Sind Ehebrecher, Hurer, Homosexuelle, Betrüger
tatsächlich wiedergeboren? / Buch J.F. MacArthur, Seite 16ff
Das ist die alttestamentliche Verheißung der
Wiedergeburt durch Wasser und Geist. / Buch J.F. MacArthur, Seite 35ff
Reden ohne Taten: Die Sünde der leeren Worte.
/ Buch J.F. MacArthur, Seite 187ff
Kein Kind dieser Welt konnte sich entscheiden ob es
leben wollte oder nicht. / Kommentar B. Bollmeyer 00, 2006-09-10
(Texte in einem schwarzen Rahmen sind Zitate von Besuchern dieser Site oder anderen Autoren!)
Wir sehen jetzt, wie die Kirche der Gegenwart von einer Serie abscheulichster
Skandale erschüttert wird, bei denen die Zurschaustellung der allererbärmlichsten
Verworfenheiten im Leben einiger weltberühmter Fernsehevangelisten ans Licht gebracht wurde.
Sehr traurig und schmerzlich ist es, daß die meisten Außenstehenden diese Leute als
christliche Insider und nicht als Wölfe und falsche Hirten betrachten, die sich in die Herde
eingeschlichen haben (siehe Mt 7,15). Warum sollten wir glauben, Leute, die mit Ehebruch,
Hurerei, Homosexualität, Betrug und allen möglichen Formen schamloser Ausschweifung nicht
gebrochen haben, seien tatsächlich wiedergeboren?
Doch gerade das anzunehmen wurde den Christen unserer Tage beigebracht. Ihnen wurde gesagt, das
einzige Kriterium für die Errettung sei das Kennen und Glauben einiger christlicher
Grundbegriffe. Sie hören von Anfang an, daß der Gehorsam freiwillig ist. Dem folgt
logischerweise, daß für die Beurteilung des Christseins eines Menschen das einmal abgegebene
Glaubensbekenntnis mehr gilt als das fortwährende Zeugnis seiner Lebensführung. Die
Verhältnisse in der sichtbaren Kirche enthüllen die abscheulichen Konsequenzen dieser
Theologie. Als Pastor habe ich zahllose Menschen wiederum getauft, die einst »eine Entscheidung
getroffen« hatten und daraufhin getauft wurden, aber keine Änderung erfahren hatten. Sie kamen
später zu einer wahren Bekehrung und baten um die Taufe als Ausdruck wahrer Errettung.
(Dieser Auszug wurde dem Buch „Lampen ohne Öl” [”The Gospel According to Jesus”] von
John F. MacArthur entnommen, erschienen im Verlag CLV - Christliche Literatur-Verbreitung e.V.,
Bielefeld)
Das Vorwort zu diesem Buch von J. F. MacArthur stammt von Reverend Dr.
James I. Packer, Theologieprofessor (Board of Governors’ Professor of Theology) am Regent
College in Vancouver, Kanada. Er ist auch Leiter des „Regent College's Anglican Studies
Program”, Mitherausgeber der Zeitschrift „Christianity Today” und Vertreter der Lehre einer
Prädestination, also der Auswahl der Menschen durch Gott vor Anbeginn der Schöpfung, die einen zum
ewigen Leben und die anderen zur ewigen Verdammnis. Dieser Hinweis ist deshalb erforderlich, weil
aus den hier zitierten Auszügen aus dem Buch von J. F. MacArthur nicht so klar zum Ausdruck kommt,
dass auch er ein Verfechter dieser Irrlehre ist.
(Siehe auch den Diskurs 69: „Ist
die Souveränität Gottes in Gefahr? / Buch James I. Packer”)
Die Aussage von J. F. MacArthur über „die Zurschaustellung der
allererbärmlichsten Verworfenheiten im Leben einiger weltberühmter Fernsehevangelisten” bezieht
sich natürlich auf gegenwärtige amerikanische Verhältnisse. Bei uns in Europa dürfte es
derartige Auswüchse nicht geben. Doch wie schon immer - und egal auf welchem Gebiet - besteht die
Gefahr, dass die amerikanischen Zustände innerhalb weniger Jahre auch zu uns kommen. Früher waren
es 10 Jahre, heute sind es nur mehr 2 - 3 Jahre. Anzeichen dafür gibt es bereits im europäischen
charismatischen Lager. Wenn man jedoch die evangelikale Szene in den USA etwas näher betrachtet und
sie etwa mit jener im europäischen deutschsprachigen Raum vergleicht, lässt sich doch erkennen,
dass es bei uns eine grundsätzlich andere Art des Zugangs zum Glauben und zur Lehre gibt.
(Siehe auch: „Bericht über das
charismatische Lager.”.)
Nachdem diese Website hier, Immanuel.at, auch in englischer Sprache übersetzt
wurde, jedoch der erwartete Zugriff von amerikanischen Besuchern sehr zögerlich verläuft, habe ich
durch einen Eintrag in den „Top 1000 Christian Sites” (Beste 1000 christliche Websites)
versucht, die Popularität in den USA etwas zu erhöhen. Und bei dieser Gelegenheit habe ich mir
jene Website angesehen, welche an der Spitze dieser Liste der 1000 steht. Die Wertung erfolg dort
nach der Anzahl der Besucher bzw. Zugriffe und erlaubt ein ausgezeichnetes Bild über die
geistlichen Schwerpunkte unter den amerikanischen evangelikalen Christen.
Diese Spitzenseite hat täglich zwischen 5.000 und 20.000 Seitenzugriffe (zum Vergleich: Immanuel.at
- obwohl zweisprachig - hat nur zwischen 100 und 500). Und nachdem sich diese christliche
amerikanische Website „Garden of Praise” (Garten des Lobes) nennt, sollte man erwarten, dort
beim Eintritt Worte des Lobes über unseren Herrn Jesus Christus und unseren Gott lesen zu können.
Tatsächlich bekommt man jedoch einmal in „About Us” (Über uns) ein Farbbild des Herausgebers
mit seiner Frau präsentiert. Dann, unter „Family” (Familie), einen Lebenslauf der Mutter (!)
des Herausgebers mit der Aufforderung ihre Bildergalerie zu besuchen. Als nächstes „Our Children”
(Unsere Kinder), natürlich gleichfalls mit Bild und dann sogar eine Seite über „Gardening”
(Gartenarbeit). Neben weiteren Autobiographien und Kochrezepten (!) aus der Familie, gibt es
schließlich noch eine Seite mit den gesammelten Auszeichnungen und Preisen, welche dem Herausgeber
dieser christlichen Website für seine „fruchtbare” Arbeit verliehen wurden. Wie man sieht, ist
es nicht unser Herr, der auf dieser Website gelobt und gepriesen wird, sondern der Autor der Website
und seine Familie.
(Siehe auch: „Garden
of Praise”.)
Sieht man diese Art von „Evangelisation” und den immensen Zulauf den sie
erhält, ist es nicht weiter verwunderlich, dass Prediger wie Benny Hinn, Garry und Lilo Keller in
den USA, aber auch Walter Heidenreich und Christoph Häselbarth bei uns - um nur einige zu nennen -
ein Massenpublikum anlocken und mit spektakulären Vorführungen beeindrucken und verführen.
(Siehe auch: „Theologie
Strohhalm Info: Irrlehrer & Wölfe” - Video „Toronto Blessing Unmasked”, englisch,
kostenlos bei Immanuel.at))
Obwohl wir nun auch im deutschsprachigen Raum einige „christliche” Websites mit
Selbstdarstellungen dieser Art vorfinden, ist bei uns die Orientierung an der Bibel im Wesentlichen
erhalten geblieben und die Diskussion dreht sich vielmehr um die richtige Auslegung der Schrift.
Doch wenn MacArthur in seinem Buch dann die Lehre in den Gemeinden anspricht und meint, man
vermittelt dort: „das einzige Kriterium für die Errettung sei das Kennen und Glauben einiger
christlicher Grundbegriffe”, dann ist er wieder voll und ganz auch bei unserer gemeindlichen
Situation. Und die darauf folgenden Zeilen sind - wie übrigens sein ganzes Buch - eine
ausgezeichnete und realistische Einschätzung der Zustände in vielen unserer heutigen christlichen
Versammlungen. Er zeigt einerseits die Hintergründe auf, wieso es in den Gemeinden so lau geworden
ist und weist andererseits auf die Erfordernisse hin, welche eine Korrektur dieses falschen Weges
ermöglichen könnten.
Den ernsthaften Christen in den Gemeinden wird es immer deutlicher bewusst, dass vielerorts bei den
Evangelisationen und in den Versammlungen auf Quantität anstatt auf Qualität Wert gelegt wird. Und
so wird ein Evangelium „lite” gepredigt, werden verstärkt Aktionen gesetzt, um möglichst viele
Menschen dazu zu bringen, in eine Gemeinde einzutreten, ohne ihnen die Konsequenzen vor Augen zu
führen, welche ein solcher Schritt nach der Schrift mit sich bringen muss. Und so gibt es denn
Gemeindemitglieder, welche sich in ihrem Verhalten durch nichts von der ungläubigen, weltlichen
Bevölkerung unterscheiden. Und hier fragt man sich nun als bibelgläubiger Christ gemeinsam mit
MacArthur, ob denn all diese Leute tatsächlich wiedergeboren sind.
Und dann versucht MacArthur im 2. Kapitel seines Buches die Notwendigkeit einer geistlichen
Wiedergeburt anhand des Gespräches des Herrn mit Nikodemus aus Jh 3,1-12 nachzuweisen. Hier einmal
dieser Bibeltext zur Orientierung:
Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes hineingehen.
Jh 3,1 Es war aber ein Mensch aus den Pharisäern mit Namen Nikodemus,
ein Oberster der Juden. 3,2 Dieser kam zu ihm bei Nacht und sprach zu ihm: Rabbi, wir wissen, daß
du ein Lehrer bist, von Gott gekommen, denn niemand kann diese Zeichen tun, die du tust, es sei denn
Gott mit ihm. 3,3 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand
nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen. 3,4 Nikodemus spricht zu ihm:
Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er etwa zum zweiten Mal in den Leib seiner
Mutter hineingehen und geboren werden? 3,5 Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn
jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes hineingehen.
3,6 Was aus dem Fleisch geboren ist, ist Fleisch, und was aus dem Geist geboren ist, ist Geist. 3,7
Wundere dich nicht, daß ich dir sagte: Ihr müßt von neuem geboren werden. 3,8 Der Wind weht,
wo er will, und du hörst sein Sausen, aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er geht; so
ist jeder, der aus dem Geist geboren ist. 3,9 Nikodemus antwortete und sprach zu ihm: Wie kann
dies geschehen? 3,10 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Du bist der Lehrer Israels und weißt das
nicht? 3,11 Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wir reden, was wir wissen, und bezeugen, was wir
gesehen haben, und unser Zeugnis nehmt ihr nicht an. 3,12 Wenn ich euch das Irdische gesagt habe,
und ihr glaubt nicht, wie werdet ihr glauben, wenn ich euch das Himmlische sage? Jh 3, 1-12;
Dies kommentiert nun MacArthur wie folgt:
(Texte in einem schwarzen Rahmen sind Zitate von Besuchern dieser Site oder anderen Autoren!)
Das Wasser, von dem Jesus sprach, war nur symbolisch gemeint, so wie es im Alten
Testament zur Reinigung verwendet wurde. Nikodemus hätte diese Anspielung auf das Alte
Testament verstehen können, weil das Wasser der Reinigung bei den meisten Zeremonien auf den
Altar und auf die Opfer gesprengt wurde. Als Gelehrter erinnerte er sich zweifellos an die
Verheißung des Neuen Bundes in Hesekiel 36,25: »Ich werde reines Wasser auf euch sprengen.«
Zwei Verse weiter lautet die Verheißung: »Ich werde meinen Geist in euer Inneres geben« (Vers
27). Diese beiden Aussagen bringen die Gedanken an Wasser und an Geist zusammen und rahmen eine
weitere Verheißung ein: »Ich werde euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euer
Inneres geben; und ich werde das steinerne Herz aus eurem Fleische wegnehmen und euch ein
fleischernes Herz geben« (Vers 26). Das ist die alttestamentliche Verheißung der Wiedergeburt
durch Wasser und Geist. Die einzige Taufe, von der hier die Rede ist, ist die Taufe im Heiligen
Geist. Johannes der Täufer sagte: »Der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, der sprach zu
mir: Auf welchen du sehen wirst den Geist herniederfahren und auf ihm bleiben, dieser ist es,
der mit Heiligem Geiste tauft« (Joh 1,33). Geistestaufe findet bei der Bekehrung statt, wenn
der Herr den Gläubigen durch den Heiligen Geist in den Leib Christi einfügt (1Kor 12,13) und
ihn durch das Wasser des Wortes reinigt (Eph 5,26; siehe auch Joh 15,3). Paulus nennt das »die
Waschung der Wiedergeburt und Erneuerung des Heiligen Geistes« (Tit 3,5), wobei er beinahe
dieselben Worte wie der Herr Jesus in Johannes 3,5 gebraucht: »Es sei denn, daß jemand aus
Wasser und Geist geboren werde, so kann er nicht in das Reich Gottes eingehen.« Jesus sagte
also dem Nikodemus: »Du brauchst die geistliche Reinigung und die geistliche Wiedergeburt.« Es
ging darum, daß Gesetz und religiöses Ritual – einschließlich der Taufe – kein ewiges
Leben geben können. Weil ihm diese Botschaft so schrill in den Ohren klang, können wir davon
ausgehen, daß er sie verstanden hatte.
(Dieser Auszug wurde dem Buch „Lampen ohne Öl” [”The Gospel According to Jesus”] von
John F. MacArthur entnommen, erschienen im Verlag CLV - Christliche Literatur-Verbreitung e.V.,
Bielefeld)
Man muss hier MacArthur absolut zustimmen, wenn er sagt, dass Gesetz und Ritual -
einschließlich der Taufe!! - kein ewiges Leben geben können. Allerdings wird dann in den sonst
sehr klaren Aussagen leider einiges vermischt. Zum einen wird mit dem Zitat aus Hes 36,25-27 der
Eindruck erweckt, hier handle es sich um die „Verheißung des Neuen Bundes” für die Gemeinde
und die „alttestamentliche Verheißung der Wiedergeburt”. Wie so oft in der Exegese, werden
leider auch hier einige Verse herausgegriffen ohne den Zusammenhang zu prüfen und entsprechend zu
zitieren. Wir wollen uns daher den Kontext vor und nach dieser Stelle genauer ansehen.
Und ihr werdet in dem Land wohnen, das ich euren Vätern gegeben habe.
Hes 36,22 Darum sage zum Haus Israel: So spricht der
Herr, HERR: Nicht um euretwillen handle ich, Haus Israel, sondern um meines heiligen
Namens willen, den ihr entweiht habt unter den Nationen, zu denen ihr gekommen seid. 36,23 Und ich
werde meinen großen, unter den Nationen entweihten Namen heiligen, den ihr mitten unter ihnen
entweiht habt. Und die Nationen werden erkennen, daß ich der HERR bin, spricht der Herr, HERR, wenn
ich mich vor ihren Augen an euch als heilig erweise. 36,24 Und ich werde euch aus den Nationen
holen und euch aus allen Ländern sammeln und euch in euer Land bringen.
