Die Große Trübsal – Bedrängnis für die Gläubigen
oder für die Welt?
Die Bedrängnis der Jesusgläubigen.
Das erste Tier, der Antichrist.
Der Antichrist tötet die zwei Zeugen in Jerusalem.
Die Eroberung und Zerstreuung Jerusalems.
Die Herrschaft des Antichrists.
Die „Große Trübsal” ist jene Periode, mit welcher die Endzeit ihren Anfang nimmt. Die
erste Hälfte dieser Zeitperiode (Anfang der Wehen) ist geprägt von den weltweiten Katastrophen und den zwei
Zeugen Gottes in Jerusalem, welche bei der Eroberung und Zerstreuung Jerusalems durch den Antichrist von
diesem getötet werden. Die anschließenden dreieinhalb Jahre sind die Zeit der Herrschaft des Antichrists und
der Verfolgung der Jesusgläubigen.
Das letzte Ereignis dieser Periode ist die große Finsternis, welche mit der Verfinsterung der Gestirne
bereits die nächste Periode, den „Tag des Herrn” ankündigt.
| Nachträglicher Hinweis:
Diese alte Interpretation aus dem Jahre 1995 basiert noch auf der bis heute von fast allen Exegeten vertretenen konventionellen Auslegung, dass die siebzigste Jahrwoche ein zeitlich zusammenhängendes Ereignis ist und es nur einen einzigen Antichristen gibt. Diese Annahmen basieren im Grunde einerseits auf der Prophezeiung in Dan 9,27, wonach in der Hälfte der siebzigsten Jahrwoche der Verwüster kommt und andererseits auf der Aussage des Paulus in 1Kor 15,52, wonach die Wiederkunft des Herrn und die Entrückung bei der letzten Posaune erfolgen wird, was dann auf die letzte, die siebte Posaune der Posaunengerichte bezogen wird (Off 10,7). Neuere Studien haben jedoch zur Erkenntnis geführt, dass es zwischen Mt 24 und Off 6 und 7 eine Parallelität der Ereignisse gibt, welche Wiederkunft und Entrückung zwangsläufig nach Off 6,12-17 (6. Siegel) verlagern und daher die siebzigste Jahrwoche dort unterbrechen. (Siehe auch Diskurs 05: „Die Parallelität der Ereignisse von
Mt 24 und Off 6 und 7”)
In diesem Zusammenhang wurde u.a. auch aufgrund von 2The 2,1-4 und Off 13,1-11 erkannt, dass
es nicht nur ein Antichrist sein kann, der die Endzeit beherrschen wird, sondern zwei Antichristen: ein
menschlicher Gewaltherrscher (Reiter auf dem weißen Pferd, Off 6,1-2) in der Großen Trübsal (Off 6,1-8; Mt
24,1-25) und ein dämonisches Geistwesen (Tier aus dem Meer, Off 13) am Tag des Zornes Gottes.
(Siehe auch Diskurs 86: „Der erste und der zweite Antichrist”)
Nachdem sich durch diese geänderte Sichtweise jedoch im Prinzip nur Verschiebungen in der
zeitlichen Abfolge der Ereignisse ergeben und die Inhalte bis auf wenige Ausnahmen im Wesentlichen gleich
bleiben, haben die Dokumente der alten Interpretation - unter Berücksichtigung dieser Hinweise hier -
durchaus ihre Berechtigung und werden so beibehalten. Eine Zusammenfassung der Änderungen findet sich im
Diskurs 48.
(Siehe Diskurs 48: „Eine alternative Sicht im Ablauf der
Endzeitereignisse”)
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Die Große Trübsal ist in den Kreisen vieler Gläubiger wohlbekannt als Mittelpunkt zweier
divergierender Auffassungen über die Entrückung. Einerseits die Richtung des Prätribulationismus’ (Tribulation
= Trübsal), also der Lehre von der Entrückung vor der Großen Trübsal, und andererseits des
Posttribulationismus’, der Lehre von der Entrückung nach der Großen Trübsal.
Dabei ist es immer wieder interessant festzustellen, dass hier die Argumentation auf beiden Seiten sehr
engagiert und mit viel Schriftkenntnis geführt wird, dabei aber - wie es scheint - ein wesentlicher und
zentraler Aspekt in der Diskussion meistens ausgeklammert oder möglicherweise als bekannt vorausgesetzt wird.
Und zwar ist dies die Große Trübsal selbst und die Ereignisse, welche diesen Abschnitt der Endzeit
beherrschen und ihm seinen Namen geben.
Die gängige Ansicht zu dieser Frage ist die Auslegung, welche meint, die Große Trübsal sei die Verfolgung
der Gläubigen (Mt 24,21-24) unter der Herrschaft des Antichrists, gefolgt von der Wiederkunft des Herrn und
der „Sammlung der Auserwählten” (Mt 24,30-31).
Anderen Ausleger wieder gehen davon aus, dass die Große Trübsal identisch ist mit dem „Tag des Herrn”
(John F. Walvoord, „Brennpunkte biblischer Prophetie”, S 246) und somit eine Zeit von weltweiten
Katastrophen mit Verfinsterung der Gestirne etc. nach Joel 3,1-5, und setzen daher die Entrückung vor dieser,
ihrer Interpretation der Großen Trübsal an.
Um uns daher - soweit wie möglich - Klarheit zu verschaffen, wollen wir hier diese Frage etwas eingehender
untersuchen.
Wir gehen von jenem Schrifttext aus, welcher üblicherweise im Zusammenhang mit der „Großen
Trübsal” zitiert wird, nämlich Mt 24,15-28:
Es wird große Bedrängnis sein, wie sie von Anfang der Welt bis jetzt nicht gewesen ist
Mt 24,15 Wenn ihr nun den Gräuel der Verwüstung, von dem durch Daniel, den
Propheten, geredet ist, an heiliger Stätte stehen seht - wer es liest, der merke auf! -, 24,16 dann sollen
die in Judäa auf die Berge fliehen; 24,17 wer auf dem Dach ist, soll nicht hinabsteigen, um die Sachen aus
seinem Haus zu holen; 24,18 und wer auf dem Feld ist, soll nicht zurückkehren, um seinen Mantel zu holen.
24,19 Wehe aber den Schwangeren und den Stillenden in jenen Tagen! 24,20 Betet aber, dass eure Flucht nicht im
Winter geschehe noch am Sabbat! 24,21 Denn dann wird große Bedrängnis sein, wie sie von Anfang der Welt
bis jetzt nicht gewesen ist und auch nie sein wird.
24,22 Und wenn jene Tage nicht verkürzt würden, so würde kein Fleisch gerettet werden; aber um der
Auserwählten willen werden jene Tage verkürzt werden. 24,23 Wenn dann jemand zu euch sagt: Siehe, hier
ist der Christus, oder dort! so glaubt es nicht! 24,24 Denn es werden falsche Christusse und falsche Propheten
aufstehen und werden große Zeichen und Wunder tun, um, wenn möglich, auch die Auserwählten zu verführen.
24,25 Siehe, ich habe es euch vorhergesagt.
24,26 Wenn sie nun zu euch sagen: Siehe, er ist in der Wüste! so geht nicht hinaus! Siehe, in den Kammern! so
glaubt es nicht! 24,27 Denn wie der Blitz ausfährt von Osten und bis nach Westen leuchtet, so wird die
Ankunft des Sohnes des Menschen sein. 24,28 Wo das Aas ist, da werden sich die Adler versammeln. Mt 24,15-28;
Die Bezeichnung „Bedrängnis” für die Trübsal darf hier nicht verwundern, es sind im
Deutschen nur Synonyme für ein und dasselbe griechische Wort. Es ist also hier die Rede von einer großen
Bedrängnis „wie sie noch nicht gewesen ist, vom Anfang der Welt”. Die Frage stellt sich daher nach dem
Inhalt, dem Wesen dieser Bedrängnis. Sind ausschließlich die, im Anschluss an diese Aussage angeführten
Ereignisse Kennzeichen dieser Zeit? Wenn dem so ist, dann wäre die große Bedrängnis eine Zeit der
Verführung der Gläubigen durch falsche Christusse und falsche Propheten. Oder aber sind diese
Zeiterscheinungen nur die Folge eines anderen, wesentlich größeren Ereignisses?
Nun haben wir einige Verse zuvor ebenfalls die Erwähnung einer „Bedrängnis”:
Und ihr werdet gehasst werden um meines Namens willen von allen Völkern.
Mt 24,9 Dann werden sie euch in Bedrängnis überliefern und euch töten;
und ihr werdet von allen Nationen gehasst werden um meines Namens willen. 24,10 Und dann werden viele
verleitet werden und werden einander überliefern und einander hassen; 24,11 und viele falsche Propheten
werden aufstehen und werden viele verführen; Mt 24, 9-11;
Auch hier werden die falschen Propheten erwähnt und man könnte daher zu vermuten, dass diese
beiden Texte - Mt 24,9-14 und Mt 24,21-27 - ganz einfach Parallelstellen ein und desselben Ereignisses sind
und bei der Exegese nebeneinander oder „ineinander” zu liegen kommen, wie nachfolgend dargestellt.
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Wir erkennen, dass in beiden Abschnitten nicht nur von einer Bedrängnis und von falschen
Propheten gesprochen wird, beide Texte reichen in ihren Aussagen auch bis ans „Ende”. Die eine
Schriftstelle schließt mit dem Kommen des Herrn, welches ja - nach Mt 24,29-30 - die Bedrängnis abschließt,
und die andere sagt ausdrücklich „dann wird das Ende kommen”, nämlich das Ende dieser Bedrängnis, und
weist damit indirekt auch auf das Kommen des Herrn hin.
Der Text geht dann, im Anschluss an Vers Mt 24,28, weiter mit den Zeichen an den Gestirnen:
Nach der Bedrängnis dieser Zeit werden Sonne und Mond sich verfinstern.
Mt 24,27 Denn wie der Blitz ausgeht vom Osten und leuchtet bis zum Westen, so
wird auch das Kommen des Menschensohns sein. 24,28 Wo das Aas ist, da sammeln sich die Geier.
24,29 Sogleich aber nach der Bedrängnis jener Zeit wird die Sonne sich verfinstern und der Mond
seinen Schein verlieren, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel werden ins
Wanken kommen.
24,30 Und dann wird erscheinen das Zeichen des Menschensohns am Himmel. Und dann werden wehklagen alle
Geschlechter auf Erden und werden sehen den Menschensohn kommen auf den Wolken des Himmels mit großer
Kraft und Herrlichkeit. Mt 24,27-30;
Damit haben wir in Vers 29 in diesem Kapitel den dritten Hinweis auf eine Bedrängnis. Wir
gehen einmal davon aus, dass dies ein Rückbezug auf die „große Bedrängnis” aus Vers 21 ist, welche hier
bereits beendet ist („sogleich aber nach dieser Bedrängnis”) und damit die Ankündigung aus Vers 27,
nämlich das Kommen des Menschensohns, in Vers 30 nunmehr zur Realität wird.
Die Parallelität der ersten beiden Texte aus Mt 24,9-14 und 21-27 wird allerdings durch einen relativ kleinen
Unterschied der Aussagen immer wieder in Zweifel gezogen. In Mt 24,9 ist die Rede von einer „Bedrängnis”,
in Mt 24,21 hingegen heißt es „dann wird eine große Bedrängnis sein”. Auf diesen Unterschied
kommen wir jedoch weiter unten noch zu sprechen.
Nach dieser Auslegung ist also die Große Trübsal eine Zeit der Verführung der Gläubigen und der
Auserwählten durch falsche Propheten und falsche Christusse. Wer sich nicht verführen lässt, wird verfolgt
und getötet.
Soweit scheint also dieser Text eindeutig und der Zusammenhang klar zu sein, wäre da nicht ein Hinweis in Mt
24,21 über ein ganz bestimmtes Kennzeichen dieser Trübsal:
Mt 24,21 Denn es wird dann eine große Trübsal sein, wie sie nicht gewesen
ist vom Anfang der Welt bis jetzt und auch nicht wieder werden wird. Mt 24,21;
Und diese Aussage wird auch durch den Paralleltext von Dan 12,1-2 erhärtet:
Eine Zeit so großer Trübsal, wie sie nie gewesen ist, seitdem es Menschen gibt.
Dan 12,1 Zu jener Zeit wird Michael, der große Engelfürst, der für dein Volk
eintritt, sich aufmachen. Denn es wird eine Zeit so großer Trübsal sein, wie sie nie gewesen ist,
seitdem es Menschen gibt, bis zu jener Zeit. Aber zu jener Zeit wird dein Volk errettet werden, alle,
die im Buch geschrieben stehen. 12,2 Und viele, die unter der Erde schlafen liegen, werden aufwachen, die
einen zum ewigen Leben, die andern zu ewiger Schmach und Schande. Dan 12, 1- 2;
Wir erkennen hier in Dan 12,1-2 eine eindeutige Parallele zu Mt 24,21. In beiden Texten,
sowohl im AT als auch im NT, wird diese große Trübsal als eine Zeit der Bedrängnis bezeichnet, wie sie seit
Anfang der Welt nicht gewesen ist. Und nun mag man sich unter der Verfolgung der Gläubigen noch so grausige
Horrorszenarien vorstellen, man wird keine Greueltaten finden, welche im Laufe der Geschichte durch Menschen
an anderen Menschen nicht bereits verübt worden wären.
Besonders das Volk Israel hat in seiner Vergangenheit bereits alle Leiden erlitten, welche Menschen sich
untereinander zufügen können. Ob das nun die Folterungen der gläubigen Juden unter Antiochus Epiphanes
waren, welche wir in den Makkabäerbriefen (2Mak 7,1-42) nachlesen können, die Eroberung Jerusalems durch die
Kreuzritter, die Pogrome gegen die Juden in ganz Europa oder das Verbrechen am jüdischen Volk in unserer
Zeit, unter Hitler, um nur einige zu nennen.
