtung – Gefühl, Triebe bzw. Gewissen, Vernunft - zu lenken. Darauf weist uns auch
Paulus in seinem Brief an die Galater hin:
Denn das Fleisch begehrt gegen den Geist auf, der Geist aber gegen das Fleisch.
Gal 5,17 Denn das Fleisch begehrt gegen den Geist auf, der Geist
aber gegen das Fleisch; denn diese sind einander entgegengesetzt, damit ihr nicht das tut, was
ihr wollt. Gal 5,17;
Ähnlich wie ”näphäsch”, die Seele, kann nun auch der hebräische Ausdruck
für Geist „ruach” (griechisch: pneuma) in mehrfacher Weise verwendet werden. Zunächst Hauch,
Wind, Odem (Atem) und dann im übertragenen Sinn auch „Geist”. Wir erkennen dies sehr schön in
Hiob 33,4:
Hiob 33,4 Der Geist Gottes hat mich gemacht, und der Hauch
des Allmächtigen belebt mich. Hiob 33, 4;
Und dieser „Hauch” des Allmächtigen war es auch, welcher aus dem ersten
Menschen Adam ein lebendiges Wesen machte.
Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen.
1Mo 2,7 Da machte Gott der HERR den Menschen aus Erde vom Acker und
blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen. 1Mo 2,
7;
Dies ist auch genau jene Schriftstelle (1Mo 2,7), auf welche sich Paulus unten, in
1Kor 15,45 bezieht. Während der erste Mensch, Adam, durch den Hauch Gottes zu einer lebendigen
Seele wurde, wurde der „letzte Adam” – also der Herr Jesus – zu einem lebendigmachenden
Geist.
Der erste Mensch, Adam, wurde zu einer lebendigen Seele.
1Kor 15,45 So steht auch geschrieben: «Der erste Mensch, Adam,
wurde zu einer lebendigen Seele», der letzte Adam zu einem lebendig machenden Geist. 15,46 Aber
das Geistliche ist nicht zuerst, sondern das Natürliche, danach das Geistliche. 15,47 Der erste
Mensch ist von der Erde, irdisch; der zweite Mensch vom Himmel. 15,48 Wie der Irdische, so sind auch
die Irdischen; und wie der Himmlische, so sind auch die Himmlischen. 15,49 Und wie wir das Bild des
Irdischen getragen haben, so werden wir auch das Bild des Himmlischen tragen. 1Kor 15,45-49;
Und als dieser lebendigmachende Geist ist auch der Herr Jesus nach seinem Tod
hingegangen und hat den Geistern der Toten im Totenreich das Evangelium verkündigt (siehe oben 1Ptr
3,18-19), damit auch ihnen, die ja - im Unterschied zu den Menschen nach Jesu Tod - zu Lebzeiten
davon nichts gehört hatten, die Möglichkeit geboten wurde, sich zu bekehren und damit auch kein
einziger, der die Liebe und die Vergebung Gottes anrief, verloren gehe.
Zusammenfassung. Aufgrund dieser Analyse können wir nun folgende Aussagen treffen: o Eine Unsterblichkeit der Seele gibt es nach der
Schrift nicht, da die Seele beim Tod des Menschen (Fleisch, Blut) aufgelöst wird. o Die „Ganztod-Theorie” ist deshalb falsch, weil es
nach der Schrift ein Totenreich gibt, in welchem der Herr nach seinem Tod den Toten das
Evangelium verkündigt hat und infolgedessen dort irgendwer – anzunehmenderweise die
Toten – sein muß. o Dem Menschen wohnen zwei mehr oder weniger
gegensätzliche Kräfte inne: - die Seele (hebr. näphäsch / griech. psyche): d. i. Fleisch,
Blut aber auch Mensch, Person - welche nach dem Tod vergeht und - der Geist (hebr. ruach / griech. pneuma): d. i. Hauch, Wind,
Atem (Odem) aber auch Geist - welcher nach dem Tod weiterexistiert. o Es ist daher auch dieser Geist des Menschen – und
nicht seine Seele – welcher nach seinem Tod ins Totenreich fährt und im Totenreich
auf die Auferstehung wartet. |