36,25 Und ich werde reines Wasser auf euch sprengen, und ihr werdet rein sein; von all euren
Unreinheiten und von all euren Götzen werde ich euch reinigen. 36,26 Und ich werde euch ein neues
Herz geben und einen neuen Geist in euer Inneres geben; und ich werde das steinerne Herz aus eurem
Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben. 36,27 Und ich werde meinen Geist in euer
Inneres geben; und ich werde machen, daß ihr in meinen Ordnungen lebt und meine Rechtsbestimmungen
bewahrt und tut.
36,28 Und ihr werdet in dem Land wohnen, das ich euren Vätern gegeben habe, und ihr werdet mir
zum Volk, und ich, ich, werde euch zum Gott sein. Hes 36,22-28;
Und hier erkennen wir sehr klar, dass diese Worte Gottes nicht an die Gemeinde,
sondern an Israel gerichtet sind. Das beweisen unwiderlegbar die Aussagen im Vers 22:
„Darum sage zum Haus Israel: So spricht der Herr, HERR: Nicht um
euretwillen handle ich, Haus Israel”
Aber auch die speziellen Verheißungen in den Versen 24 und 28 beweisen, dass diese Worte an Israel adressiert sind:
„Und ich werde euch aus den Nationen holen und euch aus allen Ländern sammeln und euch in euer Land bringen”
„Und ihr werdet in dem Land wohnen, das ich euren Vätern gegeben
habe, und ihr werdet mir zum Volk, und ich, ich, werde euch zum Gott sein.”
Diese beiden Sätze sind ganz typische Prophezeiungen auf die Rettung, Sammlung und
Rückführung der Israeliten durch ihren Gott in der Endzeit, nach der Wiederkunft unseres Herrn,
ihres Messias. Und kein Bibelkenner würde das auf die christliche Gemeinde beziehen. Die Gemeinde
wird nicht „aus den Nationen gesammelt” und schon gar nicht wird sie in einem Land wohnen, das
„ihren Vätern gegeben” wurde. Das bezieht sich ganz offensichtlich ausschließlich auf Israel.
Daher sind die von MacArthur zitierten Verheißungen:
„»Ich werde reines Wasser auf euch sprengen.« Zwei Verse weiter
lautet die Verheißung: »Ich werde meinen Geist in euer Inneres geben« (Vers 27). Diese beiden
Aussagen bringen die Gedanken an Wasser und an Geist zusammen und rahmen eine weitere Verheißung
ein: »Ich werde euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euer Inneres geben; und ich
werde das steinerne Herz aus eurem Fleische wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben« (Vers
26).
Das ist die alttestamentliche Verheißung der Wiedergeburt durch Wasser und Geist.”
ausschließlich auf die Umkehr und Errettung des Volkes Israel in der Endzeit
bezogen und in keinster Weise auf die christliche Gemeinde und die Wiedergeburt.
Doch hier erkennen wir einen der größten Fehler bei der Auslegung der Schrift - nämlich ihr
Missbrauch als „Steinbruch”. Man überspringt den Kontext, holt sich hier einen Vers und dort
einen Vers und baut sich so sein persönlichen Glaubensgebäude auf. Dabei ist es eine sehr beliebte
Methode, alle Aussagen, welche Israel betreffen, auf die Gemeinde zu beziehen. So wie hier geschieht
das auch ganz speziell bei den Verheißungen für Israel im AT, die taxfrei auf die Gemeinde als das
„neue Israel” uminterpretiert werden.
Zum anderen haben wir es aber hier auch mit einer Fehlinterpretation des
Nikodemus-Gespräches in Jh 3,1-6 zu tun. Nach der Folgerung von MacArthur weiter oben: „Geistestaufe
(geistliche Wiedergeburt) findet bei der Bekehrung statt, wenn der Herr den Gläubigen durch
den Heiligen Geist in den Leib Christi einfügt”, ist die „Wiedergeburt” der Akt der Bekehrung
eines Menschen zum christlichen Glauben. Erst wenn er Jesus aufgenommen hat, kann sich ein
Gläubiger - nach dieser Sicht - als "wiedergeboren" bezeichnen. Und MacArthur meint,
diese Auffassung durch die Aussagen des Herrn im Nikodemus-Gespräch bestätigt zu finden. Um nun
die Stichhaltigkeit dieser Behauptung zu überprüfen, sehen wir uns auch diesen Text im Detail an.
Jh 3,1 Es war aber ein Mensch aus den Pharisäern mit Namen Nikodemus,
ein Oberster der Juden. 3,2 Dieser kam zu ihm bei Nacht und sprach zu ihm: Rabbi, wir wissen, daß
du ein Lehrer bist, von Gott gekommen, denn niemand kann diese Zeichen tun, die du tust, es sei denn
Gott mit ihm. Jh 3, 1- 2;
Dies ist einmal die Einleitung zu dem Gespräch und stellt Nikodemus als einen
Schriftgelehrten (Pharisäer) und Obersten der Juden vor, der heimlich in der Nacht zum Herrn kam,
um ihn zu befragen.
Jh 3,3 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage
dir: Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen. 3,4
Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er etwa zum
zweiten Malin den Leib seiner Mutter hineingehen und geboren werden? 3,5 Jesus antwortete: Wahrlich,
wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das
Reich Gottes hineingehen. 3,6 Was aus dem Fleisch geboren ist, ist Fleisch, und was aus dem
Geist geboren ist, ist Geist. Jh 3, 3- 6;
Hier haben wir nun den ersten Teil der für unser Thema relevanten Aussagen. Im Vers
3 sagt der Herr: „Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen”
und daraus wird nun von MacArthur gefolgert: „Jesus sagte also dem Nikodemus: »Du brauchst die
geistliche Reinigung und die geistliche Wiedergeburt.«”. Doch hier steht weder etwas von einer
„Reinigung”, noch von einer „geistlichen Wiedergeburt”.
Nikodemus kannte nur die biologische, körperliche Geburt und fragte daher hier den Herrn, ob wir
denn in den Schoß unserer Mutter zurück müssten, um von neuem geboren zu werden. Und der Herr
erklärte ihm, dass wir beides benötigen: unsere biologische Geburt – die aus Wasser
(Fruchtwasser) – und unsere Wiedergeburt, nämlich die aus Geist bei der Auferstehung, um in das
Reich Gottes zu gelangen. Wer nicht biologisch - aus Wasser - geboren wurde, ist nicht am Leben und
kann daher auch nicht in der Folge aus dem Geist wiedergeboren werden.
Und dann fragt Nikodemus ganz erstaunt, ob denn ein Mensch zum zweiten Mal in den Leib seiner Mutter
gehen und geboren werden kann? Er hatte also keine Ahnung wovon der Herr sprach und bezog dessen
Aussagen auf die biologische, körperliche Geburt. Und die Antwort des Herrn war nun sowohl eine
Antwort auf diese Frage des Schriftgelehrten, als auch die Wiederaufnahme des angeschnittenen Themas
der Wiedergeburt. Er sagte: „Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er
nicht in das Reich Gottes hineingehen.” Das heißt, dass wir beides benötigen: unsere
biologische, fleischliche Geburt – die aus Wasser (Fruchtwasser) – und unsere Wiedergeburt,
nämlich die aus dem Geist, um in das Reich Gottes zu gelangen.
Daher sind diese Herrenworte nicht symbolisch zu verstehen, wie MacArthur vermutet: „Das Wasser,
von dem Jesus sprach, war nur symbolisch gemeint, so wie es im Alten Testament zur Reinigung
verwendet wurde”, sondern es ist die buchstäbliche Erklärung eines ganz realen Vorgangs: Niemand
kann tatsächlich in die Ewigkeit eingehen, der nicht sowohl physisch geboren und dann auch
geistlich wiedergeboren wurde.
Ähnlich wie oben, in seinem Evangelium, hat Johannes auch in seinem ersten Brief die Bezeichnung
„gekommen durch Wasser” für die Geburt – diesmal jene des Herrn Jesus – verwendet. Es geht
ihm hier darum, nachzuweisen, dass Jesus Christus, der Sohn Gottes, als Mensch (im Fleisch) geboren
wurde.
Dieser ist es, der gekommen ist durch Wasser und Blut, Jesus Christus.
1Jh 5,5 Wer aber ist es, der die Welt überwindet, wenn nicht der, der
glaubt, dass Jesus der Sohn Gottes ist? 5,6 Dieser ist es, der gekommen ist durch Wasser und
Blut, Jesus Christus; nicht im Wasser allein, sondern im Wasser und im Blut. Und der Geist ist
es, der dies bezeugt, denn der Geist ist die Wahrheit. 5,7 Denn es sind drei, die es bezeugen: 5,8
der Geist und das Wasser und das Blut, und die drei sind einstimmig. 1Jh 5, 5- 7;
Jeder Geist, der Jesus Christus im Fleisch gekommen bekennt, ist aus Gott.
1Jh 4,2 Hieran erkennt ihr den Geist Gottes: Jeder Geist, der Jesus
Christus, im Fleisch gekommen, bekennt, ist aus Gott; 4,3 und jeder Geist, der nicht Jesus
bekennt, ist nicht aus Gott; und dies ist der Geist des Antichrists, von dem ihr gehört habt, dass
er komme, und jetzt ist er schon in der Welt. 1Jh 4, 2- 3;
Auch hier wird die Geburt, das „aus Fleisch geboren” (1Jh 4,2), in 1Jh 5,6 mit
„gekommen durch Wasser” erklärt. Und wie der nächste Satz in diesem Vers zeigt, ist es auch in
beiden Texten der Geist, der bezeugt, dass Jesus Christus als Mensch geboren wurde. Das ist die
Kernaussage dieser beiden Kapitel, dass Jesus Christus – obwohl Gottes Sohn – dennoch als Mensch
im Fleisch geboren wurde.
Manche Ausleger meinen nun in beiden Fällen, sowohl im Johannesevangelium, als auch im ersten
Johannesbrief, das „Wasser” – also das Fruchtwasser, aus welchem jedes Menschenkind geboren
werden muss und welches der Nachweis seiner irdischen Abstammung ist – als die christliche Taufe
interpretieren zu müssen. Abgesehen davon, dass Nikodemus sich mit der christlichen Taufe
wahrscheinlich kaum auseinandergesetzt und diesen Hinweis daher auch nicht verstanden hätte,
bestätigt die Aussage des Herrn in Jh 3,6: „Was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch;”
eindeutig die Auffassung, dass hier von der biologischen, fleischlichen Geburt aus Wasser die Rede
ist. Und auch in 1Jh 4,2 und 5,6 ist mit der Bezeichnung „gekommen im Fleisch” bzw. „gekommen
durch Wasser” zweifelsohne die Geburt und nicht eine Taufe gemeint.
Das „Wasser” in der Aussage des Herrn in Jh 3,5 „Wenn jemand nicht aus Wasser und
Geist geboren wird” bezieht sich also auf unsere biologische, fleischliche Geburt. Demnach muss
sich der „Geist” auf die geistliche, die Wiedergeburt beziehen. Allerdings gibt es in diesen
Aussagen des Herrn weder eine Erklärung des Zusammenhangs noch einen Hinweis auf den Zeitpunkt
dieser Wiedergeburt aus dem Geist. Doch wir haben an anderer Stelle einen ganz konkreten Hinweis des
Herrn selbst, was dieses Ereignis ist und wann es zeitlich anzusetzen ist.
Bei der Wiedergeburt sitzt der Menschensohn auf dem Thron seiner Herrlichkeit.
Mt 19,28 Jesus aber sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Ihr, die
ihr mir nachgefolgt seid, werdet bei der Wiedergeburt, wenn der Menschensohn sitzen wird auf
dem Thron seiner Herrlichkeit, auch sitzen auf zwölf Thronen und richten die zwölf Stämme
Israels. Mt 19,28;
Hier macht der Herr Jesus selbst Aussagen über die Wiedergeburt. Allerdings ist
dies - aufgrund der Hinweise im Kontext - eine Wiedergeburt, die sichtlich noch in der Zukunft
liegt. Es ist dies jener Zeitpunkt, wo der Herr auf dem Thron seiner Herrlichkeit sitzen und die
Welt richten wird. Auch die Apostel werden dann auf Thronen sitzen und die zwölf Stämme Israels
richten. Dies ist also die Zeit des Weltgerichts. Und das Ereignis, welches dem Weltgericht
unmittelbar vorausgeht ist die Allgemeine Auferstehung. Alle Menschen aller Völker werden von den
Toten auferstehen, um vor das Gericht Gottes zu treten. Und diese Auferstehung, in der die Toten
durch den Geist wieder lebendig gemacht und neu geboren werden, nennt nun der Herr die tatsächliche
Wiedergeburt.
Sie sind Gottes Kinder und Kinder der Auferstehung.
Lk 20,34 Und Jesus sprach zu ihnen: Die Kinder dieser Welt heiraten und
lassen sich heiraten; 20,35 welche aber gewürdigt werden, jene Welt zu erlangen und die
Auferstehung von den Toten, die werden weder heiraten noch sich heiraten lassen. 20,36 Denn sie
können hinfort auch nicht sterben; denn sie sind den Engeln gleich und Gottes Kinder, weil
sie Kinder der Auferstehung sind. Lk 20,34-36;
(Siehe auch Tabelle 13: „Das Gericht über die
auferstandenen Völker”.)
Nachdem die Pharisäer - im Unterschied zu den Sadduzäern - an die Auferstehung
glaubten, kann man davon ausgehen, dass Nikodemus als Pharisäer diesen Hinweis verstanden hatte.
Die folgenden Verse des Nikodemus-Gesprächs bestätigen dann auch diese Sicht der Dinge:
Der Wind weht, wo er will, und du hörst sein Sausen, aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er geht; so ist jeder, der aus dem Geist geboren ist.
Jh 3,7 Wundere dich nicht, daß ich dir sagte: Ihr müßt von
neuem geboren werden. 3,8 Der Wind weht, wo er will, und du hörst sein Sausen, aber du
weißt nicht, woher er kommt und wohin er geht; so ist jeder, der aus dem Geist geboren ist. 3,9
Nikodemus antwortete und sprach zu ihm: Wie kann dies geschehen? 3,10 Jesus antwortete und sprach zu
ihm: Du bist der Lehrer Israels und weißt das nicht? 3,11 Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wir
reden, was wir wissen, und bezeugen, was wir gesehen haben, und unser Zeugnis nehmt ihr nicht an.
3,12 Wenn ich euch das Irdische gesagt habe, und ihr glaubt nicht, wie werdet ihr glauben, wenn ich
euch das Himmlische sage? Jh 3, 7-12;
Das griechische Wort, welches hier oben in Jh 3,7 (und auch vorher in Jh 3,3) für
„von neuem” steht, nämlich anothen, bedeutet als Adverb „von oben, von der Höhe herab”
(so auch in der Nestle-Aland Interlinearübersetzung von Dietzfelbinger) und wird in Jh 3,31 und
19,11 auch von allen Übersetzungen mit „von oben” übersetzt. Weil jedoch auch die Übersetzer
die eigentliche Bedeutung dieses Satzes nicht verstanden haben, haben sie in Jh 3,3.7 nicht die
örtliche, sondern die zeitliche Variante „von neuem” gewählt und damit die richtige
Interpretation dieser Aussage des Herrn auf Generationen verhindert.