Aber auch die Bedrängnis der Christen, beginnend mit den Christenverfolgungen im Römischen Reich, über die
Inquisition der Römischen Kirche bis hin zur Gegenreformation, hat bereits alle Ausprägungen der Qual, wie
Zerreißen durch wilde Tiere, Folterungen im „peinlichen Verhör” oder Verbrennen auf dem Scheiterhaufen
beinhaltet.
Man kann einzelne Menschen und auch ein ganzes Volk „nur” bis zum Tod quälen. Und genau dies ist bereits
allzu oft in der Weltgeschichte geschehen. Eine Steigerung „wie sie nicht gewesen ist von Anfang der Welt
bis jetzt” ist daher unter dem Titel einer Verfolgung von Menschen allein nicht vorstellbar.
Es gibt aber noch einen weiteren Hinweis im Text von Mt 24, welcher es geraten erscheinen lässt, die Große
Trübsal nicht nur als eine Bedrängnis für die Gläubigen zu sehen. Dort heißt es in
Mt 24,22 Und wenn diese Tage nicht verkürzt würden, so würde kein Fleisch
gerettet werden; aber um der Auserwählten willen werden diese Tage verkürzt. Mt 24,22;
Wenn also diese Tage um der „Auserwählten willen” verkürzt werden, impliziert dies ja,
dass es zu dieser Zeit auch „Nicht-Auserwählte” gibt und diese eben auch durch diese Bedrängnis
betroffen sein müssen. Das bestätigt auch der erste Teil des Satzes, wo es heißt, dass „kein Fleisch”
gerettet werden würde. Unter der Bezeichnung „kein Fleisch” sind nun sowohl Gläubige als auch Gottlose
zu subsumieren. Und die Gottlosen können ja schließlich nicht wegen ihres Christusglaubens verfolgt werden.
Diese Art der Bedrängnis – nämlich die Verfolgung der Gläubigen - kann also folgerichtig nicht jene „große
Trübsal” sein, welche noch „nicht gewesen ist vom Anfang der Welt bis jetzt und auch nicht wieder werden
wird”.
Was ist nun aber diese große Trübsal? Möglicherweise fehlt hier der globale, der weltweite Aspekt dieser
Bedrängnis. Ein Aspekt, welchen wir in der zweiten oben erwähnten Auslegungsrichtung erkennen können. Man
meint dort, dass unter der Großen Trübsal jene weltweiten Katastrophen zu verstehen sind, welche am Tag des
Herrn die Welt erschüttern werden.
Von den vielen Hinweisen, welche wir in der Schrift über jene Zeit haben seien hier nur zwei angeführt:
Der große und schreckliche Tag des HERRN.
Joel 3,4 Die Sonne soll in Finsternis und der Mond in Blut verwandelt werden, ehe
denn der große und schreckliche Tag des HERRN kommt. 3,5 Und es soll geschehen: wer des HERRN Namen
anrufen wird, der soll errettet werden. Denn auf dem Berge Zion und zu Jerusalem wird Errettung sein, wie der
HERR verheißen hat, und bei den Entronnenen, die der HERR berufen wird. Joel 3, 4- 5;
Ein großes Erdbeben, wie es noch nie gewesen ist, seit Menschen auf Erden sind.
Off 16,17 Und der siebente Engel goss aus seine Schale in die Luft; und es
kam eine große Stimme aus dem Tempel vom Thron, die sprach: Es ist geschehen! 16,18 Und es geschahen Blitze
und Stimmen und Donner, und es geschah ein großes Erdbeben, wie es noch nicht gewesen ist, seit Menschen
auf Erden sind - ein solches Erdbeben, so groß. Off 16,17-18;
Auch hier oben in Off 16,18 wird das große Erdbeben - ebenso wie die Große Trübsal in Mt
24,17 bzw. Dan 12,1 - mit dem Attribut versehen: „wie es noch nicht gewesen ist, seit Menschen auf Erden
sind”. Und hier hat man erstmals wirklich den Eindruck, dass es sich um bisher noch nie dagewesene
Katastrophen handelt.
Allerdings ist auch diese Interpretation der Großen Trübsal nicht ohne Widerspruch zu sehen. Der darin
angesprochene „Tag des Herrn” wird mit der, in Mt 24,29 erwähnten „großen Finsternis” eingeleitet.
Die Sonne wird sich verfinstern und der Mond seinen Schein verlieren.
Mt 24,29 Sogleich aber nach der Bedrängnis jener Zeit wird die Sonne
sich verfinstern und der Mond seinen Schein verlieren, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die
Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen. Mt 24,29;
Auch im AT haben wir Hinweise auf dieses besondere Ereignis:
Der Tag des Herrn ist ein Tag der Finsternis und des Dunkels.
Zeph 1,14 Des HERRN großer Tag ist nahe, er ist nahe und eilt sehr.
Horch, der bittere Tag des HERRN! Da werden die Starken schreien. 1,15 Denn dieser Tag ist ein Tag des
Grimmes, ein Tag der Bedrängnis und der Angst, ein Tag des Wetters und des Ungestüms, ein Tag der
Finsternis und des Dunkels, ein Tag der Wolken und des Nebels, 1,16 ein Tag der Posaune und des
Kriegsgeschreis gegen die festen Städte und die hohen Zinnen. Zeph 1,14-16;
Nun heißt es aber oben, in Mt 24,29: „Sogleich aber nach der Bedrängnis jener Zeit
wird die Sonne sich verfinstern ...”.
Demnach beginnt dieser „Tag des Herrn” mit der Verfinsterung von Sonne und Mond erst nach der Bedrängnis
jener Zeit und kann daher konsequenterweise nicht ihr Inhalt sein.
Fassen wir also kurz zusammen:
Die Verführung und Verfolgung der Gläubigen oder auch anderer Menschen nach Mt 24,9-14 kann nicht
ausschließlich jenes Ereignis sein, von dem es in Mt 24,21 heißt: „es wird dann eine große Trübsal sein,
wie sie nicht gewesen ist vom Anfang der Welt bis jetzt und auch nicht wieder werden wird”, weil es keine
denkbare qualitative Steigerung der Folter und Qual des Menschen gibt, welche nicht schon in der menschlichen
Geschichte vom Menschen am Menschen verübt worden wäre.
Die Möglichkeit einer „quantitativen” Interpretation dieser Bedrängnis - also das Dahinsterben der
Menschen auf der ganzen Welt „wie die Mücken” - würde zwar eher in dieses Bild passen und wäre bei den
Ereignissen am „Tag des Herrn” auch in der Schrift zu erkennen (Jes 51,6). Der Umstand jedoch, dass diese
Zeitperiode gemäß Mt 24,29 erst nach der Großen Trübsal beginnt, weist sie als eigenständiges,
nachgelagertes Ereignis aus und verhindert, sie als Ereignisinhalt der Großen Trübsal zu interpretieren.
Wir wollen uns daher die in Frage stehende Stelle in Mt 24,21 noch einmal ansehen:
Mt 24,21 Denn es wird dann eine große Trübsal sein, wie sie nicht gewesen ist
vom Anfang der Welt bis jetzt und auch nicht wieder werden wird. Mt 24,21;
Es ist dieser Aussage keinesfalls zu entnehmen, dass diese Bedrängnis nur auf die Gläubigen
beschränkt sein sollte. Der Hinweis „wie sie nicht gewesen ist vom Anfang der Welt” scheint im Gegenteil
eher darauf hinzudeuten, dass es sich hier um ein weltweit einzigartiges Ereignis handelt. Der unmittelbare
Kontext weist zwar auf die Verführung der Gläubigen hin, erwähnt jedoch mit keinem Wort, dass eben diese
Verführungen gleichzeitig auch die „große Bedrängnis” darstellen sollten.
Einzig im Text von Mt 24,9 haben wir die Aussage „Dann werden sie euch der Bedrängnis preisgeben und euch
töten”. Und hier stellt sich nun die bereits weiter oben angeschnittene Frage erneut: Sind die Texte von Mt
24,9-14 und 24,21-27 parallel und damit beide Erwähnungen einer Bedrängnis als ident zu sehen oder nicht?
Unter Berücksichtigung der soeben angestellten Argumentation können wir Mt 24,9-14 eindeutig als Bedrängnis
der Gläubigen identifizieren, während Mt 24,21-27 eher eine „große Trübsal” mit weltweiten
Katastrophen darzustellen scheint.
Und um weltweite Katastrophen geht es auch an einer anderen Stelle der Schrift, welche sich ebenfalls - und
zwar ausschließlich - mit der Endzeit befasst: In der Offenbarung des Johannes haben wir nicht nur die
Ankündigung der furchtbarsten Gottesgerichte, welche über die Erde kommen sollen, wir haben dort auch einen
Text, welcher im Zusammenhang mit der Großen Trübsal nicht übersehen werden darf. Hier, in Off 7, 9-17,
sieht Johannes eine große Schar aus allen Völkern im Himmel, vor dem Thron Gottes stehen.
Die aus der großen Trübsal gekommen sind, werden nicht mehr hungern noch dürsten.
Off 7,9 Danach sah ich, und siehe, eine große Schar, die niemand zählen
konnte, aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Sprachen; die standen vor dem Thron und vor dem
Lamm, angetan mit weißen Kleidern und mit Palmzweigen in ihren Händen, 7,10 und riefen mit großer Stimme:
Das Heil ist bei dem, der auf dem Thron sitzt, unserm Gott, und dem Lamm!
7,11 Und alle Engel standen rings um den Thron und um die Ältesten und um die vier Gestalten und fielen
nieder vor dem Thron auf ihr Angesicht und beteten Gott an 7,12 und sprachen: Amen, Lob und Ehre und Weisheit
und Dank und Preis und Kraft und Stärke sei unserm Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. 7,13 Und einer der
Ältesten fing an und sprach zu mir: Wer sind diese, die mit den weißen Kleidern angetan sind, und woher sind
sie gekommen? 7,14 Und ich sprach zu ihm: Mein Herr, du weißt es. Und er sprach zu mir: Diese sind es, die
gekommen sind aus der großen Trübsal und haben ihre Kleider gewaschen und haben ihre Kleider hell
gemacht im Blut des Lammes.
7,15 Darum sind sie vor dem Thron Gottes und dienen ihm Tag und Nacht in seinem Tempel; und der auf dem Thron
sitzt, wird über ihnen wohnen. 7,16 Sie werden nicht mehr hungern und nicht mehr dürsten; es wird auch
nicht mehr auf ihnen lasten die Sonne oder irgendeine Hitze; 7,17 denn das Lamm mitten auf dem Thron wird
sie weiden und leiten zu den Quellen des lebendigen Wassers, und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren
Augen. Off 7, 9-17;
Es ist einer der vierundzwanzig Ältesten, welcher dem Johannes offenbart, dass es sich bei
dieser großen Schar vor dem Thron, „aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Sprachen”, um jene
Menschen handelt, „welche aus der großen Trübsal gekommen sind”. Es sind also sichtlich die Gläubigen,
welche in der Großen Trübsal den Tod gefunden haben und nun hier, im Himmel, vor dem Thron Gottes stehen und
Gott und das Lamm loben. Diese große Schar ist nun nicht zu verwechseln mit den Märtyrern, welche in Off
20,4 zur Ersten Auferstehung gelangen. Diese dort wurden „enthauptet”, diese hier sind gemäß Off 7,16
offensichtlich wegen Hunger, Durst und großer Hitze gestorben.
Interessant sind für unsere Überlegungen drei Aussagen dieses Schriftabschnitts.
- Zuallererst die Bestätigung in Vers 14, dass es sich hier wirklich um die Große
Trübsal handelt. Hier bedarf es keiner Interpretation, hier steht eindeutig und ausdrücklich „große
Trübsal/Bedrängnis” wie wir es auch in Mt 24,21 vorfinden.
- Zweitens der Hinweis in Vers Off 7,9, dass es sich hier um Menschen „aus allen
Nationen, Völkern und Sprachen” handelt. Dies ist die Bestätigung für die Auffassung, dass die Große
Trübsal globale Dimensionen aufweist und nicht auf ein bestimmtes Land oder Volk (z.B. Israel) begrenzt
werden kann.
- Und drittens die Aussage von Vers Off 7,16, wo darauf hingewiesen wird, dass diese
Auferstandenen nun „nicht mehr hungern werden, noch dürsten; es wird auch nicht mehr auf ihnen lasten die
Sonne oder irgendeine Hitze”. Das heißt im Umkehrschluss, diese Menschen mussten zu ihren Lebzeiten - eben
in der Großen Trübsal - hungern und dürsten und unter der großen Hitze der Sonne leiden.
Wir können also mit einer gewissen Sicherheit davon ausgehen, dass sich der obige Text aus
Off 7,9-17 auf die Große Trübsal bezieht, und zwar genau auf jene große Trübsal, welche auch der Herr in
Mt 24,21 erwähnt und welche wir als Ausgangspunkt für unsere Analyse genommen haben. Nachdem hier die
Gläubigen bereits im Himmel, vor dem Thron Gottes stehen, müssen sie in der Zeit davor gestorben sein.
Unter der Annahme, dass die Prophezeiungen der Offenbarung - zumindest in diesem Teil - chronologisch zu sehen
sind, müsste daher der Text davor, also vor Off 7,9, jene Ereignisse beschreiben, nach welchen wir hier
suchen und welche den Inhalt der Großen Trübsal darstellen.
Wenn wir nun den Text von Off 7,9 zurückverfolgen und einmal die Versiegelung der 144.000 aus Off 7,1-8
ausklammern, so kommen wir in Off 6,12-17 zur Öffnung des sechsten Siegels.
Die Sonne wurde finster wie ein schwarzer Sack, und der ganze Mond wurde wie Blut.