Es ist also nicht verwunderlich, dass Menschen, welche noch nicht gestorben und auferstanden sind
und damit von oben herab geboren wurden, nicht das können, was der Herr in Jh 3,8 den
Wiedergeborenen zuschreibt. Mit dieser Charakterisierung des geistlich Wiedergeborenen haben nun die
Vertreter einer geistlichen „Wiedergeburt” des Menschen zu Lebzeiten, nämlich bei seiner
Bekehrung, ein Erklärungsproblem. Wenn es oben heißt, dass jeder aus dem Geist Wiedergeborene mit
dem Wind vergleichbar ist, der „weht, wo er will, und du hörst sein Sausen, aber du weißt nicht,
woher er kommt und wohin er geht”, so müssten diese Leute diese Eigenschaften als
"Wiedergeborene" ja auch auf sich anwenden können. Sie müssten dann genau jene
Fähigkeiten aufweisen, welche auch der Herr hatte, als er nach seiner Auferstehung von den Toten
wiedergeboren war und durch Wände und Türen hindurchging und die Jünger nicht wussten, woher er
kam und wohin er ging.
Da kommt Jesus, als die Türen verschlossen waren, und trat in die Mitte.
Jh 20,26 Und nach acht Tagen waren seine Jünger wieder drinnen und
Thomas bei ihnen. Da kommt Jesus, als die Türen verschlossen waren, und trat in die Mitte und
sprach: Friede euch! 20,27 Dann spricht er zu Thomas: Reiche deinen Finger her und sieh meine
Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern
gläubig! 20,28 Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott! Jh 20,26-28;
Dies ist nun das untrügliche Kennzeichen eines geistlich Wiedergeborenen, und es
wird sich wohl unter "wiedergeborenen" Christen keiner finden, der von sich behaupten
wollte, derartige Eigenschaften schon zu Lebzeiten aufweisen zu können und damit in diesem Sinn
wiedergeboren zu sein. Solche Wiedergeborene wird es tatsächlich erstmals im Millennium, nach der
Ersten Auferstehung geben. Die dann auf Erden lebenden Menschen werden derartige Erfahrungen mit den
auferstandenen Märtyrern machen können, die als Priester Gottes und Christi auferstehen und mit
dem Herrn auf Erden regieren werden (Off 20,4-6).
Nun haben wir in der Schrift auch noch einige andere Erwähnungen von „wiedergeboren”.
Wir sind wiedergeboren zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu.
1Ptr 1,3 Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der
uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch
die Auferstehung Jesu Christi von den Toten, 1,4 zu einem unvergänglichen und unbefleckten und
unverwelklichen Erbe, das aufbewahrt wird im Himmel für euch, 1,5 die ihr aus Gottes Macht durch
den Glauben bewahrt werdet zur Seligkeit, die bereit ist, dass sie offenbar werde zu der letzten
Zeit. 1Ptr 1, 3- 5;
Auch Petrus spricht ja hier. in 1Ptr 1,3-5 davon, dass wir wiedergeboren sind. Er
sagt: Gott hat uns wiedergeboren. Und zwar wiedergeboren zu einer lebendigen Hoffnung. Hoffnung
wozu? Hoffnung zu einem unvergänglichen, unbefleckten und unverwelklichen Erbe. Wodurch? Durch die
Auferstehung Jesu Christi von den Toten.
Unsere Wiedergeburt ist also nach Petrus eine Hoffnung. Diese Hoffnung hat als Basis die
Auferstehung des Herrn. Weil unser Herr von den Toten auferstanden ist, haben auch wir die Hoffnung,
dass wir auferstehen und geistlich wiedergeboren werden. Das Ziel dieser Auferstehung und damit auch
dieser Hoffnung, ist ein unvergängliches, also unsterbliches, ewiges Erbe, kurz: ewiges Leben.
Dieses ewige Leben nun ist für uns aufbewahrt im Himmel, wie Petrus sagt.
Nun bestätigt die Aussage des Herrn, weiter oben in Jh 3,5, „Wenn jemand nicht aus Wasser und
Geist geboren wird”, die Notwendigkeit dieser zwei Geburten für den erretteten Christen, lässt
aber dann auch die ganz ähnlichen Umstände bei diesen beiden Ereignissen - der leiblichen ersten
Geburt und der geistliche Wiedergeburt - erkennen. Das Endziel beim Ersteren ist das irdische Leben,
bei der Wiedergeburt das ewige Leben. Die Zeit der „guten Hoffnung” im biologischen Sinn dauert
neun Monate von der Zeugung bis zur Geburt, dann erblickt das Kind das Licht der Welt. Die Hoffnung
der Gläubigen dauert bis zur Auferstehung von den Toten und ihrer Wiedergeburt. Und auch sie
erblicken dann das Licht einer anderen, neuen Welt. Nämlich das Licht und die Welt Gottes und des
Lammes. Und sie sind dann, nach der Wiedergeburt, „Kinder der Auferstehung”, wie uns der Herr
hier unten sagt.
Sie sind Gottes Kinder und Kinder der Auferstehung.
Lk 20,34 Und Jesus sprach zu ihnen: Die Kinder dieser Welt heiraten und
lassen sich heiraten; 20,35 welche aber gewürdigt werden, jene Welt zu erlangen und die
Auferstehung von den Toten, die werden weder heiraten noch sich heiraten lassen. 20,36 Denn sie
können hinfort auch nicht sterben; denn sie sind den Engeln gleich und Gottes Kinder, weil
sie Kinder der Auferstehung sind. Lk 20,34-36;
(Siehe auch Kapitel 13: „Das Weltgericht”.)
Nun spricht aber Petrus weiter oben, in 1Ptr 1,3 davon, dass uns Gott „nach seiner
großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung”. Das heißt doch, dass uns
Gott in diesen Stand versetzt hat, damit wir diese Hoffnung haben können. Daraus folgt, dass wir
von der zeitlichen Perspektive am Beginn dieser Hoffnung "wiedergeboren" wurden.
Daher kann sich das nicht auf die Wiedergeburt am Ende der Welt beziehen, wo alle Hoffnung bereits
erfüllt sein wird. Es ist daher offensichtlich, dass sich diese Aussage des Petrus und das Verb „wiedergeboren”
auf den Beginn dieser Hoffnung, auf den Anfang unseres Glaubenslebens auf Erden bezieht. Analog zum
biologischen Ablauf ist daher die adäquate Bezeichnung dafür „Wiederzeugung”.
Doch sehen wir uns objektiverweise auch die zweite Stelle in diesem Kapitel an, in
der Petrus den Terminus „wiedergeboren” verwendet.
Ihr seid wiedergeboren aus unvergänglichem Samen, dem lebendigen Wort Gottes.
1Ptr 1,23 Denn ihr seid wiedergeboren nicht aus vergänglichem,
sondern aus unvergänglichem Samen, nämlich aus dem lebendigen Wort Gottes, das da
bleibt.
1,24 Denn »alles Fleisch ist wie Gras und alle seine Herrlichkeit wie des Grases Blume. Das Gras
ist verdorrt und die Blume abgefallen; 1,25 aber des Herrn Wort bleibt in Ewigkeit« (Jesaja
40,6-8). Das ist aber das Wort, welches unter euch verkündigt ist. 1Ptr 1,23-25;
Diese Wiedergeburt, die Petrus hier meint, erfolgt also aus unvergänglichem Samen.
Wie wir sehen, zieht auch Petrus selbst hier den Vergleich zur biologischen Geburt oder zumindest
zur natürlichen Fortpflanzung, indem er darauf hinweist, dass diese - im Unterschied zur
geistlichen Wiedergeburt - aus vergänglichem Samen erfolgt. Damit haben wir aber auch hier einen
Hinweis, dass Petrus eigentlich die Zeugung und Befruchtung meint. Die Befruchtung mit
vergänglichem oder mit unvergänglichem Samen und nicht etwa schon eine Geburt. Und er sagt uns
auch wodurch diese geistliche Befruchtung, diese Wiederzeugung, erfolgt: Durch das lebendige Wort
Gottes. Es ist also unser Herr Jesus Christus, der ja dieses lebendige Wort Gottes ist (Jh 1,1; Off
19,13), der unseren Geist befruchtet hat.
Und wenn wir noch einmal die eingangs erwähnte Ansicht von der „Wiedergeburt” zu Lebzeiten des
Gläubigen bei seiner Bekehrung betrachten, erkennen wir, dass diese Bezeichnung falsch ist. Ebenso,
wie der biologischen Geburt ein Akt der biologische Zeugung vorausgehen muss, bedarf die geistliche
Wiedergeburt einer vorangegangenen geistlichen Zeugung. Wir werden daher bei unserer Bekehrung nicht
wiedergeboren, sondern wir werden erst einmal geistlich befruchtet und damit wiedergezeugt.
Was tatsächlich bei unserer Bekehrung stattgefunden hat, ist also die geistliche Befruchtung durch
das lebendige Wort Gottes. Also die Wiederzeugung und noch nicht die Wiedergeburt. Unser
Geist ist befruchtet - wenn man so will in „anderen Umständen” - wir sind in „guter Hoffnung”
auf eine Wiedergeburt. Während daher der Herr in Mt 19,28 für „Wiedergeburt” die
griechische Bezeichnung „paliggenesia” verwendet, stehen im griechischen Originaltext in
1Ptr 1,3.23 bzw. Jh 1,13; 1Jh 2,29; 3,9; 4,7; 5,1.4.18 die griechischen Verben anagegennemenoi
als „wiedergeboren” bzw gennethenai als „geboren”. Beide Verben können sowohl als
„(wieder)gezeugt” als auch als „(wieder)geboren” übersetzt werden. Und nachdem die
Übersetzer den tieferen Hintergrund der Aussage des Herrn in Jh 3,7-8 nicht kannten, haben sie
anstatt mit „wiedergezeugt” bzw. „gezeugt” mit dem gängigeren „wiedergeboren” bzw. „geboren”
übersetzt (siehe Nestle-Aland und Anmerkungen zur Elberfelder Bibel).
Die Identität der echten, richtigen Wiedergeburt mit der Auferstehung von den Toten erkennen wir
auch in der Johannesoffenbarung, wo der Herr Jesus im Zusammenhang mit seiner Auferstehung als der
„Erstgeborene von den Toten” bezeichnet wird.
Jesus Christus, der Erstgeborene von den Toten.
Off 1,4 Johannes an die sieben Gemeinden in der Provinz Asien: Gnade
sei mit euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt, und von den sieben
Geistern, die vor seinem Thron sind, 1,5 und von Jesus Christus, welcher ist der treue Zeuge,
der Erstgeborene von den Toten und Herr über die Könige auf Erden! Ihm, der uns
liebt und uns erlöst hat von unsern Sünden mit seinem Blut 1,6 und uns zu Königen und Priestern
gemacht hat vor Gott, seinem Vater, ihm sei Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Off 1,
4- 6;
Nun könnte man einwenden, dass es letztlich nicht so wichtig sei, ob wir bei
unserer Bekehrung geistlich wiedergeboren oder geistlich wiedergezeugt werden. Der ganze Aufwand
lohnt kaum, die Hauptsache ist, wir sind bekehrt. Doch hier trifft das bekannte Wort zu: „In dem
Moment, wo wir in anderen Begriffen denken, denken wir auch in anderen Richtungen”. Und wenn wir
uns mit den Hintergründen und näheren Umständen auseinandersetzen, erkennen wir, dass gerade
diese oberflächliche Einstellung zu jener Situation geführt hat, welche MacArthur in seinem Buch
zu Recht beklagt und mit der Frage konkretisiert:
„Warum sollten wir glauben, Leute, die mit Ehebruch, Hurerei,
Homosexualität, Betrug und allen möglichen Formen schamloser Ausschweifung nicht gebrochen haben,
seien tatsächlich wiedergeboren?”
Die Ursachen dieses Widerspruchs lassen sich aus den Gemeinsamkeiten von
biologischer und geistlicher Entwicklung von der Zeugung bis zur Geburt erkennen. Unsere Bekehrung
ist die geistliche Befruchtung, die Wiederzeugung. Die geistliche Wiedergeburt ist die Auferstehung
(Erste Auferstehung bzw. Allgemeine Auferstehung), und sie entspricht der körperlichen Geburt auf
der biologischen Ebene. In beiden Fällen kommen wir aus dem „Dunkel” und erblicken das Licht
einer neuen Welt. Doch die Zeit von der Zeugung bis zur Geburt ist da wie dort nicht ohne Gefahr.
Alles, was zwischen biologischer Zeugung und biologischer Geburt die Entwicklung des Kindes
beeinträchtigen oder gar beenden kann, kann – im übertragenen, geistlichen Sinn – auch die
Entwicklung des Christen behindern. Eine anschauliche allegorische Darstellung dieser Gefahren
finden wir übrigens im Buch „Pilgrim’s Progress” (Die Pilgerreise) von John Bunyan.
Und ebenso, wie leider nicht alle biologisch gezeugten Kinder geboren werden, werden auch nicht alle
geistlich wiedergezeugten Christen wiedergeboren werden. Viele enden als geistliche „Totgeburten”
und fallen vom Glauben ab. Wer nun behauptet hat, dass wir bei unserer Bekehrung
"wiedergeboren" werden und obendrein, dass "Wiedergeborene" nicht verloren gehen
könnten, hat damit natürlich seine Erklärungsschwierigkeiten. Und da werden dann die
unglaublichsten Argumente angeführt, um dieses zu erklären. Dabei ist aber schon die
Grundauffassung falsch: mit Ausnahme des Herrn, wurde noch niemand auf Erden wiedergeboren.
Und um auf das Buch von John F. MacArthur zurückzukommen: Nach der obigen Analyse wird deutlich,
dass genau jene Probleme in den Gemeinden, welche MacArthur beschreibt und zu Recht kritisiert,
offensichtlich eine Folge der falschen Auslegung dieses Herrenwortes sind. Während „wiedergeboren”
einen fertigen, abgeschlossenen Zustand insinuiert - worauf dann auch die an sich logische Aussage
fußt, dass ein Wiedergeborener nicht verloren gehen kann -, sind wir tatsächlich erst wiedergezeugt
und haben noch die ganze geistliche „Schwangerschaft” (unser weiteres Glaubensleben bis zu
unserem Tod und der Auferstehung, welche dann die tatsächliche Wiedergeburt ist) mit all den
möglichen Problemen und Schwierigkeiten noch vor uns.
Wenn man daher weiß, dass wir als bekehrte Christen noch nicht wiedergeboren, sondern erst
wiedergezeugt sind, wird klar, dass wir uns nicht auf irgendwelchen Lorbeeren ausruhen können. Wir
müssen Tag für Tag unser Denken und unser Handeln prüfen, um Fehler rechtzeitig erkennen und
korrigieren zu können. Es wird dann auch verständlich, dass es immer wieder Geschwister gibt,
welche vom rechten Weg abkommen oder überhaupt vom Glauben abfallen. Und wir haben dann dafür
keine Erklärungsprobleme mehr: es ist ein zwar trauriger, aber nicht unerklärlicher Vorgang.
Schließlich erübrigen sich auch die wenig liebevollen Verdächtigungen, wie z. B. die Bemerkung:
„Bei diesem Verhalten kann das kein wiedergeborener Christ sein”. Nein! Ist er nicht! Aber wir
auch nicht! Keiner von uns ist wiedergeboren! Wir sind erst wiedergezeugt und haben demnach
noch keinen „Stammplatz” im Himmel!
Dieser Zusammenhang lässt sich auch in anderen Gleichnissen des Herrn nachvollziehen. Wie uns
Petrus oben, in 1Ptr 1,23 (in korrekter Übersetzung) sagt, sind wir „wiedergezeugt aus
unvergänglichem Samen”. Doch dieser Same benötigt einen guten Boden, muss Wurzeln bilden und
in uns wachsen und dabei den verschiedenen weltlichen Umgebungseinflüssen widerstehen. Und genau
das bestätigt der Herr im Gleichnis vom Sämann:
Bei dem auf gutes Land gesät ist, der hört das Wort und versteht und bringt Frucht.
Mt 13,18 So hört nun ihr dies Gleichnis von dem Sämann: 13,19 Wenn
jemand das Wort von dem Reich hört und nicht versteht, so kommt der Böse und reißt hinweg,
was in sein Herz gesät ist; das ist der, bei dem auf den Weg gesät ist.
13,20 Bei dem aber auf felsigen Boden gesät ist, das ist, der das Wort hört und es gleich mit
Freuden aufnimmt; 13,21 aber er hat keine Wurzel in sich, sondern er ist wetterwendisch; wenn
sich Bedrängnis oder Verfolgung erhebt um des Wortes willen, so fällt er gleich ab.
13,22 Bei dem aber unter die Dornen gesät ist, das ist, der das Wort hört, und die Sorge der
Welt und der betrügerische Reichtum ersticken das Wort, und er bringt keine Frucht. 13,23 Bei
dem aber auf gutes Land gesät ist, das ist, der das Wort hört und versteht und dann auch Frucht
bringt; und der eine trägt hundertfach, der andere sechzigfach, der dritte dreißigfach. Mt
13,18-23;
Im obigen Text von der Auslegung des Herrn zum Gleichnis vom Sämann, in Mt
13,18-23, ist die Rede vom Samen. Es ist der Weizensamen, den der Sämann in den Acker sät. In der
Erklärung erkennen wir, dass dieser Same - ebenso wie weiter oben der „unvergängliche Same” in
1Ptr 1,23 - das Wort Gottes ist.
Wir erkennen des Weiteren, dass alle vier hier angeführten „Bodenqualitäten” gleichermaßen
mit Samen besät wurden. Das heißt - und diese Erkenntnis ist sehr wichtig - allen vier Gruppen von
Menschen wurde das Wort Gottes verkündigt. Ja mehr noch: außer beim Ersten ist der Same auch bei
allen aufgegangen, sie haben also das Wort Gottes, haben den Herrn Jesus positiv aufgenommen - sie
waren geistlich befruchtet, also wiedergezeugt.
Doch wie sieht das Ende aus? Ebenso hart wie der Weg, auf den der Same gesät wurde, ist auch das
Herz des Ersten. Der Same, das Wort Gottes, findet keinen Halt zur Verankerung. An dieser seiner
Herzenshärte ist dieser Mensch allerdings nicht unschuldig. Wie der Weg, auf dem erst Hunderte von
Menschen gehen mussten, um ihn so hart zu machen wie er ist, musste auch dieser Erste Hunderte von
Malen sein Herz verschließen und verhärten, um so hart zu werden, dass er schließlich auch das
Wort Gottes nicht mehr aufnehmen konnte. Dies ist der Einzige, der nicht geistlich befruchtet bzw.
wiedergezeugt wurde.
Beim Zweiten liegen die Dinge etwas anders. Er ist jener Typus von Mensch, welcher uns am
deutlichsten vor Augen führt, in welche Gefahr wir uns mit einer unkritischen Oberflächlichkeit
begeben. Er hat einen guten Boden, ein gutes Herz. Allerdings nur sehr seicht. Unter der dünnen
guten Krume hat er hartes Felsengestein. Seine Bekehrung und sein Glaube ist nie in die Tiefe
gedrungen. Er war befruchtet und hat ein gewisses Interesse gezeigt, sich aber dann bald wieder
erfreulicheren Dingen zugewandt.
Die Folge davon ist, dass der Same guten Boden vorfindet und sich verankert. Aufgrund der geringen
Tiefe und des felsigen Untergrundes, der die Wärme reflektiert, erwärmt sich nun der Boden auch
viel schneller als tiefer Ackerboden. Der Same entwickelt sich sehr schnell und sprießt mit voller
Kraft. Das Wort wurde also voller Begeisterung aufgenommen. Es war eine wirkliche Bekehrung. Und
alle Geschwister sind voll Freude und stolz über diesen Beweis der Macht des Wortes Gottes - wie
sie meinen.
Doch bald – allzu bald - ist der felsige Untergrund erreicht. Das Weizenkorn will tiefere Wurzeln
treiben, doch die Felsen unter der Erde hindern es daran. An diesem Menschen hat sich rein
äußerlich nichts verändert. Er ist noch genau so, wie er bei seiner Bekehrung war. Und genau so,
wie er sich damals voll Begeisterung dem Wort Gottes zugewandt hat, wendet er sich nun - auch wieder
voll Begeisterung - irgend einem anderen Ziel zu. Es war ihm etwas zu anstrengend, was die Leute da
von ihm erwartet haben. Seine Freunde haben sich auch schon über ihn lächerlich gemacht. Und
außerdem wurde es schön langsam eintönig. Er ist mehr für Abwechslung.
Vom Dritten nun kann man mit Fug und Recht behaupten, dass er ein gläubiger Mensch, ein
Wiedergezeugter war. Er hat das Wort aufgenommen, hat auch genug tiefen „Ackerboden” in seinem
Herzen, um das Wort zu verankern. Allerdings sind da die „Dornen”. Er ist entweder arm und weiß
nicht woher er das Geld für die nächste Mahlzeit für sich und seine Familie nehmen soll. Oder er
ist reich und weiß nicht wie er sein Geld am besten veranlagen soll, damit es nicht durch Krisen,
Inflation und Abwertung verloren geht.
Beide haben also Sorgen. Zwar grundverschiedener Ausprägung, aber es sind beide Male Sorgen. Und
diese Sorgen verdecken ihnen das Licht. Das Weizenkorn kann auch im besten Boden ohne Licht nicht
gedeihen. Und der gläubigste Mensch kann auf Dauer, ohne die liebevolle Zuwendung seines Gottes
nicht gläubig bleiben. Doch diesem Dritten rauben seine Sorgen sowohl die Zeit, als auch den Platz
in seinem Herzen für seinen Gott. Ebenso wie das Weizenkorn, wird auch der Glaube dieses Menschen
erstickt und stirbt ab und bringt keine Frucht. Ähnlich wie bei der natürlichen Fortpflanzung –
ob Pflanze oder Tier - wo auch nicht jede Befruchtung erfolgreich ist, wurden nun auch die drei
Ersteren in diesem Gleichnis durch den Geist Gottes wiedergezeugt, haben aber den Samen abgetötet -
sozusagen eine geistliche „Abtreibung” .
Anders ist es beim Vierten und Letzten dieser Reihe. Eigentlich ist es ja nicht einer, sondern es
sind drei. Sie haben alle drei die gleichen Voraussetzungen. Weichen, tiefen Mutterboden, kein
Dornengestrüpp, welches das Licht verdeckt. Ihr Glaube gedeiht, Gott segnet sie und sie bringen
alle drei Frucht. Der Unterschied liegt bei ihnen nicht in der Qualität sondern nur in der
Quantität ihrer Fruchtbarkeit. Der eine hundertfach, der zweite sechzigfach und der dritte
dreißigfach. Der Grund für diese unterschiedliche Fruchtbarkeit wird uns nicht genannt. Doch
sollten wir uns weniger fragen, warum der eine weniger als der andere, als eher warum der andere mehr
als der eine Frucht bringt.
Unter diesen Dreien können genauso reiche oder arme Menschen sein wie bei jenem „unter den Dornen”.
Es sind hier nicht die äußeren Umstände, welche uns im Glauben behindern, sondern es ist der
Stellenwert, den wir diesen Umständen beimessen, welcher sie zu alles bedeckenden Dornen oder zu
zwar täglich neu zu lösenden und lebensnotwendigen aber keinesfalls lebensbedrohenden Problemen
macht.
In diesem Gleichnis des Herrn vom Sämann erkennen wir also ganz deutlich, dass der Same zwar bei
vielen gesät wurde, doch nicht bei allen gedeihen kann. Auf der menschlichen Ebene ist dies
vergleichbar sowohl mit der physischen als auch mit der geistlichen Entwicklung des Menschen: die
Saat, also die Befruchtung bzw. Wiederzeugung hat stattgefunden, dann folgt die Wachstumsperiode,
also Schwangerschaft bzw. Glaubensleben und erst am Ende dann die Ernte, also Geburt bzw.
Wiedergeburt (Auferstehung).
Und ebenso wenig wie der Same, wenn er in den Boden gesät wurde, sofort zur Ähre wird, weil es
erst eine Saat ist und noch wachsen und gedeihen und dabei so manchen Widrigkeiten widerstehen muss,
ist auch eine Eizelle sofort nach ihrer Befruchtung natürlich noch kein fertiges Kind, sondern
bedarf der Entwicklung und des Wachstums im Mutterleib und kann auch in dieser Zeit mit
gesundheitlichen und anderen Problemen konfrontiert sein. Und so ist auch ein Christenmensch sofort
nach seiner Bekehrung noch nicht wiedergeboren, sondern erst wiedergezeugt, und muss sich in seinem
Glaubensleben bewähren, bis er nach seinem Tod und seiner Auferstehung - also der tatsächlichen
Wiedergeburt - das neue Leben erblickt.
Wenn man nun die Praxis in vielen christlichen Gemeinden, welche die bekehrten Geschwister als „wiedergeboren”
bezeichnen, auf das obige Gleichnis des Herrn vom Sämann anwenden würde, müsste der eben gesäte
Samen gleich wieder ausgegraben und als Weizen verkauft werden. Und dies kann wohl ebenso wenig
sinnvoll sein, wie wenn eine werdende Mutter ihre befruchtete Eizelle stillen möchte. Die
Eigenschaft - und die Verantwortung!! - welche man den neubekehrten Geschwistern zuweist, indem man
sie als wiedergeboren bezeichnet und betrachtet, führt dann im weitren Glaubensleben oft zu großen
Problemen. Nicht zuletzt, weil diese Geschwister instinktiv selbst erkennen, dass sie diesen
Ansprüchen in ihrem Leben eigentlich gar nicht entsprechen können.
Ähnlich wie die katholischen Kirche völlig realitätsfern ihren Priestern einen Zölibat
verordnet, welcher so in der Schrift keine Basis hat und welcher zu traurigen Auswüchsen, wie
Homosexualität und Kindesmissbrauch in der katholischen Priesterschaft weltweit geführt hat, weist
man in den evangelikalen Gemeinden den Geschwistern in völliger Überschätzung ihrer Fähigkeiten
und ihres tatsächlichen Glaubensstatus', das Prädikat „wiedergeboren” zu, ohne sich der
Konsequenzen bewusst zu werden, welche eine derartige Vorgangsweise mit sich bringt.
Nun schrieb mir vor kurzer Zeit eine liebe Schwester im Herrn und Besucherin von
Immanuel.at, Frau Brunhilde Bollmeyer, als Reaktion auf meine gleichartigen Ausführungen im Diskurs
69 („Die Prädestination und die Auserwählten”),
„In 2.Mose 33,19 sagt Gott: Ich werde gnädig sein, wem ich gnädig
bin und mich erbarmen, über wen ich mich erbarme. Diese Aussage greift Paulus in Röm.9,15 auf.
Auch Joh. 6,44.65; 15,16.19; 17,2.6.9.24; sprechen doch eher von einem Handeln Gottes oder übersehe
ich da etwas? Ihre Hinweise auf die Möglichkeit des Auslöschens aus dem Buch des Lebens werfen bei
mir Fragen nach der Heilssicherheit auf.”
Vor dem Hintergrund der Verkündigung in vielen Gemeinden, dass bekehrte Geschwister
schon wiedergeboren - anstatt erst wiedergezeugt - sind, womit dann die „Unumstößlichkeit der
ewigen Errettung des wiedergeborenen Christen” behauptet wird, ist dieses Argument natürlich
völlig richtig und die zu erwartende Folge einer derartigen Lehre. Während die oben von Frau
Bollmeyer zitierten Bibelstellen alle im Diskurs 69 behandelt wurden, soll hier jener Schrifttext
betrachtet werden, welcher die stärksten Aussagen zum Thema einer „Heilssicherheit” macht und
auch in diesem Zusammenhang von den Vertretern dieser Ansicht immer wieder angeführt wird:
Ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie gehen nicht verloren in Ewigkeit, niemand wird sie aus meiner Hand rauben.
Jh 10,27 Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und
sie folgen mir; 10,28 und ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie gehen nicht verloren in
Ewigkeit, und niemand wird sie aus meiner Hand rauben. 10,29 Mein Vater, der sie mir gegeben
hat, ist größer als alle, und niemand kann sie aus der Hand meines Vaters rauben. 10,30 Ich und
der Vater sind eins. Jh 10,27-30;
Wenn dieser Text in den Gemeinden zitiert wird und darauf basierend den Geschwistern
ihre ewige Heilssicherheit verkündet wird, ist es nun nicht verwunderlich, wenn die allermeisten
diese Kunde freudig aufnehmen und in ihrem Leben weitergeben. Sie sind dann auch wie vor dem Kopf
gestoßen, wenn sie hören oder lesen, dass dies noch nicht die ganze Wahrheit ist und es eine
solche Heilssicherheit in der Schrift gar nicht gibt. Noch dazu, wenn - wie in einigen christlichen
Denominationen - diese Ansicht dahingehend ausgeweitet wird, dass der Christ deshalb nicht verloren
gehen kann, weil er durch Gott höchstpersönlich auserwählt wurde (Prädestination) und daher
schon auf Erden sozusagen einen Freibrief für die Ewigkeit hat. Um daher den Nachweis für die
Richtigkeit der hier vertretenen Auffassung zu führen, wollen wir einmal ein weiteres Gleichnis des
Herrn ansehen, welches ebenfalls von Schafen handelt:
So ist es nicht der Wille eures Vaters, der in den Himmeln ist, daß eines dieser Kleinen verloren gehe
Mt 18,12 Was meint ihr? Wenn ein Mensch hundert Schafe hätte und
eins von ihnen sich verirrte, läßt er nicht die neunundneunzig auf den Bergen und geht hin und
sucht das irrende? 18,13 Und wenn es geschieht, daß er es findet, wahrlich, ich sage euch,
er freut sich mehr über dieses als über die neunundneunzig, die nicht verirrt sind. 18,14 So
ist es nicht der Wille eures Vaters, der in den Himmeln ist, daß eines dieser Kleinen verloren gehe.