Off 6,12 Und ich sah: als es das sechste Siegel auftat, da geschah ein großes
Erdbeben, und die Sonne wurde finster wie ein schwarzer Sack, und der ganze Mond wurde wie Blut, 6,13 und
die Sterne des Himmels fielen auf die Erde, wie ein Feigenbaum seine Feigen abwirft, wenn er von starkem
Wind bewegt wird. 6,14 Und der Himmel wich wie eine Schriftrolle, die zusammengerollt wird, und alle Berge und
Inseln wurden wegbewegt von ihrem Ort.
6,15 Und die Könige auf Erden und die Großen und die Obersten und die Reichen und die Gewaltigen und alle
Sklaven und alle Freien verbargen sich in den Klüften und Felsen der Berge 6,16 und sprachen zu den Bergen
und Felsen: Fallt über uns und verbergt uns vor dem Angesicht dessen, der auf dem Thron sitzt, und vor dem
Zorn des Lammes! 6,17 Denn es ist gekommen der große Tag ihres Zorns, und wer kann bestehen? Off 6,12-17;
Auch hier ist die Rede von schrecklichen Katastrophen welche auf die Menschen zukommen. Und
wenn wir die Aussagen aus Mt 24,29 und Off 6,12-13 vergleichen, erkennen wir die Parallelität der Texte.
Die Sonne wird sich verfinstern und der Mond seinen Schein verlieren.
Mt 24,29 Sogleich aber nach der Bedrängnis jener Zeit wird die Sonne
sich verfinstern und der Mond seinen Schein verlieren, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die
Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen. Mt 24,29;
Damit steht fest: Off 6,12-13 beschreibt dasselbe Ereignis wie Mt 24,29 und wir haben damit
auch eine weitere Bestätigung für die Annahme, dass die Große Trübsal vor diesem Ereignis der
Verfinsterung der Gestirne zu suchen ist. Die große Finsternis ist daher der Großen Bedrängnis bereits
nachgelagert und die von uns gesuchten Ereignisse müssen also noch weiter vorne im Kapitel 6 der Offenbarung
zu finden sein.
Diese Erkenntnis bestätigt auch die oft bezweifelte Auffassung, dass die Offenbarung hier – wie auch an
anderen Stellen - chronologisch zu interpretieren ist, und dass - auf Basis von Mt 24,29 - sowohl Off 7,9-17
(die große Schar), als auch Off 6,12-17 (die Verfinsterung der Gestirne), die Große Trübsal als ein
Ereignis vor der Öffnung des sechsten Siegels kennzeichnen.
(Siehe auch die Tabelle 11: „ Die Chronologie in der
Johannesoffenbarung”.)
Darüber hinaus lässt die Parallelität der Texte aus Mt 24,29 und Off 6,12-13 die Vermutung
aufkommen, dass es überhaupt eine Identität zwischen den Aussagen von Mt 24 und Off 6 ff geben könnte. Dies
wäre insofern nicht verwunderlich, als ja beide Prophezeiungen aus einem Mund – dem des Herrn Jesus –
kommen.
Wir wollen daher die an Mt 24,29 anschließenden Aussagen auf eine inhaltliche und chronologische Entsprechung
in der Johannesoffenbarung prüfen.
Sie werden sehen den Menschensohn kommen auf den Wolken des Himmels.
Mt 24,29 Sogleich aber nach der Bedrängnis jener Zeit wird die Sonne
sich verfinstern und der Mond seinen Schein verlieren, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die
Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen.
24,30 Und dann wird erscheinen das Zeichen des Menschensohns am Himmel. Und dann werden wehklagen alle
Geschlechter auf Erden und werden sehen den Menschensohn kommen auf den Wolken des Himmels mit großer
Kraft und Herrlichkeit. 24,31 Und er wird seine Engel senden mit hellen Posaunen, und sie werden seine
Auserwählten sammeln von den vier Winden, von einem Ende des Himmels bis zum andern. Mt 24,29-31;
Es ist das Kommen des Menschensohns, welches in Mt 24,30-31, anschließend an die
Verfinsterung der Gestirne, als nächstes Ereignis genannt wird. Um dieses Kommen des Herrn zur Sammlung der
Auserwählten in der Offenbarung lokalisieren zu können, nehmen wir eine Prophezeiung des Paulus zu Hilfe,
welche er den Thessalonichern und den Korinthern in seinem jeweils 1. Brief übermittelte.
Der Herr wird herabkommen und wir werden entrückt werden auf den Wolken.
1The 4,16 Denn er selbst, der Herr, wird, wenn der Befehl ertönt, wenn
die Stimme des Erzengels und die Posaune Gottes erschallen, herabkommen vom Himmel, und zuerst werden
die Toten, die in Christus gestorben sind, auferstehen. 4,17 Danach werden wir, die wir leben und
übrigbleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden auf den Wolken in die Luft, dem Herrn entgegen; und so
werden wir bei dem Herrn sein allezeit. 4,18 So tröstet euch mit diesen Worten untereinander. 1The 4,16-18;
Zur Zeit der letzten Posaune werden wir alle verwandelt werden.
1Kor 15,51 Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle
entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden; 15,52 und das plötzlich, in einem Augenblick, zur
Zeit der letzten Posaune. Denn es wird die Posaune erschallen, und die Toten werden auferstehen
unverweslich, und wir werden verwandelt werden. 1Kor 15,51-52;
Zur Zeit der letzten Posaune wird also der Herr herabkommen vom Himmel und dann werden die,
die leben und übrigbleiben verwandelt und auf den Wolken entrückt werden zum Herrn.
Mit diesen, die „leben und übrigbleiben” sind die Auserwählten gemeint, welche von den Engeln des Herrn
eingesammelt, mit einem Geistleib überkleidet und gemeinsam mit den auferweckten Toten in Christus zum Herrn
in den Himmel entrückt werden.
Was nun für unsere weitere Analyse an dieser Prophezeiung des Paulus oben, in 1Kor 15,51, wichtig ist, sind
drei Aussagen:
- Er spricht hier vom Kommen des Herrn
- Die noch lebenden, übriggebliebenen Auserwählten werden eingesammelt
- Dies alles geschieht beim Schall der letzten Posaune.
Die ersten beiden Aussagen erlauben eine Zuordnung dieser Texte aus 1The 4,16-18 und 1Kor
15,51-52 zu Mt 24,30-31 (Das Kommen des Menschensohns und die Sammlung der Auserwählten). Die dritte Aussage
von der „letzten Posaune” aber gibt uns den Hinweis auf die letzte, die siebente Posaune in Off 11,15-19.
Gleichzeitig haben wir hier auch den Zusammenhang zu Mt 24,31: „Und er wird seine Engel senden mit hellen
Posaunen, und sie werden seine Auserwählten sammeln.”
Es scheint somit erwiesen, dass der Text von Mt 24,29-31 mit den Prophezeiungen in Off 6,12-17; 8,6-9; und
11,15-19 korrespondiert. Damit ist sowohl inhaltlich als auch chronologisch eine Identität der Aussagen von
Mt 24 und diesen Stellen der Johannes-Offenbarung gegeben.
Diese wichtige Erkenntnis führt nun konsequenterweise zum nächsten Schritt, nämlich zur Prüfung, inwieweit
die, dem Text aus Mt 24,29 vorgelagerten Aussagen eine analoge Entsprechung in der Offenbarung haben.
Zu diesem Zweck wollen wir allerdings gleich in den Text der Offenbarung einsteigen und – beginnend mit der
Öffnung des ersten Siegels in Off 6,1-2 – die Parallelstellen, speziell aber die Aussagen aus Matthäus,
Kapitel 24 u. par. vergleichen.
Das erste Siegel: Der Sieger auf dem weißen Pferd.
Off 6,1 Und ich sah, dass das Lamm das erste der sieben Siegel auftat, und ich
hörte eine der vier Gestalten sagen wie mit einer Donnerstimme: Komm! 6,2 Und ich sah, und siehe, ein weißes
Pferd. Und der darauf saß, hatte einen Bogen, und ihm wurde eine Krone gegeben, und er zog aus sieghaft
und um zu siegen. Off 6, 1- 2;
Grundsätzlich ist bei den Siegelgerichten festzustellen, dass sie - ebenso wie die Posaunen-
und Schalengerichte - in eine Vierer- und eine Dreiergruppe unterteilt sind. Hier, bei den Siegelgerichten,
sind es die vier Gestalten aus Off 4,6-8 und 5,6-14, welche die vier apokalyptischen Reiter mit ihren Plagen
aufrufen und auf die Erde schicken.
Bei dem ersten Reiter, jenem auf dem weißen Pferd aus Off 6,1, gibt es unterschiedliche
Möglichkeiten der Interpretation. Einige meinen, in Anlehnung an Off 19,11-16, wo die weißen Pferde und die
weißen Kleider als Kennzeichen der Heiligen zu interpretieren sind, und wo auch der Herr Jesus auf einem
weißen Pferd, gefolgt von dem Heer des Himmels reitet, es sei auch hier der Herr, welcher siegreich auszieht.
Doch dagegen sprechen einige Details. Dem Reiter aus Off 6,1 wird „eine Krone (Macht) gegeben”. Der
Menschensohn hat diese Macht bereits, er ist der Herr aller Herren und der König aller Könige. Der Reiter
hat einen Bogen. Die Waffe des Herrn ist nicht der Bogen, sondern das Schwert aus seinem Munde (Off 1,16;
2,12.16; 19,15.21). Weiters wäre dann der Herr in dieser Vision sowohl als Lamm als auch als weißer Reiter
gegenwärtig und hieße sich selbst kommen. Schließlich wird dieser Reiter von einer der vier Gestalten „angetrieben”.
Sie ruft ihm mit Donnerstimme „Komm” - also soviel wie „Auf” oder „Marsch” - zu. Es ist nicht
denkbar, dass diese Gestalten ihren Gott kommandieren sollten.
Man muss aber objektiver Weise zugestehen, dass durch das weiße Pferd der Eindruck entsteht, dass dieser
Reiter nicht nur wie seine Nachfolger in den beiden nächsten Siegelgerichten, eine Plage für die Menschheit
bringt, sondern dass er auch in irgendeiner Weise eine gottgegebene oder vielleicht auch nur gottgeduldete
Macht darstellt und diese anschließenden Ereignisse einleitet.
Die zweite Möglichkeit wäre daher, diesen Reiter als den Antichrist zu interpretieren. Der
Umstand, dass er hier in Off 6,2 als „sieghaft” bezeichnet wird, würde mit der Aussage über den
Antichrist in Off 13,7 „und ihm wurde Macht gegeben über alle Stämme und Völker und Sprachen und
Nationen.” übereinstimmen. Und auch der Hinweis „ihm wurde Macht gegeben” passt hier sehr gut mit jenem
in Off 6,2 „und ihm wurde eine Krone (Macht) gegeben” zusammen.
Ihm wurde Macht gegeben über alle Stämme und Völker und Sprachen und Nationen.
Off 13,7 Und ihm wurde Macht gegeben, zu kämpfen mit den Heiligen und sie
zu überwinden; und ihm wurde Macht gegeben über alle Stämme und Völker und Sprachen und Nationen.
13,8 Und alle, die auf Erden wohnen, beten es an, deren Namen nicht vom Anfang der Welt an geschrieben
stehen in dem Lebensbuch des Lammes, das geschlachtet ist. Off 13, 7- 8;
Schließlich weist auch der Bogen des weißen Reiters auf den Text in Off 19,17-21 und seine
Parallelstelle im AT, nämlich in Hes 39,1-4 hin, wo der Antichrist in der Schlacht von Harmagedon auch mit
einem Bogen in seiner Hand geschildert wird.
Ich schlage dir den Bogen aus deiner linken Hand und die Pfeile aus deiner Rechten.
Hes 39,1 Und du, Menschenkind, weissage gegen Gog und sprich: So spricht Gott der
HERR: Siehe, ich will an dich, Gog, der du der Fürst bist von Rosch, Meschech und Tubal. 39,2 Siehe, ich will
dich herumlenken und herbeilocken aus dem äußersten Norden und auf die Berge Israels bringen 39,3 und
will dir den Bogen aus deiner linken Hand schlagen und die Pfeile aus deiner rechten Hand. 39,4 Auf den
Bergen Israels sollst du fallen, du mit deinem ganzen Heer und mit den Völkern, die bei dir sind. Ich will
dich den Raubvögeln, allem was fliegt, und den Tieren auf dem Felde zum Fraß geben. Hes 39, 1- 4;
(Siehe auch Kapitel 07: „Die Schlacht von Harmagedon”.)
Es scheint also naheliegend zu sein, dass dieser Reiter den Antichristen repräsentiert. Was
soll aber dann das weiße Pferd?
Wir erfahren hier oben, im gleichen Schriftabschnitt Off 13,8, dass die Menschen das Tier, den Antichristen,
anbeten werden. Der Antichrist (dieses Wort bedeutet ja nicht nur „Gegenchristus” sondern auch „Anstattchristus”
oder - was dasselbe ist - „Anstattmessias”) wird nach Off 13,2 in der Macht und Kraft des Satans
auftreten. Der Umstand, dass ihn die Menschen anbeten werden, lässt die Vermutung aufkommen, dass er - in
bekannter satanischer Art - die Erscheinung des Gottessohnes nachäffen und als „Messias” auftreten wird.
Nachdem auch der echte Messias in Off 19,11 auf einem weißen Pferd aus dem Himmel reitet, wäre es denkbar,
dass das weiße Pferd des Antichristen uns gerade diesen Hinweis geben will. Der, welcher hier in Off 6,1
sieghaft auszieht, hat die von Gott geduldete Macht und Kraft eines – wenn auch gefallenen - Engels,
nämlich des Satans. Er nennt sich Messias und wird von den Menschen, die nicht im Lebensbuch stehen, als „Messias”
angebetet, doch er ist eine Fälschung.
Es ist zwar das weiße Pferd - also die übernatürliche Kraft und Macht - doch der darauf sitzt ist nicht der
Sohn Gottes, sondern der „Sohn des Verderbens”, der „Mensch der Bosheit” (2The 2,3).
Doch auch diese Interpretation ist letztlich nicht völlig zufriedenstellend und ist daher nicht wirklich eine
Erklärung für die Vorgänge rund um den Reiter auf dem weißen Pferd.
Auch können wir feststellen, dass sich beim ersten Siegel überhaupt kein Konnex zu Mt 24 u.
par. finden lässt. Dies könnte seine Begründung darin haben, dass der Auftritt dieses weißen Reiters dem,
in den Evangelien beschriebenen „Anfang der Wehen” vorgelagert ist und daher vom Herrn in seiner
Endzeitrede gar nicht erwähnt wird.
Während die Identifikation als Antichrist den weißen Reiter für den Ursprung und Auslöser speziell auch
der nachfolgenden Kriege darstellt, könnte man daher unter dem Aspekt des zweiten Siegels, dessen Reiter die
Macht gegeben wird, „den Frieden von der Erde zu nehmen”, und dem Hinweis aus 1The 5,3: „ Wenn sie sagen
werden: Es ist Friede, es hat keine Gefahr -, dann wird sie das Verderben schnell überfallen wie die Wehen
eine schwangere Frau, und sie werden nicht entfliehen.” auch die Ansicht vertreten, dass ja somit vorher,
also zur Zeit des ersten Siegels und des weißen Reiters, Friede geherrscht haben müsse.
Die Konsequenz davon wäre, dass der weiße Reiter ein Friedensbringer wäre, und erst nach dieser Zeit, beim
zweiten Siegel, in der Ära des Reiters auf dem feuerroten Pferd, die Kriege der Völker untereinander
ausbrechen würden. Und es gibt auch einige Hinweise, welche diese Theorie durchaus stützen könnten. In den
Schriftrollen vom Toten Meer – und nicht nur dort sondern auch an vielen Stellen der Schrift (z.B. Mal 3,23;
Mt 11,14; 17,11 etc.) - erscheint Elia als Wegbereiter des Messias. In der jüdischen Tradition wird ihm die
Aufgabe des messianischen Herolds zugeschrieben, der auf wundersame Weise alle Konflikte lösen und der Welt
den Frieden bringen werde.
Eine eher weltliche Interpretation dieser Denkrichtung sieht den Reiter auf dem weißen Pferd als eine
politische Macht – eventuell eine Großmacht -, die „auszog sieghaft und um zu siegen” und damit
letztlich die Völker der Welt – politisch oder auch militärisch - einen und so für einen beschränkten
Zeitraum den Frieden auf Erden ermöglichen würde.
Eine letzte denkbare Deutung wäre der Umstand, dass es sich bei diesem Reiter aus dem ersten Siegel gar nicht
um eine tatsächliche, reale Macht oder Gestalt, sondern um ein Symbol handelt, welches die kommenden
Siegelgerichte ankündigen soll, wie auch das letzte, das siebente Siegel keine Gerichte bringt, sondern eine
Art Wendepunkt in der Entwicklung der Ereignisse anzeigt.
Anders ist es nun aber bei den folgenden Siegelgerichten. Hier gibt es ganz wesentliche
Übereinstimmungen zu der Endzeitrede des Herrn in Mt 24 u. par. wie wir gleich sehen werden.
Das zweite Siegel: Die Menschen bringen sich untereinander um.
Off 6,3 Und als es das zweite Siegel auftat, hörte ich die zweite Gestalt sagen:
Komm! 6,4 Und es kam heraus ein zweites Pferd, das war feuerrot. Und dem, der darauf saß, wurde Macht gegeben
, den Frieden von der Erde zu nehmen, dass sie sich untereinander umbrächten, und ihm wurde ein
großes Schwert gegeben. Off 6, 3- 4;
Die Öffnung des zweiten Siegels und der Hinweis, dass der Friede von der Erde genommen wird,
zeigt einerseits eine Parallelität zur Aussage des Paulus in seinem ersten Brief an die Thessalonicher:
Wenn sie sagen werden: Es ist Friede, es hat keine Gefahr.
1The 5,1 Von den Zeiten und Stunden aber, liebe Brüder, ist es nicht nötig,
euch zu schreiben; 5,2 denn ihr selbst wisst genau, dass der Tag des Herrn kommen wird wie ein Dieb in der
Nacht. 5,3 Wenn sie sagen werden: Es ist Friede, es hat keine Gefahr -, dann wird sie das Verderben schnell
überfallen wie die Wehen eine schwangere Frau, und sie werden nicht entfliehen. 5,4 Ihr aber, liebe
Brüder, seid nicht in der Finsternis, dass der Tag wie ein Dieb über euch komme. 1The 5, 1- 4;
Andererseits entspricht diese Aussage der Offenbarung hier, in der Fortsetzung der
Evangelientexte, der zweiten Warnung des Herrn in seiner Endzeitrede. Gemeint ist die Prophezeiung vom „Anfang
der Wehen”, wo es Kriege und Kriegsgeschrei geben wird.
Ihr werdet hören von Kriegen und Kriegsgeschrei.
Mt 24,6 Ihr werdet hören von Kriegen und Kriegsgeschrei; seht zu und
erschreckt nicht. Denn das muss so geschehen; aber es ist noch nicht das Ende da. 24,7 Denn es wird sich
ein Volk gegen das andere erheben und ein Königreich gegen das andere; und es werden Hungersnöte sein
und Erdbeben hier und dort. Mt 24, 6- 7; Lk 21, 9-11; Mk 13, 7- 8;
Die Welt versinkt im Krieg. Doch wie es scheint, wird das nicht ein Weltkrieg sein, sondern
viele kleine, lokal begrenzte Kriege, in welchen ein Volk gegen das andere und eine Nation gegen die andere
kämpfen wird. Sie werden sich untereinander umbringen und es werden in dieser Zeit jene Menschen am meisten
gefährdet sein, die als Ausländer in einem fremden Land leben müssen. Wir haben bei Jesaja einen Text, der
sich zwar auf den Tag des Zornes des Herrn bezieht, welcher aber auch schon in dieser Zeit davor eine
Vorerfüllung finden könnte.
Ein jeder wird sich zu seinem Volk kehren und in sein Land fliehen.
Jes 13,14 Und sie sollen sein wie ein verscheuchtes Reh und wie eine Herde ohne
Hirten, dass sich ein jeder zu seinem Volk kehren und ein jeder in sein Land fliehen wird. 13,15 Wer da
gefunden wird, wird erstochen, und wen man aufgreift, wird durchs Schwert fallen. Jes 13,14-15;
Das dritte Siegel: Verteuerung der Lebensmittel.
Off 6,5 Und als es das dritte Siegel auftat, hörte ich die dritte Gestalt sagen:
Komm! Und ich sah, und siehe, ein schwarzes Pferd. Und der darauf saß, hatte eine Waage in seiner Hand. 6,6
Und ich hörte eine Stimme mitten unter den vier Gestalten sagen: Ein Maß Weizen für einen Silbergroschen
u drei Maß Gerste für einen Silbergroschen; aber dem Öl und Wein tu keinen Schaden! Off 6, 5- 6;
Dass es sich hier, in Off 6,5-6, tatsächlich um Hungersnöte handelt, geht ziemlich eindeutig
aus Vers 6 hervor: Ein Maß Weizen oder drei Maß Gerste für einen Silbergroschen. Mit dem „Maß” ist ein
Tagesmaß gemeint, also eine Tagesration für einen Menschen. Der „Silbergroschen” oder auch „Denar”
war zu dieser Zeit der Tageslohn eines Arbeiters (Mt 20,2) und man kann annehmen, dass es sich hier um eine
Verteuerung der Lebensmitteln um etwa das Zehnfache nach damaligen Verhältnissen handelt.
Auch diese Plagen hat der Herr bereits in seiner Endzeitrede an die Jünger angekündigt. Es werden an
verschiedenen Orten („über Gegenden hin”) große Erdbeben und Hungersnöte und Seuchen sein und vom
Himmel her große Zeichen geschehen.
Es werden Hungersnöte sein.
Mt 24,7 Denn es wird sich ein Volk gegen das andere erheben und ein Königreich
gegen das andere; und es werden Hungersnöte sein und Erdbeben hier und dort. 24,8 Das alles aber ist
der Anfang der Wehen. Mt 24, 7- 8; Lk 21,10-11; Mk 13, 8;
Wodurch wurde nun diese Hungersnot ausgelöst? Manche meinen, sie sei eine Folge des zweiten
Siegelgerichtes und der damit einhergehenden Kriege und Verwüstungen der Ländereien. Dies müssten wir auch
annehmen, hätten wir nicht einen indirekten Hinweis auf eine andere Ursache.
Es heißt im zweiten Halbsatz von Off 6,6: „aber dem Öl und Wein tu keinen Schaden!”. Das heißt, die
Rebstöcke und die Olivenbäume werden verschont bleiben. Wenn also diese Hungersnot eine Folge der
Kriegshandlungen wäre, könnten derartige Aussparungen schwerlich auftreten. Es muss daher eine andere
Ursache für diese Lebensmittelknappheit geben.
Wenn wir davon ausgehen, dass dieses dritte Siegel ein eigenständiges Gericht beinhaltet und nicht nur eine
Folge des vorhergehenden Gerichtes ist, erscheint die Annahme gerechtfertigt, dass es sich hierbei um eine
Dürreperiode von längerer Dauer handeln muss.
Dies bestätigt auch folgende Überlegung: wenn man den Vers 6 genau betrachtet, erkennt man, dass wohl
Getreide auf dem Markt ist, aber sehr wenig. Daher auch der hohe Preis. Dabei kann es sich entweder um
Getreide aus wetterbegünstigten Gegenden handeln, in welchen man noch ernten konnte (darauf deutet Lk 21,11
„hier und dort Hungersnöte”), oder es sind ganz einfach Lagerbestände aus der Zeit vor der
Dürre, die jetzt mit hohem Gewinn verkauft werden.
Auch der Umstand, dass wohl Getreide, nicht aber Wein und Öl betroffen sind, weist eher auf eine längere
Dürreperiode hin, welche sich beim Getreide sofort bemerkbar macht, wohingegen eine beschränkte Trockenzeit
Rebstöcke und Olivenbäume nicht in diesem Ausmaß schädigt.
Und eine derartige lange Trockenheit ist uns von den zwei Zeugen her geläufig, welche gerade in dieser Zeit
auftreten und den Himmel für dreieinhalb Jahre verschließen werden.
Die Erwähnung der großen Zeichen vom Himmel, in Lk 21,11, dürfte ein Vorgriff auf Lk 21,25 und die
Parallelstellen dazu in Mk 13,24 bzw. Mt 24,29 sein, welche letztere wieder ihre Entsprechung im sechsten
Siegel haben, wo sich ebenfalls die Gestirne verfinstern und die Sterne vom Himmel fallen werden.
In seiner Endzeitrede warnt uns der Herr, dass in dieser Zeit des „Anfangs der Wehen”
viele falsche Christusse versuchen werden, die Menschen zu verführen. Mit der Behauptung, sie seinen selbst
der wiedergekommene Herr und nun sei die bestimmte Zeit da, werden sie viele von ihrem Glauben abbringen und
in die Irre führen.
Viele werden kommen unter meinem Namen und sagen: Ich bin der Christus.
Mt 24,3 Und als er auf dem Ölberg saß, traten seine Jünger zu ihm und
sprachen, als sie allein waren: Sage uns, wann wird das geschehen? und was wird das Zeichen sein für dein
Kommen und für das Ende der Welt? 24,4 Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Seht zu, dass euch nicht
jemand verführe.
24,5 Denn es werden viele kommen unter meinem Namen und sagen: Ich bin der Christus,
und sie werden viele verführen. Mt 24, 3- 5; Lk 21, 7- 8; Mk 13, 3- 6;
Diese Verführungen werden aber nicht nur Christen treffen. Der Herr sagt hier, in Mt 24,5:
„Denn es werden viele kommen unter meinem Namen und sagen: Ich bin der Christus, und sie werden viele
verführen”. Das heißt, der Name, unter dem diese Verführer auftreten werden ist „Christus”.
Nun ist aber „Christus” nur die lateinische Ableitung des griechischen Wortes „Christos”, mit welchem
in der Septuaginta (= LXX, griechische Übersetzung des AT) der hebräische Ausdruck „Messias” (Orig.
hebr.: maschiach, aram.: meschicha) übersetzt wurde. Wörtlich bedeutet Messias „gesalbt” und steht im
mosaischen Glauben für den glorreichen König und Nachkommen Davids, der Israel nach den Prophezeiungen des
AT einmal zur Weltherrschaft führen soll. Doch auch der christliche Glaube erwartet ja - gemäß den Aussagen
des NT - die Wiederkunft des Herrn und die Machtübernahme in der Welt durch den Sohn Gottes und somit auch
den Christus bzw. den Heiland und Retter.
Diese beiden Aspekte werden sich wohl dann weiter unten, beim Auftreten des Antichristen, deckungsgleich
übereinanderschieben. Dieser Mensch der Bosheit wird sowohl von der abgefallenen christlichen Weltkirche, als
auch vom jenen mosaischgläubigen Juden, welche Jesus als Sohn Gottes ablehnen, als der „Christus” bzw.
„Messias” anerkannt und angebetet werden. Doch hier, in der Zeit davor, am „Anfang der Wehen”, wird es
sichtlich nicht nur einen, sondern – möglicherweise ausgelöst durch die große Not auf Erden und die
Hilflosigkeit der Menschen - viele Betrüger und Scharlatane geben, welche sich als „Christusse” und „Retter”
ausgeben werden.
Nun stellt sich allerdings die Frage, inwieweit diese falschen Christusse als religiöse oder als politische
Führer auftreten werden. Die Erwartung der Juden wird wohl auch in dieser Zeit dann - ähnlich wie zur Zeit
Jesu - eher ein politischer Führer sein. Die Christen hingegen werden die Wiederkunft ihres Herrn vor Augen
haben und eher mit religiösen Motiven zu verführen sein.