Mt 18,12-14;
Wie wir dem weiteren Kontext entnehmen können, spricht der Herr hier von den
Kindern und auf den ersten Blick scheint nun auch dieser Text die Auffassung einer Heilssicherheit
zu bestätigen. Betrachtet man diese Aussagen jedoch genauer, erkennt man den Unterschied zum obigen
Gleichnis. Während der Herr dort davon spricht, dass seine Schafe in Ewigkeit nicht verloren gehen,
heißt es hier, dass sie sich verirren können. Und die Aussage „Wenn es geschieht, dass er
es findet” führt uns vor Augen, dass es auch nicht sicher ist, ob das verirrte Schaf tatsächlich
gefunden werden kann. Und daher wollen wir uns nun weitere Schriftaussagen ansehen, wo dieser
Zusammenhang - das Verirren eines Schafes d. h. der Abfall eines christlichen Gläubigen („Wiedergeborenen”)
- erwähnt wird:
Denn wir sind Teilhaber des Christus geworden, wenn wir die anfängliche Zuversicht bis zum Ende standhaft festhalten.
Hbr 3,12 Seht zu, Brüder, daß nicht etwa in jemandem
von euch ein böses Herz des Unglaubens sei im Abfall vom lebendigen Gott, 3,13
sondern ermuntert einander jeden Tag, solange es «heute» heißt, damit niemand von euch
verhärtet werde durch Betrug der Sünde! 3,14 Denn wir sind Teilhaber des Christus geworden,
wenn wir die anfängliche Zuversicht bis zum Ende standhaft festhalten. Hbr 3,12-14;
Hier warnt der Hebräerbriefschreiber die Geschwister davor, vom lebendigen Gott abzufallen. Wenn jeder gläubige Christ automatisch eine „Heilssicherheit” hätte, wenn also die „Unumstößlichkeit der ewigen Errettung des wiedergeborenen Christen” tatsächlich biblisch wäre, wäre dies wohl nicht erforderlich gewesen. Und in Vers Hbr 3,14 wird konkretisiert, dass wir erst dann Teilhaber Christi geworden sind, wenn wir die anfängliche Zuversicht - unseren Glauben bei der Bekehrung und die erste Liebe zu Gott - bis zum Ende standhaft festhalten. Dass dies durchaus nicht allen „wiedergeborenen” Geschwistern gelingt, zeigt sich im folgenden Text:
Denn es ist unmöglich, diejenigen, die einmal des Heiligen Geistes teilhaftig geworden sind und doch abgefallen sind, wieder zur Buße zu erneuern.
Hbr 6,4 Denn es ist unmöglich, diejenigen, die einmal erleuchtet
worden sind und die himmlische Gabe geschmeckt haben und des Heiligen Geistes teilhaftig geworden
sind 6,5 und das gute Wort Gottes und die Kräfte des zukünftigen Zeitalters geschmeckt
haben. 6,6 und doch abgefallen sind, wieder zur Buße zu erneuern, da sie für sich
den Sohn Gottes wieder kreuzigen und dem Spott aussetzen. Hbr 6, 4- 6;
Die Aussage hier oben, in Hbr 6,4: „die einmal erleuchtet worden sind und die
himmlische Gabe geschmeckt haben und des Heiligen Geistes teilhaftig geworden sind” bestätigt
einmal für die seriöse Bibelexegese, dass es sich hier um Gläubige - und zwar ganz eindeutig um
sogenannte „wiedergeborene” Gläubige - handelt. Hier nützen keine noch so konstruierten
Argumentationsversuche. Wer die himmlische Gabe geschmeckt und den Heiligen Geist empfangen hat,
kann weder ungläubig noch Namenschrist, sondern muss zweifelsfrei ein „wiedergeborener” -
richtiger wiedergezeugter - Christ sein. Und von diesem heißt es dann in Hbr 6,6, dass er vom
Glauben abgefallen und verlorengegangen ist. Auch Paulus bestätigt in 1Kor 15,2, dass man als
Christ vom Glauben abfallen kann und somit vergeblich zum Glauben gekommen ist.
Das Evangelium durch das ihr auch errettet werdet, wenn ihr festhaltet, es sei denn, daß ihr vergeblich zum Glauben gekommen seid.
1Kor 15,1 Ich tue euch aber, Brüder, das Evangelium kund, das
ich euch verkündigt habe, das ihr auch angenommen habt, in dem ihr auch steht, 15,2 durch das
ihr auch errettet werdet, wenn ihr festhaltet, mit welcher Rede ich es euch verkündigt
habe, es sei denn, daß ihr vergeblich zum Glauben gekommen seid. 1Kor 15, 1- 2;
Speziell für die Vertreter einer Prädestination (= die willkürliche Vorauswahl
der Menschen durch Gott, die einen zum ewigen Leben und die anderen zur ewigen Verdammnis), wie sie
z. B. die Anglikaner lehren, welche der Ansicht sind, dass Gott bereits alle Menschen in „Gute”
und „Böse” eingeteilt und die Ersteren daher nur auf die Auferstehung warten müssten um ins
Himmelreich einzugehen, während die Letzteren tun können was sie wollen, ohne auch nur eine Chance
zu haben, gerettet zu werden, ist die Warnung des Paulus in seinem Brief an die Römer
beachtenswert:
Wenn du nicht an der Güte Gottes bleibst, wirst auch du herausgeschnitten werden.
Röm 11,19 Du wirst nun sagen: Die natürlichen Zweige sind
herausgebrochen worden, damit ich eingepfropft würde. 11,20 Richtig; sie sind herausgebrochen
worden durch den Unglauben; du aber stehst durch den Glauben. Sei nicht hochmütig,
sondern fürchte dich! 11,21 Denn wenn Gott die natürlichen Zweige nicht geschont hat, wird er
auch dich nicht schonen. 11,22 Sieh nun die Güte und die Strenge Gottes: gegen die, welche gefallen
sind Strenge; gegen dich aber Güte Gottes, wenn du an der Güte bleibst; sonst wirst auch du
herausgeschnitten werden. Röm 11,19-22;
Im Übrigen ist es äußerst erstaunlich, dass diese falsche Lehre von einer
Prädestination, also einer willkürlichen Vorauswahl der Menschen durch Gott, in christlichen
Gemeinden Fuß fassen konnte. Es ist ein Beweis für die völlige Unkenntnis der Schriftaussagen
über die Gerechtigkeit Gottes. Gott ist die Gerechtigkeit in Person und alle seine anderen
Eigenschaften hat er diesem Kriterium untergeordnet. So ist auch die Liebe Gottes, welche immer
wieder als „unendlich” bezeichnet wird, zwar sehr groß aber doch begrenzt. Sie endet dort, wo
sich die Gnade und Barmherzigkeit Gottes erschöpft hat und seine Gerechtigkeit beginnt. Die
Allmacht Gottes könnte nicht bestehen, wenn sie nicht durch seine absolute Gerechtigkeit geleitet
würde. Und es war auch diese absolute Gerechtigkeit Gottes, welche es erforderlich gemacht hat,
dass der Sohn Gottes am Kreuz das Loskaufopfer für die Sünden der Welt und die Errettung der
Menschen erbringen musste.
Den, der Sünde nicht kannte, hat er für uns zur Sünde gemacht, damit wir Gottes Gerechtigkeit würden in ihm.
2Kor 5,21 Den, der Sünde nicht kannte, hat er für uns zur Sünde
gemacht, damit wir Gottes Gerechtigkeit würden in ihm. 2Kor 5,21;
Gerecht bist du, HERR, und richtig sind deine Urteile.
Ps 119,137 Gerecht bist du, HERR, und richtig sind deine Urteile.
119,138 Du hast in Gerechtigkeit deine Zeugnisse geboten und in großer Treue. Ps 119,137-138;
Deine Gerechtigkeit ist eine ewige Gerechtigkeit.
Ps 119,142 Deine Gerechtigkeit ist eine ewige Gerechtigkeit,
und dein Gesetz ist Wahrheit. 119,143 Angst und Bedrängnis haben mich erreicht. Deine Gebote sind
meine Lust. 119,144 Gerechtigkeit sind deine Zeugnisse für ewig. Gib mir Einsicht,
damit ich lebe! Ps 119,142-144;
Das Gericht Gottes wird der Wahrheit entsprechend über die ergehen, die so etwas tun.
Röm 2,2 Wir wissen aber, daß das Gericht Gottes der Wahrheit
entsprechend über die ergeht, die so etwas tun. Röm 2, 2;
Denn da sie Gottes Gerechtigkeit nicht erkannten und ihre eigene aufzurichten trachteten.
Röm 10,3 Denn da sie Gottes Gerechtigkeit nicht erkannten und ihre
eigene aufzurichten trachteten, haben sie sich der Gerechtigkeit Gottes nicht unterworfen. Röm
10, 3;
Gerecht und wahrhaftig sind deine Wege, o König der Nationen!
Off 15,3 Und sie singen das Lied Moses, des Knechtes Gottes, und das
Lied des Lammes und sagen: Groß und wunderbar sind deine Werke, Herr, Gott, Allmächtiger! Gerecht
und wahrhaftig sind deine Wege, o König der Nationen! Off 15, 3;
Und da glauben nun manche Geschwister, Gott würde sie ohne ihr Zutun zu „Auserwählten”
befördern und andere verwerfen. Diese „Souveränität” Gottes, wie sie eine solche
Vorgangsweise unverschämt bezeichnen, ist in Wahrheit die menschliche Gesinnung von Korruption und
Vetternwirtschaft, welche primär die eigenen Vorteile im Sinn hat und nicht das Handeln eines
absolut gerechten Gottes. Und daher ist auch die Prädestination auf eine falsche Interpretation der
Schrift zurückzuführen, bei der nicht realisiert wurde, dass Gott am Anfang der Weltgeschichte in
seiner Allwissenheit alle jene Menschen aller Zeiten vorauserkannt hatte, welche in ihrem
Leben eine Entscheidung für Gott treffen werden, und diese dann ausgewählt und in das
sogenannte „Buch des Lebens” eingetragen hatte (1Ptr 1,1-2; Röm 8,29). Man hat den ersten Teil
dieser Geschichte übersprungen und dann nur mehr eine elitäre Vorauswahl gelehrt.
Und mit dieser Lehre postuliert man dann, dass sich die Menschen gar nicht mehr für Gott
entscheiden müssten. Die von Gott ohne ihr Zutun „Auserwählten” haben schon ewiges Leben und
die Anderen werden es nie erlangen. Doch eben das würde der Gerechtigkeit Gottes völlig
widersprechen. Bei Gott herrscht absolute Freiheit und niemand wird zum Glauben gezwungen. Den
tatsächlichen Hintergrund bekommen wir sowohl von Petrus, als auch von Paulus erklärt.
Petrus, den Fremdlingen die auserwählt sind nach Vorkenntnis Gottes, des Vaters.
1Ptr 1,1 Petrus, Apostel Jesu Christi, den Fremdlingen von der
Zerstreuung von Pontus, Galatien, Kappadozien, Asien und Bithynien, die auserwählt sind 1,2
nach Vorkenntnis Gottes, des Vaters, in der Heiligung des Geistes zum Gehorsam und zur
Besprengung mit dem Blut Jesu Christi: Gnade und Friede werde euch immer reichlicher zuteil! 1Ptr 1,
1- 2;
Denn die er vorher erkannt hat, die hat er auch vorherbestimmt, dem Bilde seines Sohnes gleichförmig zu sein.
Röm 8,28 Wir wissen aber, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum
Guten mitwirken, denen, die nach seinem Vorsatz berufen sind. 8,29 Denn die er vorher erkannt
hat, die hat er auch vorherbestimmt, dem Bilde seines Sohnes gleichförmig zu sein,
damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern. Röm 8,28-29;
Der Vater hat also in seiner Vorkenntnis (Allwissenheit) jene vorher erkannt
und auserwählt bzw. vorherbestimmt, welche sich in ihrem Leben für ihn entscheiden werden.
Gott kennt sie seit Urzeiten alle bei ihren Namen und wie wir in Jh 10,29 lesen, hat er sie alle
seinem Sohn zum Geschenk gemacht. Dies sind die Schafe, die auf die Stimme des guten Hirten hören
werden. Sie haben bereits ewiges Leben bevor sie noch geboren werden. Doch nicht aufgrund einer
willkürlichen Vorauswahl durch Gott, sondern aufgrund ihrer Entscheidung zu Lebzeiten, Gott als
ihren Vater und Jesus Christus als ihren Retter anzunehmen.
Nachdem wir Menschen jedoch keine Allwissenheit besitzen, haben wir keine derartige Vorkenntnis,
sondern erkennen immer erst dann ob ein Mensch errettet ist, wenn er zum Glauben kommt,
wiedergezeugt wurde durch das lebendige Wort Gottes und im Glauben feststeht bis zu seinem Ende.
Jeder der meint, er könnte sich diese von Gott vorgegebene Entwicklung - etwa durch eine
Prädestination oder durch eine falsch interpretierte Wiedergeburt - ersparen und sofort ewiges
Leben besitzen, begeht einen fatalen Irrtum.
Jeder, der weitergeht und nicht in der Lehre des Christus bleibt, hat Gott nicht.
2Jh 1,8 Seht auf euch selbst, damit ihr nicht verliert, was wir
erarbeitet haben, sondern vollen Lohn empfangt! 1,9 Jeder, der weitergeht und nicht in der Lehre
des Christus bleibt, hat Gott nicht; wer in der Lehre bleibt, der hat sowohl den Vater als auch
den Sohn. 1,10 Wenn jemand zu euch kommt und diese Lehre nicht bringt, so nehmt ihn nicht ins Haus
auf und grüßt ihn nicht! 1,11 Denn wer ihn grüßt, nimmt teil an seinen bösen Werken. 2Jh 1,
8-11
(Siehe auch den Diskurs 69: „Die Prädestination
und die Auserwählten.”)
Und hier kommen wir nun auch auf die Aussagen des Herrn in Jh 10,27-30 zurück, wo
es heißt, dass seine Schafe seine Stimme hören und er seine eigenen Schafe mit Namen rufen wird
und sie ihm folgen werden.
Ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie gehen nicht verloren in Ewigkeit, niemand wird sie aus meiner Hand rauben.
Jh 10,27 Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und
sie folgen mir; 10,28 und ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie gehen nicht verloren in
Ewigkeit, und niemand wird sie aus meiner Hand rauben. 10,29 Mein Vater, der sie mir gegeben
hat, ist größer als alle, und niemand kann sie aus der Hand meines Vaters rauben. 10,30 Ich
und der Vater sind eins. Jh 10,27-30;
Was hier die Vertreter einer Prädestination auf sich selbst beziehen und meinen,
dass sie von Gott ohne ihr Zutun in einem Akt der Willkür unter allen Menschen „auserkoren”
wurden, sind tatsächlich eben jene Menschen, von welchen der Vater am Anbeginn der Schöpfung in
seiner Allwissenheit erkannt hat, dass sie sich in ihrem Leben für Gott entscheiden werden. Sie
sind es, von welchen der Herr Jesus in Jh 10,29 sagt, dass der Vater sie ihm gegeben hat. Er kennt
sie alle und ruft sie bei ihren Namen und sie folgen ihm. Und ihnen gibt er ewiges Leben und sie
gehen nicht verloren in Ewigkeit. Nicht weil sie von Gott nach dem Zufallsprinzip vorherbestimmt
wurden, sondern weil sie selbst die freie Wahl hatten und sich für diesen Gott und seinen Sohn
Jesus Christus selbst entschieden haben.
Aber natürlich hat der obige Text aus Röm 11,19-22 auch zu unserem Thema hier
einen wichtigen Bezug. Wir stehen allein durch den Glauben - und nicht durch irgendeine elitäre und
willkürliche göttliche Vorauswahl. Wenn wir in der Güte Gottes bleiben, wird uns diese zuteil
werden. Wenn nicht, werden wir aus der Güte und aus dem Glauben fallen. Das sagen uns alle diese
obigen Schriftstellen und im Prinzip das ganze Neue Testament. Alle Aussagen, welche ewiges Leben
verheißen, beinhalten immer zumindest eine Bedingung, wie beispielsweise hier die Aussage des Herrn
in Jh 3,36:
Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben.
Jh 3,36 Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben; wer aber dem
Sohn nicht gehorcht, wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm. Jh
3,36;
Wer also dem Sohn nicht gehorcht, auf dem bleibt der Zorn Gottes und er ist
verloren. Dabei ist es völlig unerheblich, ob dieser Mensch aufgrund seines Ungehorsams gar nie zum
Glauben gekommen ist oder ob er gläubig wurde und dann vom Glauben abgefallen ist. Gerade diese
Situation, dass ein Gläubiger aus der Gemeinde der Gläubigen wegen Ungehorsams ausgeschlossen
werden muss, beschreibt uns ja der Herr in Mt 18.15-17:
Ein Bruder, der sündigt und nicht hören will, sei dir wie der Heide und der Zöllner!
Mt 18,15 Wenn aber dein Bruder sündigt, so geh hin, überführe ihn
zwischen dir und ihm allein! Wenn er auf dich hört, so hast du deinen Bruder gewonnen. 18,16
Wenn er aber nicht hört, so nimm noch einen oder zwei mit dir, damit aus zweier oder dreier Zeugen
Mund jede Sache bestätigt werde! 18,17 Wenn er aber nicht auf sie hören wird, so sage es der
Gemeinde; wenn er aber auch auf die Gemeinde nicht hören wird, so sei er dir wie der Heide und
der Zöllner! Mt 18,15-17;
Aber wie kommt es nun, dass der Herr auf der einen Seite den Gläubigen verheißt:
„sie gehen nicht verloren in Ewigkeit, und niemand wird sie aus meiner Hand rauben” (Jh 10,28)
und andererseits hier oben, in Mt 18,17 befiehlt, dass der ungehorsame Bruder aus der Gemeinde
ausgeschlossen und wie ein Heide und Zöllner behandelt werden soll? Genau hier haben wir die
Lösung des Problems und die Erklärung für das falsche Verständnis dieses Zusammenhangs.
Wie man an der falschen Lehre der Prädestination erkennen kann, sind wir in der Gemeinde immer sehr
großzügig, wenn es darum geht, uns selbst Ehre und Wichtigkeit beizumessen. Das gilt auch für
jene Denominationen, welche sich selbst als das „neue Israel” sehen und dem Volk Gottes aus
Israel jede Heilserwartung absprechen wollen. Alle Prophezeiungen, die Israel gegeben wurden, werden
demnach auf die Gemeinde umfunktioniert. Allerdings nur die positiven. Alle Gerichte und Strafen,
welche Israel auch noch in der Endzeit zu erwarten hat, klammert man fein säuberlich aus dieser
Lehre aus.
Und ebenso hat man die 144.000 Versiegelten (Off 7), von welchen die Schrift sagt, dass es 12.000
aus jedem der 12 Stämme Israels - also eindeutig Israeliten - sind, taxfrei auf die Gemeinde
umgelegt und behauptet, dies sei „die Vollzahl derer, die zum Glauben gekommen sind”. Auch die
Frau am Himmel (Off 12), mit der Krone von 12 Sternen, welche ebenfalls für das Volk Gottes aus
Israel mit seinen 12 Stämmen steht, wird als „die Gemeinde aller Zeiten” uminterpretiert.
(Siehe auch Diskurs 06: „Die 144.000 Versiegelten:
Israeliten oder die Gemeinde der Endzeit?”)
(Siehe auch Exkurs 10: „Die Frau am Himmel.”)
Und so geschieht das auch mit manch anderen, nicht die Gemeinde betreffenden
Aussagen der Schrift, wie die 24 Ältesten aus Off 4,10 ff, die Braut des Lammes aus Off 21 (siehe
dazu auch die Verheißung Gottes an Israel in Hosea 2,21-22) oder die Märtyrer aus der Ersten
Auferstehung (Off 20,4), von welchen die Schrift sagt, dass sie enthauptet - also getötet - worden
waren wegen ihres Glaubens. Nachdem es von diesen Märtyrern aber auch heißt, dass sie als Priester
und Könige im Tausendjährigen Reich mit Christus herrschen werden, hat das - christliche Demut hin
oder her - die Herrschsucht in manchen Denominationen geweckt und man setzt sich selbst als
zukünftige „Priester und Könige” ein, obwohl keiner von ihnen je in seinem Leben wegen seines
Glaubens auch nur im Geringsten behindert, geschweige denn getötet worden wäre. Und auch die
Bedrängnisse der Großen Trübsal glaubte man der Gemeinde nicht zumuten zu können und hat daher
die Entrückung - entgegen den eindeutigen Aussagen der Schrift - vor die Große Trübsal verlegt.
(Siehe auch Diskurs 72: „Wer sind die 24 Ältesten
in der Offenbarung des Johannes?”)
(Siehe auch Diskurs 15: „Wer ist die Braut des
Lammes?”)
(Siehe auch Diskurs 07: „Entrückung und Erste
Auferstehung: ein einziges Ereignis?”)
(Siehe auch Diskurs 65: „Weshalb
die Entrückung nach der Großen Trübsal anzusetzen ist.”)
Und so war man auch bei der Wiedergeburt des Christen nicht kleinlich. Eine
Unterscheidung zwischen wiedergezeugt und wiedergeboren, was spielt das schon für eine Rolle. Das
würde die Geschwister nur verwirren und vielleicht sogar von manchen von ihnen als unanständig
empfunden werden, weil hier vom „Zeugen” die Rede ist. Also nennen wir das die Wiedergeburt. Das
klingt doch auch gleich viel besser. Und bezüglich der Heilssicherheit muss auch etwas Handfestes
her. Am Besten gleich und sofort das ewige Leben. Und dazu eignet sich natürlich nichts besser, als
eine „Vorauswahl” durch Gott. Da gibt es dann klare Verhältnisse: die einen sind die Guten und
die anderen die Bösen. Und man kann auch noch selbst bestimmen, dass man zu den Guten gehört.
Was dabei übersehen wurde und wird, ist die Gerechtigkeit und die Allwissenheit Gottes. Gott
entlässt uns Menschen nicht aus der Verantwortung, indem er die Entscheidung für uns übernimmt.
Jeder Mensch muss in seinem Leben selbst die Entscheidung treffen, ob er das Angebot Gottes zur
Rettung durch das Loskaufopfer seines Sohnes annimmt oder ablehnt. Und egal, wie diese Entscheidung
nun ausgeht, kann sie - in aller Freiheit - auch wieder zurückgenommen werden! Niemand anderer ist
vor Gott berechtigt, diese Entscheidung des Menschen zu verändern. Sei es jetzt einen Gläubigen
aus dem Glauben zu reißen oder einen Ungläubigen zum Glauben zu zwingen. Nur dieser Mensch selbst
hat die Freiheit, seine eigene Entscheidung auch selbst wieder zu revidieren. Wenn allerdings ein
bekehrter Christ sich dann entscheidet seinem Gott wieder abzusagen, hat er keine Möglichkeit mehr
zur Umkehr. Wer vom Wort Gottes - und damit vom Heiligen Geist - geistlich befruchtet wurde und dann
das Samenkorn wieder ausgräbt und es den Vögeln zum Fraß vorwirft, hat sich selbst des ewigen
Lebens beraubt. Sein Name ist ab diesem Zeitpunkt aus dem Buch des Lebens gelöscht.
Dass nun Gott bereits seit Anbeginn der Schöpfung die letztendliche Entscheidung jedes einzelnen
Menschen der je gelebt hat und je leben wird, aufgrund seiner Allwissenheit kennt, ist eine
biblische Tatsache, für uns Menschen jedoch in keiner Weise relevant. Wir sehen was vor Augen ist,
aber schon was im nächsten Moment geschehen wird, bleibt uns verborgen. Daher können wir auch
nicht den endgültigen Glaubensweg anderer Menschen beurteilen. Wir können und müssen nur unseren
eigenen Weg vor Gott prüfen und bei Bedarf immer wieder korrigieren. Und wir müssen dranbleiben,
das heißt, in Glaubenstreue zu unserem Herrn stehen.
Niemand kann uns also aus der Hand des Herrn rauben, niemand kann uns trennen von Jesus Christus,
dem Sohn Gottes - außer wir selbst. Wir haben die Entscheidung für den Glauben an Jesus
Christus selbst getroffen und wir können diese Entscheidung auch selbst wieder rückgängig machen.
Gott lässt uns da in seiner Gerechtigkeit die völlige Freiheit. Und ebenso wie dieses Schaf im
Gleichnis, das sich verirrt hatte, weil es einen anderen Weg eingeschlagen und sich von der Herde
getrennt hatte, stehen auch wir Christen ständig in der Gefahr, aus bestimmten Gründen die Hand
des Herrn loszulassen. Und wie uns der Herr in Mt 18,15-17 zeigt, wird er dann natürlich auch uns
suchen. Durch das Gespräch mit den Geschwistern oder der ganzen Gemeinde. Doch wie wir auch den
Schrifttexten weiter oben entnehmen können, gibt es immer wieder Geschwister, welche gar nicht mehr
zurückkehren wollen. Weil sie eben - wie wir alle - noch nicht wiedergeboren, sondern nur
wiedergezeugt sind und keine Garantie für die Ewigkeit haben.
(Siehe auch den Diskurs 83: „Ist die Allwissenheit
Gottes ein Widerspruch zum freien Willen des Menschen?”)
Und genau das wird beim Zitieren von Jh 10,27-30 et par. von den Predigern oft
unterschlagen. Nicht aus Böswilligkeit, sondern weil sie sich oft nur auf das konzentrieren, was
die „Quoten hebt”, was also beim Publikum ankommt. Man lehrt das was ankommt und nicht das
worauf es ankommt. Und daraus resultieren dann solche Lehren wie dort die Prädestination und hier
die Wiedergeburt bei Lebzeiten und die Heilssicherheit auf immer und ewig. Genau so gut könnte man
einer Mutter unmittelbar nach der Empfängnis eine Garantie ausstellen, dass ihr Kind absolut gesund
und ohne Komplikationen geboren werden wird. Ein völliger Unsinn also.
Nach der Schrift gibt es daher weder eine Wiedergeburt bei Lebzeiten noch eine Heilssicherheit wie
sie den Geschwistern oft gepredigt werden. Wir sind unseres Heils erst sicher, wenn wir gestorben
sind, und sind erst wiedergeboren, wenn wir von den Toten auferstehen.
Wer aber ausharrt bis ans Ende, der wird errettet werden
Mt 10,22 Und ihr werdet von allen gehaßt werden um meines Namens
willen. Wer aber ausharrt bis ans Ende, der wird errettet werden. Mt 10,22;
Wer aber ausharrt bis ans Ende, der wird errettet werden.
Mt 24,12 Und weil die Gesetzlosigkeit überhandnimmt, wird die Liebe
der meisten erkalten; 24,13 wer aber ausharrt bis ans Ende, der wird errettet werden.
Mt 24,12-13;
Wenn wir die Freimütigkeit und den Ruhm der Hoffnung bis zum Ende standhaft festhalten.
Hbr 3,6 Christus aber als Sohn über sein Haus. Sein Haus sind wir, wenn
wir die Freimütigkeit und den Ruhm der Hoffnung bis zum Ende standhaft festhalten.
Hbr 3, 6;
Wer überwindet, wird keinen Schaden erleiden von dem zweiten Tod.
Off 2,11 Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Gemeinden sagt! Wer
überwindet, wird keinen Schaden erleiden von dem zweiten Tod. Off 2,11;
Und damit löst sich auch der Widerspruch zwischen vielen der sogenannten
"wiedergeborenen" Christen und ihrem Verhalten. Sie sind nicht wiedergeboren, sondern erst
wiedergezeugt und befinden sich bis zum Ende ihres Lebens in einem geistlichen Entwicklungsstadium.
Und daher können in ihrem Leben immer wieder Glaubensprobleme auftreten, bis hin zum Abfall vom
Glauben. Weil jedoch diese Lehre von einer Wiedergeburt zu Lebzeiten nicht hinterfragt wird und
dadurch das Faktum nicht erkannt wird, dass es sich erst um eine Wiederzeugung - mit allen dadurch
bedingten Gefahren und Unzulänglichkeiten - handelt, werden solche Geschwister dann sofort als
Heuchler, oberflächliche Namenschristen etc. klassifiziert und ausgegrenzt, anstatt mit ihnen ein
ernstes Gespräch zu führen und sie - in aller Liebe - zu ermahnen und zur Umkehr zu bewegen. Wenn
das nichts fruchtet, sollten zwei oder drei Geschwister diese Ermahnungen wiederholen und letztlich
die ganze Gemeinde darüber ihr Urteil sprechen. Erst wenn dies alles auch in den Wind geschlagen
wird, sollte dieser Mensch aus der Gemeinde ausgeschlossen werden.
Weil nun für wiedergezeugte Christen nicht jene Maßstäbe angesetzt werden können, welche für
tatsächlich wiedergeborene Menschen nach ihrer Auferstehung gelten werden, benötigen wir eine
biblisch fundierte Orientierungsbasis, um unser Verhalten und die Richtung unseres Glaubensweges
überprüfen und bei Bedarf korrigieren zu können. Und da sind die Ausführungen von MacArthur in
seinem Buch - auch wenn er sich damit an „wiedergeborene” Christen wendet - äußerst hilfreich
und zeugen von einer profunden Kenntnis der heutigen Situation in den Gemeinden, wie man dem
folgenden Auszug entnehmen kann.
(Texte in einem schwarzen Rahmen sind Zitate von Besuchern dieser Site oder anderen Autoren!)
Selbstprüfung ist heute so wichtig wie eh und je. Wenn uns die Statistiken
melden, es gäbe auf der Welt mehr als eine Milliarde Christen, dann muß man sich fragen, wer
die Kriterien dafür festgelegt hat. Auf jeden Fall passen diese Zahlen nicht zu dem, was Jesus
über den breiten und den schmalen Weg gesagt hat. Wenn man in einer statistischen Erhebung als
wiedergeborener Christ geführt wird, ist das noch keine Garantie für die ewige Bestimmung.
In der Gemeinde gibt es mehrere Kategorien verführter Menschen. Selbstverständlich sind da die
Heuchler, die nur fromm scheinen. Andere sind oberflächliche Namenschristen, die sich nur so
nennen, weil sie von Kindertagen an zur Sonntagsschule gegangen sind und eine »Entscheidung
für Christus« getroffen haben, sich aber darüber hinaus nicht für das interessieren, was den
Glauben eigentlich ausmacht. Wieder andere engagieren sich stark in kirchlichem Dienst; sie
kennen die Fakten des Evangeliums, aber sie gehorchen dem Wort Gottes nicht. Vielleicht besuchen
sie die Gottesdienste, weil sie sich gern wohlfühlen möchten, oder weil sie einen Segen
erfahren und Heilungen, Wunder und übernatürliche Gaben erleben wollen. Vielleicht haben sie
sich auch der Konfession, der Gemeinde, der Organisation ergeben, aber nicht dem Wort Gottes.