Die größere Plausibilität bietet jedoch die Annahme, dass diese beiden Geschehen, die Verführung durch
falsche Christusse und die Kriege der Völker untereinander, zeitlich parallel aber auf unterschiedlicher -
nämlich politischer und religiöser - Ebene ablaufen.
Diese Periode der Großen Trübsal ist ja ihrerseits ein Teil der siebzigsten Jahrwoche. Und
in dieser siebzigsten Jahrwoche sendet Gott seine zwei Zeugen nach Jerusalem, um die Einsichtigen zur Umkehr
und Buße zu bewegen, den Gottlosen und Unbußfertigen aber ihr Verderben zu prophezeien und der Welt das
Gericht am kommenden Tag des Herrn anzukündigen.
Und ich will meinen zwei Zeugen Macht geben, und sie sollen weissagen 1260 Tage.
Off 11,1 Und es wurde mir ein Rohr gegeben, einem Messstab gleich, und mir wurde
gesagt: Steh auf und miss den Tempel Gottes und den Altar und die dort anbeten. 11,2 Aber den äußeren Vorhof
des Tempels lass weg und miss ihn nicht, denn er ist den Heiden gegeben; und die heilige Stadt werden
sie zertreten zweiundvierzig Monate lang.
11,3 Und ich will meinen zwei Zeugen Macht geben, und sie sollen weissagen tausendzweihundertundsechzig
Tage lang, angetan mit Trauerkleidern. 11,4 Diese sind die zwei Ölbäume und die zwei Leuchter, die vor
dem Herrn der Erde stehen. 11,5 Und wenn ihnen jemand Schaden tun will, so kommt Feuer aus ihrem Mund und
verzehrt ihre Feinde; und wenn ihnen jemand Schaden tun will, muss er so getötet werden.
11,6 Diese haben Macht, den Himmel zu verschließen, damit es nicht regne in den Tagen ihrer Weissagung,
und haben Macht über die Wasser, sie in Blut zu verwandeln und die Erde zu schlagen mit Plagen aller Art,
sooft sie wollen. Off 11, 1- 6;
Außer dem Hinweis hier in Off 11,2 auf den Tempel, und der Aussage, dass diese zwei Zeugen in
der „heiligen Stadt” weissagen werden, erkennen wir auch weiter unten, in Off 11,8, dass es sich hier um
Jerusalem handelt. Dort heißt es, dass ihre Leichname auf dem Marktplatz der großen Stadt liegen werden, die
geistlich Sodom und Ägypten heißt, „wo auch ihr Herr gekreuzigt wurde”.
Gleichzeitig ist diesem Text auch zu entnehmen, dass Jerusalem zu dieser Zeit alles andere als eine
Gottesstadt sein wird. Obwohl die Bevölkerung der Geburt nach aus Juden besteht, wird der größere Teil –
wie übrigens auch heute – gottlos sein und zählt somit gemäß Off 11,1-2 genauso zu den Heiden, wie die
ungläubige, nichtjüdische Bevölkerung.
Auch wenn Jerusalem in dieser kommenden Zeit mit Sodom und Ägypten verglichen wird, oder vielleicht eben
deshalb, hält es der Herr für notwendig, seine zwei Zeugen gerade in Jerusalem weissagen zu lassen. Und
obwohl der Inhalt ihrer Weissagungen nicht erwähnt wird, kann man aus dem Zusammenhang erkennen, dass sie die
Menschen vor dem nahenden Strafgericht, dem Tag des Herrn, warnen und sie zur Umkehr auffordern werden.
Bei aller Liebe zu Land und Volk Israel muss uns bewusst sein, dass ein großer Teil des heutigen Volkes
Israel aus der Sicht Gottes kein „Volk Gottes” ist. Und das betrifft nicht nur jene Israeliten, welche –
besonders in den Städten – überhaupt gottlos sind, sondern ganz speziell auch die religiösen, orthodoxen
Juden, welche - wie ihre Väter - Jesus als Messias ablehnen. Von ihnen sagt schon Paulus:
Denn das Herz dieses Volkes ist verstockt, und ihre Ohren hören schwer.
Apg 28,25 Sie waren aber untereinander uneins und gingen weg, als Paulus dies
eine Wort gesagt hatte: Mit Recht hat der heilige Geist durch den Propheten Jesaja zu euren Vätern gesprochen
(Jesaja 6,9.10):28,26 »Geh hin zu diesem Volk und sprich: Mit den Ohren werdet ihr es hören und nicht
verstehen; und mit den Augen werdet ihr es sehen und nicht erkennen.
28,27 Denn das Herz dieses Volkes ist verstockt, und ihre Ohren hören schwer, und ihre Augen sind
geschlossen, damit sie nicht etwa mit den Augen sehen und mit den Ohren hören und mit dem Herzen verstehen und
sich bekehren, und ich ihnen helfe.« Apg 28,25-27;
Aber ihre Sinne wurden verstockt.
2Kor 3,14 Aber ihre Sinne wurden verstockt. Denn bis auf den heutigen Tag
bleibt diese Decke unaufgedeckt über dem alten Testament, wenn sie es lesen, weil sie nur in Christus
abgetan wird. 2Kor 3,14;
Und beim Propheten Hosea finden wir einen der vielen, auch heute noch immer ungehörten
Aufrufe an Israel, sich zu seinem Gott zu bekehren.
Bekehre dich, Israel, zu dem HERRN, deinen Gott.
Hos 14,2 Bekehre dich, Israel, zu dem HERRN, deinem Gott; denn du bist
gefallen um deiner Schuld willen. 14,3 Nehmt diese Worte mit euch und bekehrt euch zum HERRN und sprecht zu
ihm: Vergib uns alle Sünde und tu uns wohl, so wollen wir opfern die Frucht unserer Lippen. Hos 14, 2- 3;
Aber auch auf weltlicher Ebene unterscheidet sich Israel heute kaum von der übrigen Welt.
Viele Politiker Israels sind ebenso korrupt und gottlos wie die Politiker anderer Länder. Sie beanspruchen
heute mit militärischen Mitteln das Land Palästina, das aber gerade ihnen – den Ungläubigen, also den
Heiden – nie verheißen worden ist. Diese Verheißung galt und gilt ausschließlich dem Volk Gottes und dem
Israel, das sich zu seinem Gott und dessen Sohn Jesus, dem Christus und Messias bekennt und auch danach
handelt. Diesem gesegneten Gottesvolk, welches sich erst bei der Wiederkunft unseres Herrn, beim Kommen ihres
Messias, bekehren wird, muss unsere freudige Hoffnung und geschwisterliche Zuneigung gelten.
Die Identität der beiden Zeugen wird nicht ausdrücklich erwähnt, allerdings erinnern die
Begleitumstände ihres Auftretens doch sehr an Elia und Mose. Einmal sind es Mose und Elia, die, in
verklärter Gestalt, von Petrus, Johannes und Jakobus gesehen werden, als sie mit dem Herrn auf einem hohen
Berg standen und der Herr mit Mose und Elia über sein bevorstehendes Ende in Jerusalem sprach.
Und siehe, zwei Männer redeten mit ihm, das waren Mose und Elia.
Lk 9,30 Und siehe, zwei Männer redeten mit ihm; das waren Mose und Elia.
9,31 Sie erschienen verklärt und redeten von seinem Ende, das er in Jerusalem erfüllen sollte. 9,32 Petrus
aber und die bei ihm waren, waren voller Schlaf. Als sie aber aufwachten, sahen sie, wie er verklärt war, und
die zwei Männer, die bei ihm standen. 9,33 Und es begab sich, als sie von ihm schieden, da sprach Petrus zu
Jesus: Meister, hier ist für uns gut sein! Lasst uns drei Hütten bauen, dir eine, Mose eine und Elia
eine. Er wusste aber nicht, was er redete. Lk 9,30-33;
Daraus kann geschlossen werden, dass diese beiden Knechte Gottes bereits im Himmel bei Gott
sind. Sodann lesen wir in der Schrift, dass Elia bereits einmal – während seines Erdenlebens – den Himmel
in Israel für ebenfalls genau dreieinhalb Jahre verschlossen hatte (wie Off 11,6), so dass es nicht regnete.
Zur Zeit des Elia, als der Himmel verschlossen war drei Jahre und sechs Monate.
Lk 4,25 Aber wahrhaftig, ich sage euch: Es waren viele Witwen in Israel zur
Zeit des Elia, als der Himmel verschlossen war drei Jahre und sechs Monate und eine große Hungersnot
herrschte im ganzen Lande, 4,26 und zu keiner von ihnen wurde Elia gesandt als allein zu einer Witwe nach
Sarepta im Gebiet von Sidon. Lk 4,25-26;
Jak 5,17 Elia war ein schwacher Mensch wie wir; und er betete ein Gebet, dass es
nicht regnen sollte, und es regnete nicht auf Erden drei Jahre und sechs Monate. 5,18 Und er betete
abermals, und der Himmel gab den Regen, und die Erde brachte ihre Frucht. Jak 5,17-18;
1Kg 17,1 Und es sprach Elia, der Tischbiter, aus Tischbe in Gilead zu Ahab:
So wahr der HERR, der Gott Israels, lebt, vor dem ich stehe: es soll diese Jahre weder Tau noch Regen
kommen, ich sage es denn. 17,2 Da kam das Wort des HERRN zu ihm: 17,3 Geh weg von hier und wende dich nach
Osten und verbirg dich am Bach Krit, der zum Jordan fließt. 17,4 Und du sollst aus dem Bach trinken, und ich
habe den Raben geboten, dass sie dich dort versorgen sollen. 1Kg 17, 1- 4;
Und andererseits war es Mose, der auch bereits einmal, auf Geheiß des Herrn, in Ägypten die
Wasser des Nils in Blut verwandelt hatte, um zu beweisen, dass er im Namen des Herrn sprach.
Das Wasser, das im Nil ist, soll in Blut verwandelt werden.
2Mo 7,17 Darum spricht der HERR: Daran sollst du erfahren, dass ich der HERR bin:
Siehe, ich will mit dem Stabe, den ich in meiner Hand habe, auf das Wasser schlagen, das im Nil ist, und es
soll in Blut verwandelt werden, 7,18 dass die Fische im Strom sterben und der Strom stinkt. Und die
Ägypter wird es ekeln, das Wasser aus dem Nil zu trinken. 2Mo 7,17-18:
2Mo 4,8 Und der HERR sprach zu Mose: Wenn sie dir nun nicht glauben und
nicht auf dich hören werden bei dem einen Zeichen, so werden sie dir doch glauben bei dem andern Zeichen. 4,9
Wenn sie aber diesen zwei Zeichen nicht glauben und nicht auf dich hören werden, so nimm Wasser aus dem Nil
und gieß es auf das trockene Land; dann wird das Wasser, das du aus dem Strom genommen hast, Blut werden
auf dem trockenen Land. 2Mo 4, 8- 9;
Auch die Prophezeiungen im AT und NT, dass der Prophet Elia vor dem Tag des Herrn kommen soll,
dem Herrn den Weg zu bereiten und das Herz der Väter und der Söhne zueinander zu bekehren, sind hier ein
wichtiger Hinweis.
Ich sende euch den Propheten Elia, ehe der schreckliche Tag des HERRN kommt.
Mal 3,23 Siehe, ich will euch senden den Propheten Elia, ehe der große und
schreckliche Tag des HERRN kommt. 3,24 Der soll das Herz der Väter bekehren zu den Söhnen und das Herz
der Söhne zu ihren Vätern, auf dass ich nicht komme und das Erdreich mit dem Bann schlage. Mal
3,23-24;
Mal 3,1 Siehe, ich will meinen Boten senden, der vor mir her den Weg bereiten
soll. Und bald wird kommen zu seinem Tempel der Herr, den ihr sucht; und der Engel des Bundes, den ihr
begehrt, siehe, er kommt! spricht der HERR Zebaoth. Mal 3, 1;
Jes 40,3 Es ruft eine Stimme: In der Wüste bereitet dem HERRN den Weg,
macht in der Steppe eine ebene Bahn unserm Gott! 40,4 Alle Täler sollen erhöht werden, und alle Berge und
Hügel sollen erniedrigt werden, und was uneben ist, soll gerade, und was hügelig ist, soll eben werden;
40,5 denn die Herrlichkeit des HERRN soll offenbart werden, und alles Fleisch miteinander wird es sehen; denn
des HERRN Mund hat es geredet. Jes 40, 3- 5;
In der obigen Jesajastelle, Jes 40,3-5, finden wir den ersten Hinweis auf die geologischen
Umwälzungen am Tag des Herrn. Diese Veränderungen der Erdoberfläche in Jes 40,4 betreffen jedoch vorerst
nur das Land Israel, welches von Geba bis Rimmon zu einer einzigen Ebene wird.
(Siehe auch Kapitel 08: „ Die Umgestaltung von Himmel und
Erde”.)
Und der Herr Jesus offenbart uns weiter unten, in Mt 11,10-14, dass der Geist des Elia bereits
in Johannes dem Täufer gekommen war und das Friedensreich bereits vor fast zweitausend Jahren hätte
anbrechen können. Allerdings wäre damals nur Israel, als das auserwählte Volk, errettet worden. Dadurch,
dass Israel damals den Messias nicht anerkennen wollte, gingen diese Verheißungen auf die Christusgläubigen
der ganzen Welt über.
Und er wird vor ihm hergehen im Geist und in der Kraft des Elia.
Lk 1,13 Aber der Engel sprach zu ihm: Fürchte dich nicht, Zacharias, denn dein
Gebet ist erhört, und deine Frau Elisabeth wird dir einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen
Johannes geben. 1,14 Und du wirst Freude und Wonne haben, und viele werden sich über seine Geburt freuen.