Manche beschäftigen sich auch mit der Theologie, aber nur aus akademischem Interesse. Was auch
immer die Gründe sein mögen, viele (Mt 7,22), die sich mit Christus und dem Christentum
identifiziert haben, werden beim Gericht abgewiesen.
Dabei müssen wir beachten, daß Predigen, Prophezeien, Teufelsaustreibungen und Wunderwirken
– selbst unter dem Mantel der Orthodoxie – kein Beweis wahrer Errettung ist. Gott kann durch
unbekehrte Menschen wirken, und Er tut das auch oft. Er benutzte den unwiedergeborenen Bileam
(4Mo 23,5) – ja, selbst dessen Eselin! Kaiphas, der unreine Hohepriester, weissagte den Tod
Christi für das ganze Volk (Joh 11,51.52). Durch die Kraft Satans können mächtige Taten
vollbracht oder vorgetäuscht werden. Die ägyptischen Zauberer konnten die von Mose
vollbrachten Wunder tatsächlich nachmachen. Die bösen Söhne des Skeva aus Apostelgeschichte
19 trieben Dämonen aus. Matthäus 24,24 weissagt uns von falschen Christussen und falschen
Propheten, die mit Zeichen und Wundern kommen werden. Satan kann einige erstaunliche Dinge tun,
und er wird alles daran wenden, jemanden glauben zu lassen, er sei errettet.
Wunder, Prophezeiungen und mächtige Taten sind nicht dasselbe wie ein heiliges Leben; und ohne
Heiligung wird niemand den Herrn schauen (Hebr 12,14). Gott will, daß wir ein Widerschein
Seines Wesens werden: »Wie der, welcher euch berufen hat, heilig ist, seid auch ihr heilig in
allem Wandel; denn es steht geschrieben: Seid heilig, denn ich bin heilig« (1Petr 1,15.16).
»Ihr nun sollt vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist« (Mt 5,48). Weil
Gott heilig ist, werden auch die, in denen Er wirksam ist, immer heiliger werden. Weil Gott
vollkommen ist, werden die, in denen Er wohnt, sich immer mehr auf seine Vollkommenheit zu
bewegen. Wenn man zum Stillstand gekommen oder abgeglitten ist, so ist es richtig, sich selbst
zu prüfen.
(Dieser Auszug wurde dem Buch „Lampen ohne Öl” [”The Gospel According to Jesus”] von
John F. MacArthur entnommen, erschienen im Verlag CLV - Christliche Literatur-Verbreitung e.V.,
Bielefeld)
Die obige Beschreibung von verführten Christen in den Gemeinden ist absolut richtig
und entspricht jener Situation, wie sie bibeltreue Geschwister immer wieder beklagen. Einer der
Gründe dafür ist das mangelnde Interesse am Wort Gottes. Die ältere Generation ist oft geistlich
zu träge und an den tatsächlichen Aussagen der Schrift nicht wirklich interessiert. Und daher sind
sie auch nicht bereit, die Zusammenhänge zu prüfen und ihre neuen Erkenntnisse in ihrem
Glaubensleben umzusetzen. Sie haben es sich in den gängigen Auffassungen bequem und scheinbar
sicher eingerichtet und wollen darin nicht mehr gestört werden.
Die Jungen wieder wollen - wie üblich - die eingefahrenen Geleise der Alten verlassen, allerdings
geht ihre Reise oft in die falsche Richtung. Sie wollen nicht Bibelstudium, Gebet und daraus
gewonnene neue Erkenntnisse, sondern sie wollen ohne viel Gedankenarbeit feiern, singen und sich
unterhalten. Und so haben auch derartige Events der leichten Kost, wie „Feiert Jesus”, „Christival”
und „Jesus Märsche” großen Zulauf. Dieser Hang zum falschen Aktionismus wird dann in manchen
Gemeinden auch dazu benutzt, um Stadtbezirke, ja ganze Städte von bösen Geistern „freizukämpfen”.
Sie haben noch immer nicht erkannt, dass der wahre Feind nicht außen und um uns herum, sondern
innen in uns, in unserer Seele und in unserem Geist am Werk ist und sich freut und freien Raum zum
Agieren hat, wenn wir uns mit Äußerlichkeiten beschäftigen.
Aber das muss wohl so sein, denn wieso sollte denn das wahre Christentum - der Leib Christi und der
Tempel Gottes - plötzlich zur Massenbewegung und zum Mainstream werden, wo uns doch unser Herr
sagt:
Denn eng ist die Pforte und schmal der Weg, der zum Leben führt, und wenige sind, die ihn finden.
Mt 7,13 Geht hinein durch die enge Pforte! Denn weit ist die Pforte und
breit der Weg, der zum Verderben führt, und viele sind, die auf ihm hineingehen. 7,14 Denn eng
ist die Pforte und schmal der Weg, der zum Leben führt, und wenige sind, die ihn finden. Mt
7,13-14;
Ringt danach, durch die enge Pforte hineinzugehen.
Lk 13,24 Ringt danach, durch die enge Pforte hineinzugehen; denn
viele, sage ich euch, werden hineinzugehen suchen und werden es nicht können. Lk 13,24;
Auch der Hinweis von MacArthur auf die Tatsache, dass Predigen, Prophezeien und
Wunderwirken kein Beweis wahrer Errettung ist, kann - nicht zuletzt auch aufgrund der angeführten
Beispiele - durchaus bestätigt werden. Alles das gibt es in den Gemeinden. Was es dort jedoch nicht
gibt, sind wiedergeborene Christen. Wie uns der Herr in Mt 19,28 sagt, findet die Wiedergeburt erst
bei der Auferstehung der Menschen von den Toten und nicht schon zu ihren Lebzeiten statt.
Und das verändert nun das gesamte Bild. Bei der geistlichen Wiedergeburt setzt man ab deren
Eintritt - zurecht - eine komplette Veränderung der Persönlichkeit körperlicher und geistlicher
Art voraus. Der aus dem Geist Geborene ist wie der Wind, er kommt und geht wie er will, ohne dass
wir wüssten, woher er kommt und wohin er geht (Jh 3,8). Nach der Schrift haben wir aber ein
derartiges Verhalten nur von unserem Herrn Jesus Christus nach seiner Auferstehung überliefert.
Unter den lebenden Geschwistern hat es daher noch nie einen Wiedergeborenen gegeben und daher kann
es unter ihnen auch keinen Christen mit fehlerfreiem Verhalten geben.
Ganz im Gegenteil: jeder Christ - aber auch absolut jeder - hat irgendeine „Schlagseite”. Sei
das jetzt das Geld, mit Geiz und Gier, die Unehrlichkeit, mit Lügen, Betrügereien, übler
Nachrede, der Alkohol oder andere Suchtmittel, wie Drogen oder Rauchen, dann Sex, mit u.a.
Homosexualität oder gar Pädophilie, Hochmut, ausgeprägter Egoismus, ungezügelter Ehrgeiz, Hang
zu Spiritismus und Abgötterei, usw. usf. Doch das alles können wir im Gebet dem Herrn darlegen,
ihn um Vergebung und Hilfe bei der Umkehr und die zukünftige Bewahrung vor diesen Versuchungen
bitten. Der Herr wird uns vielleicht in manchen Fällen nicht gänzlich von diesen unseren Neigungen
befreien, damit wir in Erinnerung behalten, dass es nicht wir selbst waren, die sie besiegt haben.
Aber er wird uns die Kraft geben, ihnen zu widerstehen und sie in die Schranken zu verweisen.
Wir sind wiedergezeugt aus unvergänglichem Samen, durch das lebendige Wort Gottes (1Ptr 1,23).
Daher ist eines der allerersten Kennzeichen eines wiedergezeugten Christen, dass er diesen
unvergänglichen Samen, das Wort Gottes, täglich in sich aufnimmt, es studiert und kennt. Wer nur
am Sonntag die Bibel zur Hand nimmt - wie viele Katholiken - , betreibt da geistlichen Hungerstreik,
der letztendlich genauso mit dem geistlichen Tod endet, wie bewusste und unvergebene Sünde. Und
hier genügt es auch nicht, sich auf Äußerlichkeiten zu konzentrieren und einige salbungsvolle
Bibelverse auswendig zu lernen. Es ist der Inhalt der biblischen Aussagen, welchen wir studieren und
verstehen müssen. Und zwar nicht einzelne Verse, sondern den gesamten Kontext inklusive der
Parallelstellen. Erst ein derartiger Überblick ermöglicht es uns, die Aussagen in ihrem
Zusammenhang zu verstehen und sukzessive zu einer fundierten Bibelkenntnis zu gelangen. Wenn man
also schon ein Erkennungsmerkmal für wahre Christen will, dann sind vor allem Bibelkenntnis und
Bibelverständnis die Kennzeichen von wiedergezeugten Christen. Wie schon ein bekanntes Wort sagt:
„Entweder dieses Buch hält uns vom Teufel fern oder der Teufel hält uns von diesem Buch fern”.
Doch ebenso, wie man bei der biologischen Zeugung noch keine Garantie für eine gesunde Entwicklung
des Kindes abgeben kann, gibt es auch durch die geistliche Wiederzeugung noch keine Sicherheit für
die ewige Errettung. In allen Schriftstellen, in welchen uns das ewige Leben verheißen wird, finden
wir - explizit oder implizit - zumindest eine Vorbedingung: Glaube an den Herrn Jesus. Das bedeutet
einerseits den Glauben an die Göttlichkeit des Herrn. Aber dann auch, dass er vom Vater gesandt
wurde und dass er und der Vater eins sind. Weiter meint dies den Glauben an das stellvertretende
Opfer des Herrn für unsere Sünden, an seine Auferstehung und seine Wiederkunft. All das und noch
viel mehr meint diese Bedingung: Glaube an den Herrn Jesus.
Es ist also nicht mit einem einfachen „Sag ja zu Jesus” abgetan. Wir müssen das alles in
unserem Leben umsetzen, um den Beweis zu erbringen, dass unser Glaube echt ist. Das wird uns nicht
immer und auf Anhieb gelingen, doch wir müssen täglich daran arbeiten. Und ebenso, wie eine
halbwegs vernünftige werdende Mutter aufhört zu Rauchen und Alkohol zu Trinken und sich so
ernährt, dass ihr ungeborenes Kind die bestmöglichen Voraussetzungen für seine Entwicklung
vorfindet, sollten auch wir, als wiedergezeugte Christen, all das meiden, was uns auf falsche Wege
bringen und die Entwicklung unseres Glaubenslebens negativ beeinflussen könnte.
Und wenn uns der Herr in Jh 10,28 sagt:
Ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie gehen nicht verloren in Ewigkeit, niemand wird sie aus meiner Hand rauben.
Jh 10,27 Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und
sie folgen mir; 10,28 und ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie gehen nicht verloren in
Ewigkeit, und niemand wird sie aus meiner Hand rauben. 10,29 Mein Vater, der sie mir gegeben
hat, ist größer als alle, und niemand kann sie aus der Hand meines Vaters rauben. 10,30 Ich und
der Vater sind eins. Jh 10,27-30;
so dürfen wir das - siehe oben - nicht gleich als Garantie für das ewige Leben
verstehen. Bevor wir uns diese Verheißung aneignen, bedarf es gerade hier einer ernsthaften
Selbstprüfung:
o Gehören wir tatsächlich zu den Schafen des Herrn?
Haben wir Jesus Christus als unseren Herrn und Gott angenommen?
Unterstellen wir ihm unser Wollen und Tun?
Sprechen wir mit ihm im Gebet mit Bitten und Danken?
o Hören wir wirklich (auf) seine Stimme?
Studieren wir sein Wort - die Bibel - täglich?
Lassen wir den Heiligen Geist in uns wirken und hören wir auf ihn?
Geben wir unsere Erkenntnis weiter und verkündigen wir das Evangelium?
o Folgen wir dem Herrn nach?
Trachten wir auf dem rechten Weg zu bleiben?
Prüfen wir laufend unser Verhalten und korrigieren es, wenn wir Fehler erkennen?
Bitten wir den Herrn um Vergebung für unsere Irrwege?
Und auch wenn wir alle diese Voraussetzungen erfüllen sollten, muss uns bewusst sein, dass diese Verheißung nur dann gilt, wenn wir dies auch alles bis zum Ende unseres Lebens durchgehalten haben und im Glauben fest geblieben sind. Es ist eben wie bei einem Kind: erst wenn Schwangerschaft und Geburt komplikationslos verlaufen sind, kann sich die Mutter über ihr gesundes neugeborenes Kind freuen.
Zusammenfassung: Wenn ein Mensch geboren wurde, kann er in seinem Leben alle denkbaren Probleme haben - bis hin zu seinem frühzeitigen Tod. Doch egal, ob er gleich nach der Geburt oder erst mit 90 Jahren und mehr stirbt, eines kann ihm niemand mehr nehmen: er war ein Mensch. Und ähnlich scheinen die Überlegungen in manchen Teilen der christlichen Gemeinde zu sein. Sie denken, wenn sie sich einmal bekehrt haben und somit „wiedergeboren” sind, können alle erdenklichen Sünden nicht ihre Gotteskindschaft auflösen, welche sie durch ihre „Wiedergeburt” erworben haben. Darauf begründet sich dann auch eine „Heilssicherheit”, die behauptet, dass ein Wiedergeborener nicht verloren gehen kann. Wie die Analyse in diesem Diskurs gezeigt hat, wäre diese vergleichende Schlussfolgerung dann richtig, wenn es sich hier um die echte Wiedergeburt bei der Auferstehung der Toten handeln würde. Dort werden die Menschen einen unsterblichen Auferstehungsleib erhalten, der tatsächlich nicht mehr sündigen und nicht mehr sterben wird. Dadurch, dass aber hier eine „Wiedergeburt” des Christen bei seiner Bekehrung zu seinen Lebzeiten gemeint ist, ist die Grundlage auf welcher dieser Schluss gezogen wurde falsch. Wir Christen sind noch nicht wiedergeboren sondern erst wiedergezeugt. Und ebenso wie man einen Fötus, der im Mutterleib heranwächst, noch nicht als neugeborenes Kind bezeichnen - und behandeln! - kann, kann man auch von einem geistlich wiedergezeugten Christen noch nicht behaupten, dass er wiedergeboren sei. Nachdem dies dennoch in weiten Kreisen der Gemeinde geschieht und um den in sie gesetzten Ansprüchen nach außen gerecht zu werden, verstellen sich nun manche Geschwister in den Versammlungen und setzen eine scheinheilige Maske auf. Und wenn dann in dem einen oder anderen Fall die Wahrheit durch irgendwelche Umstände doch bekannt wird, grenzt man diese Menschen sofort aus und behauptet sie seien nicht wiedergeboren, ohne sich bewusst zu sein, dass keiner von uns wiedergeboren ist und wir alle den Versuchungen ausgesetzt sind. Manche können den Versuchungen besser widerstehen als andere, bei vielen aber bleiben ihre Vergehen schlicht und einfach im Verborgenen und werden nicht bekannt. Deshalb sollten wir erkennen, dass dieser Zwang zur Scheinheiligkeit daraus resultiert, dass wir uns in der Gemeinde wieder einmal Eigenschaften angemaßt haben, welche die Schrift nicht verlangt und welche wir auch nicht erfüllen können. Was wir daher benötigen, sind keine Richter, die selbst einen Balken im Auge haben, sondern Geschwister, die fest im Glauben stehen und in ihrem Leben selbst auch diese Erfahrungen gemacht und sie überwunden haben. Diese sollten in Liebe und unter vier, besser sechs Augen mit den Betroffenen ein Gespräch führen und ihnen Hinweise und Hilfen an die Hand geben, um hier den Sieg davontragen zu können. Man hüte sich aber davor, sich damit zu brüsten und dann in der Gemeinde für diesen „armen Bruder” gemeinsam zu beten. Gebet ist gut, aber - zumindest zu diesem Zeitpunkt - nur in der stillen Kammer und unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Erst wenn mehrere solcher Maßnahmen nicht zur Kenntnis genommen werden, sollte dieser Sünder, anstatt ihn jahrelang hinterrücks als „nicht wiedergeboren” zu beschimpfen, in aller Öffentlichkeit aus der Gemeinde ausgeschlossen werden. Bei der Wiedergeburt sitzt der Menschensohn auf dem Thron seiner Herrlichkeit. Mt 19,28 Jesus aber sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage
euch: Ihr, die ihr mir nachgefolgt seid, werdet bei der Wiedergeburt, wenn der
Menschensohn sitzen wird auf dem Thron seiner Herrlichkeit, auch sitzen auf zwölf
Thronen und richten die zwölf Stämme Israels. Mt 19,28; Das ist die echte, die einzige und die alleinige geistliche
Wiedergeburt: die Auferstehung von den Toten. |
(Texte in einem schwarzen Rahmen sind Zitate von Besuchern dieser Site oder anderen Autoren!)
Dann habe ich mit Interesse Ihren letzten Diskurs gelesen. Ich staune immer
wieder über Ihre umfassenden Ausführungen. Sie sind für mich immer wieder Anlass, die
verschiedenen Fragen neu zu überdenken, Ansichten zu korrigieren oder auch gefestigt zu werden.
Bei diesem Diskurs komme ich auch zu der Ansicht, dass man treffender von einer Wiederzeugung
als von einer Wiedergeburt sprechen sollte. Aber damit tauchen für mich als Mutter ganz
praktische Fragen auf. Keines unserer Kinder (und kein Mensch der Welt) hat etwas zu seiner
Zeugung beigetragen bzw. konnte sich entscheiden ob es leben wollte oder nicht. Keiner von uns
konnte in seinem pränatalen Zustand für sich selber sorgen. Jeder war von der Fürsorge seiner
Mutter, bzw. von außen abhängig. Nun kommt wieder meine weibliche Logik, die Sie sicher
belächeln werden, aber ich glaube, dass wir ganz und gar von dem Erbarmen unseres Gottes
abhängen. In der letzten Zeit ist es mir, als wenn ich nur auf Stellen in der Bibel stoße in
denen Gott im Letzten der Handelnde ist. Wir (oder ich) überschätzen unsere Fähigkeiten und
Möglichkeiten Gott gegenüber oft. Wenn er sich nicht erbarmen würde, hätte ich keine Chance.
Aus dieser Erkenntnis erwächst für mich eine ganz große Dankbarkeit. Aber ich bin fest
überzeugt, dass es allein der Herr ist, der mich gewiss am Ziel ankommen lässt.
Brunhilde Bollmeyer brunhilde.bollmeyer@gmx.de
Die letzte Aussage hier oben: „Aber ich bin fest überzeugt, dass es allein der
Herr ist, der mich gewiss am Ziel ankommen lässt” zeugt von einem bewundernswerten Gottvertrauen.
Auch dem Hinweis: „Wenn er sich nicht erbarmen würde, hätte ich keine Chance” wird wohl jeder
rechtgläubige Christ voll und ganz zustimmen. Leider werden aber bei solchen Aussagen und
Bekenntnissen oft die Hintergründe überdeckt. Die Fragen beginnen erst, wenn wir die Grundlagen
einer solchen Überzeugung analysieren.
Unter dem Gesichtspunkt einer „Prädestination” - also einer willkürlichen Auswahl der Menschen
durch Gott zum ewigen Leben oder zur ewigen Verdammnis -, welche diesem Kommentar zugrunde liegt,
ist nämlich der Grund, warum Gott manche Menschen „gewiss am Ziel ankommen lässt”, der
elitäre Stand dieser Geschwister als „Auserwählte” Gottes. Sie meinen, von Gott völlig
willkürlich und ohne ihr eigenes Zutun vor Anbeginn der Schöpfung aus allen Menschen zum ewigen
Leben auserwählt worden zu sein, während der Rest der Menschheit - und der Christenheit!! -
ebenfalls völlig grundlos zur ewigen Verdammnis verurteilt worden wäre. Das sehen sie dann auch
als das Erbarmen Gottes mit ihnen.
(Siehe auch Diskurs 69: „Die Prädestination und
die Auserwählten.”.)
Und so gehört es auch zur Überzeugung der Vertreter dieser Prädestination, dass
sie selbst nichts zu ihrer Errettung beitragen müssten, weil sie aufgrund der Erwählung durch Gott
bereits alle Voraussetzungen für das ewige Leben erhalten hätten. Aber auch wenn die Logik dieser
Schlussfolgerung in sich durchaus richtig ist, ist die Grundlage, auf der sie aufbaut, keinesfalls
stichhältig.
So wird ja von dieser Lehre weiter gefolgert, dass sich der Mensch in seinem Leben nicht für
Christus entscheiden muss, ja dass er sich überhaupt nicht entscheiden kann, weil Gott bereits vor
ihm entschieden hat. Es gibt nach dieser Auffassung einerseits jene Menschen, welche Gott
auserwählt hat und die zum ewigen Leben vorherbestimmt sind, und dann noch den Rest der Menschheit,
welcher von Gott nicht auserwählt wurde und daher zur ewigen Verdammnis bestimmt ist. Und beide
Gruppen haben keine Möglichkeit mehr, in ihrem Leben irgendetwas an dieser Situation zu verändern.
„Weizen bleibt Weizen und Unkraut bleibt Unkraut”, wie ein Vertreter dieser Glaubensrichtung
unlängst in diesem Diskussionsforum mit Bezug auf Mt 13,29 geschrieben hat.
Und diese Ansicht, dass sich nicht der Mensch in seinem Leben für oder gegen Gott entscheiden muss,
sondern Gott sich vor Anbeginn der Schöpfung ohne jeden Grund und ohne irgend ein Zutun dieser
Menschen, für bestimmte Menschen entschieden hat, führt dann natürlich zur der - so gesehen
richtigen - Überzeugung: „aber ich glaube, dass wir ganz und gar von dem Erbarmen unseres Gottes
abhängen”.
Diese Aussage weist zwar auf das völlig richtige Faktum hin, dass wir ganz und gar von dem Erbarmen
unseres Gottes abhängen, aber sie sagt nicht, warum und wie sich Gott unser erbarmt. Unter dem
Gesichtspunkt einer Prädestination meint dies nämlich, dass sich Gott seiner „Auserwählten”
vor Anbeginn der Schöpfung in einem Willkürakt erbarmt und sie - ähnlich wie Marionetten - zum
ewigen Leben vorherbestimmt hat. Tatsächlich ist uns aber das Erbarmen Gottes im Kreuzestod seines
Sohnes für unsere Sünden vor fast zweitausend Jahren ein für allemal entgegengebracht worden. Und
wir dürfen uns in unseren Gebeten darauf berufen und täglich das Erbarmen und die Vergebung Gottes
für unsere Sünden erbitten. Nach der Schrift gilt dieses Erbarmen Gottes für alle Menschen,
welche bereit sind, sich für Christus zu entscheiden und dieses Loskaufopfer für ihre Sünden
anzunehmen.
Die Sicht der Vertreter einer Prädestination, welche nur bestimmte auserwählte Menschen als
gerettet betrachtet und meint, die „Auserwählten” müssten nichts weiter zu ihrer Rettung
beitragen, weil immer nur Gott der Handelnde ist, steht im krassen Widerspruch zu den Aussagen der
Bibel. Die Schrift schließt keinen einzigen Menschen von der Möglichkeit zur Errettung aus,
sondern lässt jedem Menschen die freie Entscheidung, ob er dieses Angebot Gottes annimmt oder
ablehnt.
Gott will, daß alle Menschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.
1Tim 2,3 Dies ist gut und angenehm vor unserem Heiland-Gott, 2,4
welcher will, daß alle Menschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.
2,5 Denn einer ist Gott, und einer ist Mittler zwischen Gott und Menschen, der Mensch Christus
Jesus, 2,6 der sich selbst als Lösegeld für alle gab, als das Zeugnis zur rechten Zeit. 1Tim 2, 3-
6;
So kommt es auch durch eine Gerechtigkeit für alle Menschen zur Rechtfertigung des Lebens
Röm 5,18 Wie es nun durch eine Übertretung für alle Menschen zur
Verdammnis kam, so auch durch eine Gerechtigkeit für alle Menschen zur Rechtfertigung des
Lebens. Röm 5,18;
Und so konzentriert sich dann auch der erste Teil der obigen Replik von Brunhilde
Bollmeyer auf die Feststellung: „Keines unserer Kinder (und kein Mensch der Welt) hat etwas zu
seiner Zeugung beigetragen bzw. konnte sich entscheiden ob es leben wollte oder nicht” und weist
damit implizit auf das Postulat der Prädestination hin, dass auch der Mensch sich nicht für oder
gegen Gott entscheiden kann, sondern einzig die Auswahl durch Gott das Heil bringt. Diese
Argumentation bezüglich des Vergleichs der geistlichen Zeugung mit der biologischen/physischen
Zeugung, in diesem Diskurs weiter oben, ist ja an sich durchaus zutreffend und logisch fundiert:
Wenn es hier tatsächlich eine gewisse Parallelität gibt, dann muss sie nicht nur bis ans Ende,
sondern natürlich auch bis an den Anfang stimmig sein.
Und hier muss ich zu meinem Leidwesen feststellen, dass ich diesen Aspekt scheinbar zuwenig
ausführlich behandelt habe, da meine diesbezügliche Interpretation offensichtlich nicht mehr in
Erinnerung geblieben ist. Die Bedenken, dass ich diese weibliche Logik belächeln würde, sind aber
gerade bei diesem Thema völlig unbegründet. Ganz im Gegenteil: vor kurzem hat mir eine Besucherin
von Immanuel.at in Bezug auf den gegenständlichen Diskurs geschrieben, dass „derartige
Fehlinterpretationen in der Schrift („Geburt” aus Wasser=Taufe anstatt
physische Geburt / Anm. FH) nur daher kommen, weil in all den Jahrhunderten nur Männer die
Bibel ausgelegt haben und ein Mann noch nie ein Kind zur Welt gebracht hat” (siehe auch weiter
oben). Um aber nun dieses Versäumnis nachzuholen, möchte ich hier meine Aussagen wiederholen und
etwas eingehender erläutern.
Ich bin davon ausgegangen, dass wir durch unsere Bekehrung wiedergezeugt (und nicht
wiedergeboren) sind und unser Glaubensleben bis zu unserem Tod als geistliche „Schwangerschaft”
zu sehen ist und habe festgestellt:
„(...) wir sind tatsächlich erst wiedergezeugt und haben noch die
ganze geistliche ‘Schwangerschaft’ - unser weiteres Glaubensleben bis zu unserem Tod und der
Auferstehung, welche dann die tatsächliche Wiedergeburt ist - mit all den möglichen Problemen und
Schwierigkeiten noch vor uns.”
Bei seiner Bekehrung - der geistlichen Befruchtung durch das Wort Gottes - ist daher
der Mensch vergleichbar mit einer Mutter bei der physischen Zeugung. Ebenso, wie die Mutter nach der
physischen Befruchtung ihr Kind in ihrem Körper trägt, trägt der durch das Wort Gottes geistlich
befruchtete Mensch den geistlichen „Samen” in seinem Geist.
Bei dem aber auf die gute Erde gesät ist, dieser ist es, der das Wort hört und versteht, der wirklich Frucht bringt.
Mt 13,18 Hört ihr nun das Gleichnis vom Sämann. Der Same ist das
Wort Gottes 13,19 Sooft jemand das Wort vom Reich hört und nicht versteht, kommt der Böse und
reißt weg, was in sein Herz gesät war; dieser ist es, bei dem an den Weg gesät ist. 13,20 Bei dem
aber auf das Steinige gesät ist, dieser ist es, der das Wort hört und es sogleich mit Freuden
aufnimmt; 13,21 er hat aber keine Wurzel in sich, sondern ist nur ein Mensch des Augenblicks; und
wenn Bedrängnis entsteht oder Verfolgung um des Wortes willen, nimmt er sogleich Anstoß. 13,22 Bei
dem aber unter die Dornen gesät ist, dieser ist es, der das Wort hört, und die Sorge der Zeit und
der Betrug des Reichtums ersticken das Wort, und er bringt keine Frucht. 13,23 Bei dem aber auf
die gute Erde gesät ist, dieser ist es, der das Wort hört und versteht, der wirklich Frucht bringt;
und der eine trägt hundert- , der andere sechzig-, der andere dreißigfach. Mt 13,18-23;
Dieser geistliche Same ist der Keim jenes geistlichen Leibes, mit welchem dieser
Mensch bei seiner Auferstehung - also der echten Wiedergeburt - geistlich geboren werden wird. Wie
bereits oben erwähnt, befinden wir uns daher während unseres ganzen Glaubenslebens in einer „geistlichen
Schwangerschaft” und sind verantwortlich für die Bewahrung der geistlichen Frucht in uns. Diese
geistliche Frucht in unserem Geist ist das, was bei der Bekehrung wiedergezeugt wurde. Verbunden
damit und ein Kennzeichen dafür ist das Fruchtbringen, die Verbreitung des Samens, also des
Evangeliums, und die Bekehrung anderer Menschen zum Glauben an Jesus Christus: Dreißig-, sechzig-
oder hundertfach.
Es wird gesät ein natürlicher Leib, es wird auferstehen ein geistlicher Leib.
1Kor 15,42 So ist auch die Auferstehung der Toten. Es wird gesät in
Vergänglichkeit, es wird auferstehen in Unvergänglichkeit. 15,43 Es wird gesät in Unehre, es wird
auferweckt in Herrlichkeit; es wird gesät in Schwachheit, es wird auferstehen in Kraft; 15,44 es
wird gesät ein natürlicher Leib, es wird auferstehen ein geistlicher Leib. Wenn es einen
natürlichen Leib gibt, so gibt es auch einen geistlichen. 1Kor 15,42-44;
Die Entscheidung zur Befruchtung haben aber wir - als körperlich existierende
Menschen - getroffen, wie auch eine potentielle Mutter die Entscheidung trifft, sich befruchten zu
lassen. Menschen, die ohne ihre eigene Einwilligung geistlich befruchtet würden - wie das in der
Prädestination postuliert wird - wären Müttern zu vergleichen, welche ohne ihren Willen
geschwängert - also vergewaltigt wurden. Obwohl das nun unter den Menschen leider immer wieder zu
beklagen ist, können wir davon ausgehen, dass Gott dem Menschen keinerlei Gewalt antut, sondern ihm
die völlige Freiheit lässt selbst zu entscheiden, ob er sich zu diesem Gott bekennen will oder
nicht.