1,15 Denn er wird groß sein vor dem Herrn; Wein und starkes Getränk wird er nicht trinken und wird schon von
Mutterleib an erfüllt werden mit dem heiligen Geist. 1,16 Und er wird vom Volk Israel viele zu dem Herrn,
ihrem Gott, bekehren. 1,17 Und er wird vor ihm hergehen im Geist und in der Kraft Elias, zu bekehren
die Herzen der Väter zu den Kindern und die Ungehorsamen zu der Klugheit der Gerechten, zuzurichten dem Herrn
ein Volk, das wohl vorbereitet ist. Lk 1,13-17;
Dieser ist es, von dem geschrieben steht: Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her.
Mt 11,10 Dieser ist es, von dem geschrieben steht (Maleachi 3,1): »Siehe, ich
sende meinen Boten vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll.« 11,11 Wahrlich, ich sage euch:
Unter allen, die von einer Frau geboren sind, ist keiner aufgetreten, der größer ist als Johannes der
Täufer; der aber der Kleinste ist im Himmelreich, ist größer als er. Mt 11,10-11;
Und wenn ihr es annehmen wollt: er ist Elia, der da kommen soll.
Mt 11,12 Aber von den Tagen Johannes des Täufers bis heute leidet das
Himmelreich Gewalt, und die Gewalttätigen reißen es an sich. 11,13 Denn alle Propheten und das Gesetz haben
geweissagt bis hin zu Johannes; 11,14 und wenn ihr es annehmen wollt: er ist Elia, der da kommen soll.
Mt 11,12-14;
Doch ich sage euch, Elia ist schon gekommen, aber sie haben ihn nicht erkannt.
Mt 17,12 Doch ich sage euch: Elia ist schon gekommen, aber sie haben ihn nicht
erkannt, sondern haben mit ihm getan, was sie wollten. So wird auch der Menschensohn durch sie leiden
müssen. 17,13 Da verstanden die Jünger, dass er von Johannes dem Täufer zu ihnen geredet hatte. Mt
17,12-13;
Und schließlich erfahren wir auch in Sach 14,11-14, woher diese zwei Zeugen, die in Off 11,4
als „die zwei Ölbäume” bezeichnet werden, kommen. Diese beiden Gesalbten stehen im Himmel zu beiden
Seiten des Herrn.
Die zwei Zeugen sind die zwei Ölbäume, die vor dem Herrn der Erde stehen.
Off 11,3 Und ich will meinen zwei Zeugen Macht geben, und sie sollen weissagen
tausendzweihundertundsechzig Tage lang, angetan mit Trauerkleidern. 11,4 Diese sind die zwei Ölbäume und
die zwei Leuchter, die vor dem Herrn der Erde stehen. Off 11, 3- 4;
Es sind die zwei Ölbäume, die vor dem Herrscher aller Lande stehen.
Sach 4,11 Und ich hob an und sprach zu ihm: Was sind die zwei Ölbäume
zur Rechten und zur Linken des Leuchters? 4,12 Und ich sprach weiter zu ihm: Was sind die beiden Zweige der
Ölbäume bei den zwei goldenen Röhren, aus denen das goldene Öl herabfließt? 4,13 Und er sprach zu mir:
Weißt du nicht, was sie sind? Ich aber sprach: Nein, mein Herr. 4,14 Und er sprach: Es sind die zwei
Gesalbten, die vor dem Herrscher aller Lande stehen. Sach 4,11-14;
In den Tagen ihrer Weissagung in Jerusalem sind die zwei Zeugen unbezwingbar. Wenn sie jemand
angreift, kommt Feuer aus ihrem Mund und tötet ihre Gegner. Auf dem ersten Blick könnte man sich fragen, wer
denn zwei Männer zu töten versuchen würde, die ohnehin nur „weissagen” und die Menschen zur Umkehr zu
Gott auffordern.
Es kommt Feuer aus ihrem Mund und verzehrt ihre Feinde.
Off 11,4 Diese sind die zwei Ölbäume und die zwei Leuchter, die vor dem Herrn
der Erde stehen. 11,5 Und wenn ihnen jemand Schaden tun will, so kommt Feuer aus ihrem Mund und verzehrt
ihre Feinde; und wenn ihnen jemand Schaden tun will, muss er so getötet werden. Off 11, 4- 5;
Wie wir jedoch etwas weiter unten, im Kommentar zu Off 11,6 sehen werden, haben nicht nur die
Einwohner Jerusalems allen Grund sie zu fürchten, sondern die ganze Welt sieht gebannt auf Jerusalem, und
wartet darauf, wem es endlich gelingt, diese beiden Heiligen Gottes, die weltweit Dürre, Hungersnot und
Wassermangel herbeigeführt haben, auszuschalten.
Und die Aussage „wenn ihnen jemand Schaden tun will” besagt, dass es da einige Versuche geben wird. Doch
diese Gesalbten haben den Geist Gottes in sich und können erst besiegt werden, wenn sie ihren Auftrag beendet
haben.
Diese beiden Propheten werden also versuchen, „das Herz der Väter zu den Söhnen und das
Herz der Söhne zu ihren Vätern zu bekehren”. Und wenn auch ihre Weissagungen den Großteil der Menschen
nicht sehr berühren werden, so tun dies umso mehr die Plagen, welche die zwei Zeugen aufgrund ihrer, von Gott
gegebenen Macht über die Erde kommen lassen. Sie werden während der Zeit ihrer Weissagung - also für 1260
Tage oder 3 ½ Jahre - den Himmel verschließen, so dass es nicht regnen wird. Auch haben sie Macht, die
Wasser in Blut zu verwandeln und die Welt mit Seuchen und anderen Plagen zu schlagen.
Es wird nicht regnen in den Tagen ihrer Weissagung und das Wasser wird zu Blut.
Off 11,6 Diese haben Macht, den Himmel zu verschließen, damit es nicht regne
in den Tagen ihrer Weissagung, und haben Macht über die Wasser, sie in Blut zu verwandeln und die
Erde zu schlagen mit Plagen aller Art, sooft sie wollen. Off 11,6;
Dass diese Klimakatastrophe nicht lokal beschränkt bleiben, sondern weltweite Wirkung haben
wird, geht auch oben, aus Off 11,6 „... haben Macht, die Erde zu schlagen ...”, speziell aber aus Off
11,10 hervor:
Diese zwei Propheten hatten gequält, die auf Erden wohnten.
Off 11,9 Und Menschen aus allen Völkern und Stämmen und Sprachen und
Nationen sehen ihre Leichname drei Tage und einen halben und lassen nicht zu, dass ihre Leichname ins Grab
gelegt werden 11,10 Und die auf Erden wohnen, freuen sich darüber und sind fröhlich und werden
einander Geschenke senden; denn diese zwei Propheten hatten gequält, die auf Erden wohnten. Off 11,
9-10;
Diese zwei Propheten werden also u. a. bewirken, dass es auf diesem Planeten dreieinhalb Jahre
nicht regnet.
Die volle Bedeutung dieser Aussage wird erst dann bewusst, wenn man sie etwas genauer analysiert und vor allem
die Konsequenzen herauszuarbeiten versucht. Wir wissen aus vergleichbaren Ereignissen in unserer Zeit, z. B.
in Afrika (Äthiopien), dass schon das Ausbleiben des Regens für acht bis zehn Monate große
Dürrekatastrophen und Hungersnot für Millionen von Menschen bedeutet.
Dann allerdings wird die Dürre und somit auch die Hungersnot weltweit sein. Und das für dreieinhalb Jahre!
Es wird auch das Wasser der Flüsse und Quellen ungenießbar sein. Auch wenn es gelingen sollte, einen Teil
des Wassers durch Aufbereitung zu reinigen, wird das kaum für die notwendige Menge an Trinkwasser reichen,
geschweige denn für Wasser, um die ausgetrockneten Felder zu bewässern. Die Folge davon wird Hungersnot,
Durst und ein weltweites Massensterben sein. Speziell aufgrund des Wassermangels werden auch Seuchen und
Krankheiten, wie Typhus, Cholera, Gelbsucht u. a. die Lage noch verschlimmern.
Aufgrund der Aussagen in Off 11,9-10 ist anzunehmen, dass die ganze Welt über die Aktivitäten der zwei
Propheten in Jerusalem informiert ist und daher auch die Verursacher dieser globalen Klimakatastrophe allen
Menschen bekannt sind. Daher wird man mit vereinten Kräften versuchen, die zwei Propheten in Jerusalem zu
eliminieren. Doch zum Schrecken aller wird man feststellen, dass diese Männer unverwundbar sind. Keine
Gewehre, keine Pistolen, auch keine anderen Waffen vermögen ihnen etwas anzuhaben. Ja im Gegenteil, jedes
Kommando, welches ausrückt sie zu beseitigen, wird bis auf den letzten Mann vernichtet. Und mit jedem
Anschlag wird das Ausmaß der Plagen gesteigert.
Nachdem es nicht gelingt, die zwei Zeugen zu besiegen, wendet sich nun die ganze Wut der
Menschen gegen deren Glaubensbrüder. Alle, welche sich zu Gott und seinen Sohn Jesus Christus bekennen,
werden verfolgt, gefangen genommen und getötet. Um des Namens Jesu willen werden sie gehasst werden von allen
Völkern.
Dann werden sie euch der Bedrängnis preisgeben und euch töten.
Mt 24,9 Dann werden sie euch der Bedrängnis preisgeben und euch töten. Und
ihr werdet gehasst werden um meines Namens willen von allen Völkern. 24,10 Dann werden viele abfallen und
werden sich untereinander verraten und werden sich untereinander hassen. Mt 24, 9-10;
Man wird euch vor Statthalter und Könige führen um meinetwillen.
Mt 10,17 Hütet euch aber vor den Menschen denn sie werden euch den Gerichten
überantworten und werden euch geißeln in ihren Synagogen; 10,18 Und man wird euch vor Statthalter und
Könige führen um meinetwillen, ihnen und den Heiden zum Zeugnis. Mt 10,17-18; Lk 21,12-13; Mk 13, 9-10;
Man wird sie also verfolgen, den Machthabern vorführen, den Gerichten überantworten,
geißeln und einige von ihnen auch töten. Und dies alles um des Namens Christi willen. Es stellt sich hier
die Frage, ob diese Verfolgung daher alle jene trifft, welche sich heute als „Christen” bezeichnen. Diese
Frage muss allerdings verneint werden. Gerade in einer solchen Zeit der Verfolgung, wird sich sehr bald die
Spreu vom Weizen trennen. Alle sogenannten Namenschristen – wie wir weiter unten sehen werden auch Eltern
und Kinder, ja sogar ehemalige Geschwister im Herrn – werden nicht nur vom rechten Glauben abfallen, sondern
auch mit Hass und Wut reagieren.
Es sind also nicht die „christlichen Kirchen”, welche - etwa vom Islam - verfolgt werden, sondern es ist
der Überrest der wahrhaft Gläubigen in der ganzen Welt, welche auch unter Drangsalen zu ihrem Glauben und
ihrem Herrn stehen werden und daher Verrat, Verfolgung, ja sogar Tod erdulden werden.
Sorgt nicht, was ihr reden sollt; denn eures Vaters Geist ist es, der durch euch redet.
Mt 10,19 Wenn sie euch nun überantworten werden, so sorgt nicht, wie oder was
ihr reden sollt; denn es soll euch zu der Stunde gegeben werden, was ihr reden sollt. 10,20 Denn nicht ihr
seid es, die da reden, sondern eures Vaters Geist ist es, der durch euch redet. Mt 10,19-20; Lk
21,14-15; Mk 13,11;
Der Herr sagt den Seinen hier, in Mt 10,19-20 u. par., sie sollen sich keine Sorgen machen,
wie sie sich verteidigen werden, denn der Heilige Geist selbst wird aus ihnen und für sie zu ihren Richtern
sprechen. Das wird diesen Richtern und Machthabern doppelt unangenehm sein. Denn dieser Weisheit können sie
nicht widersprechen noch ihr widerstehen. Dies wird wohl den Hass der Menschen auf die Jesusgläubigen noch
mehr schüren.
Ihr werdet von allen Nationen gehasst werden um meines Namens willen.
Mt 24, 9 Dann werden sie euch der Bedrängnis preisgeben und euch töten. Und
ihr werdet gehasst werden um meines Namens willen von allen Nationen. 24,10 Dann werden viele abfallen und
werden sich untereinander verraten und werden sich untereinander hassen. Mt 24, 9-10;
Ihr werdet gehasst werden von jedermann um meines Namens willen.
Mt 10,22 Und ihr werdet gehasst werden von jedermann um meines Namens willen.
Wer aber bis an das Ende beharrt, der wird selig werden. Mt 10,22; Lk 21,17-19; Mk 13,13;
Viele werden abfallen und sich untereinander verraten und sich untereinander hassen.
Mt 24,10 Dann werden viele abfallen und werden sich untereinander verraten und
werden sich untereinander hassen. Mt 24,10;
Die Kinder werden sich empören gegen ihre Eltern und werden sie töten helfen.
Mt 10,21 Es wird aber ein Bruder den andern dem Tod preisgeben und der Vater den
Sohn, und die Kinder werden sich empören gegen ihre Eltern und werden sie töten helfen. Mt 10,21; Lk
21,16; Mk 13,12;
Weil die Ungerechtigkeit überhand nehmen wird, wird die Liebe in vielen erkalten.
Mt 24,11 Und es werden sich viele falsche Propheten erheben und werden viele
verführen. 24,12 Und weil die Ungerechtigkeit überhand nehmen wird, wird die Liebe in vielen erkalten.
Mt 24,11-12;
Wer aber beharrt bis ans Ende, der wird selig werden.
Mt 24,13 Wer aber beharrt bis ans Ende, der wird selig werden. Mt 24,13;
Wer aber bis an das Ende beharrt, der wird selig werden.
Mt 10,22 Und ihr werdet gehasst werden von jedermann um meines Namens willen. Wer
aber bis an das Ende beharrt, der wird selig werden. Mt 10,22; Lk 21,17-19; Mk 13,13;
Wenn sie euch aber in einer Stadt verfolgen, so flieht in eine andere.
Mt 10,23 Wenn sie euch aber in einer Stadt verfolgen, so flieht in eine andere.
Wahrlich, ich sage euch: Ihr werdet mit den Städten Israels nicht zu Ende kommen, bis der Menschensohn kommt.
10,24 Der Jünger steht nicht über dem Meister und der Knecht nicht über seinem Herrn. 10,25 Es ist für den
Jünger genug, dass er ist wie sein Meister und der Knecht wie sein Herr. Haben sie den Hausherrn Beelzebul
genannt, wie viel mehr werden sie seine Hausgenossen so nennen! 10,26 Darum fürchtet euch nicht vor ihnen.
Denn es ist nichts verdeckt, was nicht aufgedeckt, und nichts verborgen, was nicht erkannt werden wird. Mt
10,23-26;
Das Evangelium wird in der ganzen Welt gepredigt werden.
Mt 24,14 Und es wird gepredigt werden dies Evangelium vom Reich in der ganzen
Welt zum Zeugnis für alle Völker, und dann wird das Ende kommen. Mt 24,14; Mk 13,10;
Mit dem vierten Siegel nun erreichen diese Plagen ihren Höhepunkt: Kriege, Dürre,
Hungersnöte und Seuchen kulminieren zu einer einzigen, furchtbaren, weltweiten Katastrophe.
Das vierte Siegel: Schwert, Hunger und Pest töten den vierten Teil der Erde.
Off 6,7 Und als es das vierte Siegel auftat, hörte ich die Stimme der vierten
Gestalt sagen: Komm! 6,8 Und ich sah, und siehe, ein fahles Pferd. Und der darauf saß, dessen Name war: Der
Tod, und die Hölle folgte ihm nach. Und ihnen wurde Macht gegeben über den vierten Teil der Erde, zu töten
mit Schwert und Hunger und Pest und durch die wilden Tiere auf Erden. Off 6, 7. 8;
Der Tod und die Hölle halten Ernte. Und wenn mit diesem „vierten Teil der Erde” das
bevölkerungsreichste Viertel dieser Welt – nämlich Europa, Asien und ganz Nordafrika - gemeint ist,
könnte davon mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung betroffen sein. Aber auch, wenn damit nur der vierte
Teil der Menschen gemeint ist, sind es über eine Milliarde Menschen, welche durch Kriege, Hunger Durst und
Seuchen dahingerafft werden. Die Menschen werden dahinsterben wie die Mücken. Dies ist nun wirklich eine ganz
neue, noch nie dagewesene Kategorie des Grauens.
(Siehe auch die Tabelle 14: „Die Offenbarung, nach
Ereignissen gegliedert”.)
Auch die zusätzliche Erwähnung hier von „Pest” und „wilden Tieren” scheint durchaus
plausibel zu sein, ist dies doch eine Folge der unzähligen Leichen, welche herumliegen und einerseits die
Gewässer und die Luft verpesten und damit Krankheiten wie Typhus, Cholera und Hepatitis hervorrufen,
andererseits aber natürlich auch die ausgehungerten Tiere anlocken.
Mit dem vierten Siegel endet die erste Phase der Gottesgerichte über die Welt. Und wenn die obige
Interpretation stimmt, sind bei diesen weltweiten Katastrophen – nach heutigem Stand – fast zwei
Milliarden Menschen umgekommen.
Man kann also sicherlich mit Recht davon ausgehen, dass dies für die Menschheit die bis dahin größte
Katastrophe aller Zeiten sein wird. Obwohl bei der Sintflut zwar auch alle Menschen - bis auf Noah und seine
Familie - umgekommen sind, zählte aber damals die Weltbevölkerung doch kaum mehr als einige Millionen
Menschen und ist daher mit diesen Größenordnungen hier kaum vergleichbar.
Wie es scheint, sind wir damit auf unserer Suche nach der „Großen Trübsal” fündig geworden. Dies
dürfte die „große Not auf Erden” sein, von welcher der Herr in Lk 21,23 spricht.
Nun, nachdem durch weltweite Katastrophen die Welt in einem Chaos zu versinken droht, ist es
soweit. Der Satan holt seinen vermeintlichen „Trumpf” aus dem Ärmel. Er lässt ihn auferstehen aus dem
Abgrund des Meeres.
(Siehe auch die Tabelle 06: „ Der Antichrist, die ‘Dame’
im Schachspiel des Teufels”.)
Und der Drache trat an den Strand des Meeres.
Off 12,17 Und der Drache wurde zornig über die Frau und ging hin, zu
kämpfen gegen die übrigen von ihrem Geschlecht, die Gottes Gebote halten und haben das Zeugnis Jesu. 12,18
Und er trat an den Strand des Meeres. Off 12,17-18;
Ein Tier steigt aus dem Meer und der Drache gibt ihm Kraft, Macht und seinen Thron.
Off 13,1 Und ich sah ein Tier aus dem Meer steigen, das hatte zehn
Hörner und sieben Häupter und auf seinen Hörnern zehn Kronen und auf seinen Häuptern lästerliche
Namen.
13,2 Und das Tier, das ich sah, war gleich einem Panther und seine Füße wie
Bärenfüße und sein Rachen wie ein Löwenrachen. Und der Drache gab ihm seine Kraft und seinen Thron und
große Macht. Off 13, 1- 2;
Er wird in der Macht des Satans mit großer Kraft, Zeichen und Wundern auftreten.
2The 2,9 Der Böse aber wird in der Macht des Satans auftreten mit großer
Kraft und lügenhaften Zeichen und Wundern 2,10 und mit jeglicher Verführung zur Ungerechtigkeit bei
denen, die verloren werden, weil sie die Liebe zur Wahrheit nicht angenommen haben, dass sie gerettet würden.
2The 2, 9-10;
Und der Drache stattet das Tier mit seiner eigenen, nicht unbeträchtlichen Kraft und Macht
aus. Dieser Text erinnert nun sehr an Mi 5,3, wo es vom Herrn Jesus heißt, dass er in der Kraft und Macht des
Herrn, seines Gottes auftreten wird.
Der Messias wird auftreten in der Kraft des HERRN und in der Macht seines Gottes.
Mi 5,1 Und du, Bethlehem Efrata, die du klein bist unter den Städten in Juda,
aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei, dessen Ausgang von Anfang und von Ewigkeit her
gewesen ist. 5,2 Indes lässt er sie plagen bis auf die Zeit, dass die, welche gebären soll, geboren hat. Da
wird dann der Rest seiner Brüder wiederkommen zu den Söhnen Israel. 5,3 Er aber wird auftreten und weiden
in der Kraft des HERRN und in der Macht des Namens des HERRN, seines Gottes. Und sie werden sicher wohnen;
denn er wird zur selben Zeit herrlich werden, so weit die Welt ist. Mi 5, 1- 3;
Dabei erkennen wir schon, dass der Antichrist nicht nur ein „Gegen-Christus” sein wird.
Das griechische Wort anti kann ebenso korrekt mit „anstatt” übersetzt werden. Und so ist die
Vermutung naheliegend, dass der Antichrist für die Welt offiziell nicht als böser Gegenspieler Gottes
auftreten wird, sondern sich im Gegenteil selbst als „Messias” und „Christus” – allerdings eines
anderen „Gottes” - ausgeben wird. Er wird Gott den Herrn und seinen Sohn Jesus Christus leugnen und sich
selbst und seinen Vater, den Satan anbeten lassen. Und um seine eigene Echtheit unter Beweis zu stellen, muss
er natürlich leugnen, dass in Jesus von Nazareth der Sohn Gottes, der Christus und Messias bereits Fleisch
geworden ist.
Das ist der Antichrist, der leugnet, dass Jesus der Christus ist.
1Jh 2,22 Wer ist ein Lügner, wenn nicht der, der leugnet, dass Jesus der
Christus ist? Das ist der Antichrist, der den Vater und den Sohn leugnet. 1Jh 2,22;
Dieser Umstand führt schließlich auch dazu, dass jeder Mensch, der diese „falsche Lehre”
von Jesus als den Christus glaubt und verbreitet, verfolgt und getötet wird.
Dennoch bleiben die Christen eine große Gefahr für das antichristliche Regime. Deshalb müssen sich alle,
die den „rechten” antichristlichen Glauben haben, ein Malzeichen an Stirn oder rechter Hand anbringen
lassen. Wer dieses Zeichen dann nicht hat und irgendwo erkannt wird, wird verhaftet und eliminiert.
Die ganze Erde wunderte sich über das Tier, dessen tödliche Wunde heil wurde.
Off 13,3 Und ich sah eines seiner Häupter, als wäre es tödlich verwundet,
und seine tödliche Wunde wurde heil. Und die ganze Erde wunderte sich über das Tier, 13,4 und
sie beteten den Drachen an, weil er dem Tier die Macht gab, und beteten das Tier an und sprachen: Wer ist dem
Tier gleich, und wer kann mit ihm kämpfen? Off 13, 3- 4;
Er bekommt Macht über alle Völker und Sprachen und Nationen.
Off 13,7 Und ihm wurde Macht gegeben, zu kämpfen mit den Heiligen und sie zu
überwinden; und ihm wurde Macht gegeben über alle Stämme und Völker und Sprachen und Nationen. 13,8
Und alle, die auf Erden wohnen, beten es an, deren Namen nicht vom Anfang der Welt an geschrieben stehen in
dem Lebensbuch des Lammes, das geschlachtet ist. Off 13, 7- 8;
Das ist der Antichrist, der nicht bekennt, dass Jesus Christus im Fleisch gekommen ist.
2Jh 1,7 Denn viele Verführer sind in die Welt ausgegangen, die nicht
bekennen, dass Jesus Christus in das Fleisch gekommen ist. Das ist der Verführer und der Antichrist. 1,8
Seht euch vor, dass ihr nicht verliert, was wir erarbeitet haben, sondern vollen Lohn empfangt. 1,9 Wer
darüber hinausgeht und bleibt nicht in der Lehre Christi, der hat Gott nicht; wer in dieser Lehre bleibt, der
hat den Vater und den Sohn. 1,10 Wenn jemand zu euch kommt und bringt diese Lehre nicht, so nehmt ihn nicht
ins Haus und grüßt ihn auch nicht. 1,11 Denn wer ihn grüßt, der hat teil an seinen bösen Werken. 2Jh 1,
7-11;
Aus der Annahme, dass der Antichrist als der „wahre Messias” auftreten wird ist auch zu
schließen, dass er anfangs keinesfalls bei den Gottlosen und Ungläubigen die meiste Zustimmung finden wird,
sondern eher bei jenen, die – wie Johannes oben schreibt – über die Lehre hinausgehen. Es werden dies
möglicherweise zuallererst jene großen religiösen Gruppen unter den Juden sein, welche noch immer auf den
Messias warten. Sie werden – anders als zu Jesu Zeiten – in heller Begeisterung dem lang ersehnten „Gesalbten
Gottes” zujubeln.
Aber auch christliche Gruppen wie z. B. die Zeugen Jehovas, Adventisten, u. a. m., welchen heute schon
gepredigt wird, die „baldige Ankunft des Herrn” zu erwarten, ohne darauf hingewiesen zu werden, dass
zuerst der Antichrist kommen muss, werden möglicherweise auf diesen falschen Christus hereinfallen und
meinen, nun sei die Zeit der Herrschaft Gottes gekommen.
Und es tut große Zeichen, und lässt auch Feuer vom Himmel auf die Erde fallen.
Off 13,11 Und ich sah ein zweites Tier aufsteigen aus der Erde; das hatte zwei
Hörner wie ein Lamm und redete wie ein Drache. 13,12 Und es übt alle Macht des ersten Tieres aus vor seinen
Augen, und es macht, dass die Erde und die darauf wohnen, das erste Tier anbeten, dessen tödliche Wunde heil
geworden war. 13,13 Und es tut große Zeichen, so dass es auch Feuer vom Himmel auf die Erde fallen lässt
vor den Augen der Menschen; 13,14 und es verführt, die auf Erden wohnen, durch die Zeichen, die zu tun
vor den Augen des Tieres ihm Macht gegeben ist; und sagt denen, die auf Erden wohnen, dass sie ein Bild
machen sollen dem Tier, das die Wunde vom Schwert hatte und lebendig geworden war. Off 13,11-14;
Durch große Zeichen und Wunder, welche der falsche Prophet im Auftrag des Antichrists
vollbringt, wird es ihm aber nun auch gelingen, die Gottlosen und Ungläubigen von seiner Macht und Kraft zu
überzeugen, ja noch mehr: wie uns der Herr in Mt 24,24 voraussagt, werden in dieser Zeit sogar die
Auserwählten in Gefahr stehen, verführt zu werden. Und es würde dies auch gelingen, wenn nicht der Herr die
Tage der Herrschaft des Antichrists verkürzen würde, so dass diese Auserwählten gerade noch gerettet werden
können. Bis dahin jedoch wird er wahrscheinlich unumschränkte Herrschaft erlangen. Dies bekräftigen auch
die Aussagen von Off 13,3-4:
Und sie beteten den Drachen an, weil er dem Tier die Macht gab.
Off 13,3 Und ich sah eines seiner Häupter, als wäre es tödlich verwundet,
und seine tödliche Wunde wurde heil. Und die ganze Erde wunderte sich über das Tier, 13,4 und sie
beteten den Drachen an, weil er dem Tier die Macht gab, und beteten das Tier an und sprachen: Wer ist dem Tier
gleich, und wer kann mit ihm kämpfen? Off 13, 3- 4;
Die Menschen werden also den Antichrist für den Messias, den Sohn Gottes, und seinen Vater,
den Satan, der ihm diese Macht und Kraft gibt, für Gott halten. Die Macht dieser Täuschung lässt sich
erahnen, wenn man bedenkt, dass selbst die Auserwählten in Gefahr sein werden, verführt zu werden. Es ist
kaum anzunehmen, dass diese Menschen, diese Auserwählten Gottes, durch primitive falsche Lehren von ihrem
Glauben abgebracht werden könnten. Das heißt aber, dass es sich hier tatsächlich um eine ganz subtile und
teuflische Kopie der „Erscheinung Christi” handeln wird, sodass sogar diese Knechte Gottes getäuscht
werden könnten.
Aber der Herr Jesus hat genau dies vorausgesehen als er sagte: „Ich bin gekommen in meines Vaters Namen, und
ihr nehmt mich nicht an. Wenn ein anderer kommen wird in seinem eigenen Namen, den werdet ihr annehmen” (Jh
5,43).
Und so werden die Menschen Satan für Gott, den Antichrist für den Messias und den falschen Propheten für
die dritte Person dieser satanischen „Trinität” halten. Sie werden sie verehren und anbeten. Die
bewundernde Aussage der Menschen in Off 13,4 „Wer ist dem Tier gleich, wer kann mit ihm kämpfen?” ist im
Zusammenhang mit der „Wiederauferstehung” des Tieres zu sehen. Es war tödlich verwundet und seine
tödliche Wunde wurde wieder heil.
Das Tier, das die Wunde vom Schwert hatte und lebendig geworden war.
Off 13,12 Und es übt alle Macht des ersten Tieres aus vor seinen Augen, und es
macht, dass die Erde und die darauf wohnen, das erste Tier anbeten, dessen tödliche Wunde heil geworden
war. 13,13 Und es tut große Zeichen, so dass es auch Feuer vom Himmel auf die Erde fallen lässt vor den
Augen der Menschen; 13,14 und es verführt, die auf Erden wohnen, durch die Zeichen, die zu tun vor den Augen
des Tieres ihm Macht gegeben ist; und sagt denen, die auf Erden wohnen, dass sie ein Bild machen sollen dem
Tier, das die Wunde vom Schwert hatte und lebendig geworden war. Off 13,12-14;
Dieses satanische Wesen wird nun durch lügenhafte Zeichen und Wunder als
religiös-politischer Führer innerhalb kürzester Zeit weltweit an die Macht kommen. Er wird wahrscheinlich
als der „wiedergekommene” Christus von der pseudo-christlichen Weltkirche begrüßt, aber auch vom
Weltjudentum als der Messias anerkannt werden, weil er genau jene Vorstellungen erfüllen wird, welche die
Juden schon zu Zeiten Jesu von diesem gefordert und nicht erhalten haben: Er wird sein Reich aufrichten und
Dank der übernatürlichen Macht, welche ihn durch Satan verliehen ist, alle Feinde, welche sich dagegen
stellen, vernichten.
Nun aber wieder zurück zu den Anfängen dieses falschen Christus’.
Es tat sein Maul auf zur Lästerung gegen Gott, zu lästern seinen Namen und sein Haus.
Off 13,5 Und es wurde ihm ein Maul gegeben, zu reden große Dinge und
Lästerungen, und ihm wurde Macht gegeben, es zu tun zweiundvierzig Monate lang. 13,6 Und es tat sein Maul
auf zur Lästerung gegen Gott, zu lästern seinen Namen und sein Haus und die im Himmel wohnen. Off 13, 5-
6;
Das Horn hatte Augen wie Menschenaugen und ein Maul, das redete große Dinge.
Dan 7,8 Als ich aber auf die Hörner Acht gab, siehe, da brach ein anderes
kleines Horn zwischen ihnen hervor, vor dem drei der vorigen Hörner ausgerissen wurden. Und siehe, das
Horn hatte Augen wie Menschenaugen und ein Maul; das redete große Dinge. Dan 7, 8;
Er wird gegen den Gott der Götter Ungeheuerliches reden.
Dan 11,36 Und der König wird tun, was er will, und wird sich überheben und
grosstun gegen alles, was Gott ist. Und gegen den Gott aller Götter wird er Ungeheuerliches reden, und
es wird ihm gelingen, bis sich der Zorn ausgewirkt hat; denn es muss geschehen, was beschlossen ist. Dan
11,36;
Der wird ganz anders sein als die vorigen und wird drei Könige stürzen.
Dan 7,23 Er sprach: Das vierte Tier wird das vierte Königreich auf Erden sein;
das wird ganz anders sein als alle andern Königreiche; es wird alle Länder fressen, zertreten und zermalmen.
7,24 Die zehn Hörner bedeuten zehn Könige, die aus diesem Königreich hervorgehen werden. Nach ihnen aber
wird ein anderer aufkommen, der wird ganz anders sein als die vorigen und wird drei Könige stürzen. Dan
7,23-24;
Eine der ersten Aktionen dieses neuen Führers wird es sein, die Welt von den Heiligen des
Höchsten, den zwei Zeugen Gottes, den zwei Propheten in Jerusalem zu befreien. Das, was in den vergangenen
dreieinhalb Jahren schon viele versucht haben, aber noch keinem gelungen ist, will er nun in die Hand nehmen
und der Welt seine Macht zeigen.
Der Antichrist zieht mit seinen heidnischen Heeren nach Jerusalem und kämpft dort selbst, mit
der Macht die ihm Satan gegeben hat, gegen die zwei Gottesmänner. Da nun der Zeugendienst der zwei Gesalbten
zu Ende ist, ist es dem Antichrist gegeben, sie zu besiegen und zu töten. Dieser Sieg ist es dann wohl auch,
welcher die Bewunderung der ganzen Welt für diesen falschen „Messias” hervorruft und welche in Off 13,4:
„Wer ist dem Tier gleich, und wer kann mit ihm kämpfen?” zum Ausdruck kommt.
Das Tier wird mit den zwei Zeugen kämpfen und sie töten.
Off 11,7 Und wenn sie ihr Zeugnis vollendet haben, so wird das Tier, das aus
dem Abgrund aufsteigt, mit ihnen kämpfen und wird sie überwinden und wird sie töten. 11,8 Und
ihre Leichname werden liegen auf dem Marktplatz der großen Stadt, die heißt geistlich: Sodom und Ägypten,
wo auch ihr Herr gekreuzigt wurde. 11,9 Und Menschen aus allen Völkern und Stämmen und Sprachen und Nationen
sehen ihre Leichname drei Tage und einen halben und lassen nicht zu, dass ihre Leichname ins Grab gelegt
werden 11,10 Und die auf Erden wohnen, freuen sich darüber und sind fröhlich und werden einander Geschenke
senden; denn diese zwei Propheten hatten gequält, die auf Erden wohnten. Off 11, 7-10;
Das Tier wird mit den Heiligen kämpfen und sie überwinden.
Off 13,7 Und ihm (dem Tier /Anm.) wurde Macht gegeben, zu kämpfen mit den
Heiligen und sie zu überwinden; und ihm wurde Macht gegeben über alle Stämme und Völker und Sprachen
und Nationen. Off 13, 7;
Das Horn kämpft gegen die Heiligen und behält den Sieg über sie.
Dan 7,21 Und ich sah das [elfte] Horn kämpfen gegen die Heiligen, und es
behielt den Sieg über sie, 7,22 bis der kam, der uralt war, und das Gericht den Heiligen des Höchsten
gegeben wurde und bis die Zeit kam, dass die Heiligen das Reich empfingen. Dan 7,21-22;
Der [elfte] König wird die Heiligen des Höchsten vernichten.
Dan 7,25 Er [der elfte König] wird den Höchsten lästern und die
Heiligen des Höchsten vernichten und wird sich unterstehen, Festzeiten und Gesetz zu ändern. Dan 7,25;
Manche Ausleger vertreten die Auffassung, dass mit den „Heiligen des Höchsten” in den
obigen Texten das Volk Gottes in Jerusalem gemeint ist. Tatsächlich ist jedoch aus Off 11,3-10 ersichtlich,
dass das Jerusalem dieser Zeit mit „Sodom und Ägypten” vergleichbar ist. Das heißt, dass die Menschen
dort gottlos sind und die Einwohner Jerusalems sogar verhindern, dass man die zwei Zeugen Gottes begräbt. Sie
sind also fürwahr keine „Heiligen”, wie Off 13,7 voraussetzt.
Andere Interpreten wieder sehen in den „Heiligen” der obigen drei Schriftstellen immer wieder „die
Gemeinde”. Es scheint jedoch, dass wir unsere Rolle als Gemeinde bei der Auslegung viel zu unkritisch sehen.
Das zeigt auch beispielsweise der Umstand, dass die Erste Auferstehung immer wieder als Auferstehung der „ganzen
Gemeinde” interpretiert wird, obwohl in Off 20,4 ausdrücklich nur von jenen gesprochen wird, die um des
Wortes Gottes und ihres Zeugnisses für Jesus willen, enthauptet worden waren. Das heißt doch, dass
dort eindeutig nur von den Märtyrern die Rede ist, welche um ihres Glaubens willen getötet worden
sind, und daher auch nur diese dann an der Ersten Auferstehung teilnehmen werden.
Es sind also hier mit den „Heiligen” nicht die Glieder der Gemeinde, sondern die „Heiligen des Höchsten”,
die zwei Propheten Gottes gemeint. Die Übersetzung Luthers mit „vernichten” ist hier etwas irreführend.
Es heißt wörtlich wohl eher „überwinden” , wie wir es sinngemäß auch in Off 11,7 und 13,7 vorfinden.
Denn tatsächlich werden diese beiden Propheten zwar getötet, wie es in Off 11,7 prophezeit wird, allerdings
werden sie ja nach Off 11,11 am Ende von dreieinhalb Tagen wieder auferstehen und in den Himmel auffahren,
also keinesfalls „vernichtet” sein.
Die spezielle Auslegung der Siebenten-Tags-Adventisten, welche in diesen beiden Zeugen das „Alte und das
Neue Testament” sehen wollen, bedarf wohl keiner ausführlichen Erörterung. Wenn man die Aussagen des
Textes berücksichtigt, dass diese beiden Zeugen Propheten genannt werden, dass Feuer aus ihrem Mund kommt und
ihre Feinde vernichtet, dass sie getötet werden, ihre Leichname auf den Straßen der Stadt Jerusalem liegen
und sie sich nach dreieinhalb Tagen „auf ihre Füße stellen” und in einer Wolke in den Himmel entrückt
werden, lässt sich eine Identifikation mit dem „Altem und Neuem Testament” keinesfalls - auch nicht
symbolisch - konstruieren.
Es zeigt sich hier – wie bei manchen anderen Auslegern auch -, dass immer dann, wenn die Schrift nur
oberflächlich betrachtet und die Zeit in eine genaue Analyse des Textes, des Kontextes und der
Parallelstellen nicht investiert wird, naturgemäß das richtige Verständnis fehlt und dann, als
Verlegenheitslösung, die „Symbolik” herhalten muss, wo dann alles und jedes hineininterpretiert werden
kann.
Mit dem Attribut „heilig” oder „Heilige” werden nun - besonders auch bei Daniel – immer wieder Engel
oder andere Himmelsbewohner bezeichnet:
Dan 4,10 Ich schaute in den Gesichten, die ich auf meinem Lager hatte, und siehe,
ein Wächter und Heiliger stieg vom Himmel herab. Dan 4,10;
Dan 4,14 Durch den Beschluss der Wächter ist diese Botschaft zustande
gekommen, und ein Spruch der Heiligen ist diese Sache, damit die Lebenden erkennen, dass der Höchste
Macht hat über das Königtum der Menschen und es verleiht, wem er will, und den Niedrigsten der Menschen
darüber einsetzt. Dan 4,14;
Dan 4,20 Und dass der König einen Wächter und Heiligen vom Himmel
herabsteigen sah, der sprach: «Haut den Baum um und zerstört ihn! Doch seinen Wurzelstock lasst in der Erde,
und zwar in einer Fessel aus Eisen und Bronze im Grün des Feldes! Und vom Tau des Himmels mag er benetzt
werden, und bei den Tieren des Feldes soll er sein Teil haben, bis sieben Jahre über ihn hingegangen sind!».
Dan 4,20;
Dan 8,13 Ich hörte aber einen Heiligen reden, und ein anderer Heiliger
sprach zu dem, der da redete: Wie lange gilt dies Gesicht vom täglichen Opfer und vom verwüstenden Frevel
und vom Heiligtum, das zertreten wird? Dan 8,13;
Wir können daher davon ausgehen, dass auch weiter oben, in Dan 7,21 und 25 mit „Heilige”
und „Heilige des Höchsten” solche Himmelsbewohner gemeint sind, nämlich, wie Off 11,4 sagt „die zwei
Ölbäume und die zwei Leuchter, die vor dem Herrn der Erde stehen”. Es sind die beiden, von Gott auf die
Erde gesandten Zeugen in Jerusalem, welche vom Himmel herabgekommen sind, um hier dreieinhalb Jahre zu
weissagen. Auch hier geht dieser Zusammenhang ausdrücklich aus Off 11,7 hervor. Der hier gebrauchte Ausdruck
„überwinden” ist auch im grie Urtext ident mit jenem aus Off 13,7.
Die dreieinhalb Jahre sind also vorbei und die Aufgabe der zwei Zeugen ist beendet. Gott ruft
sie wieder zu sich und lässt es zu, dass sie der Antichrist tötet. Aus diesem Blickwinkel lässt sich
möglicherweise auch hier die Identität der beiden Zeugen etwas erhellen. Wir wissen, dass in der Ersten
Auferstehung nur die Märtyrer auferstehen und im Millennium mit dem Herrn mitregieren werden.
Wenn nun der Herr den Elia und den Mose in seiner Regierung dabei haben möchte, und die Voraussetzung des
Märtyrertodes bei dem gerechten Herrn für wirklich alle gilt, müssten jene, welche nicht eines gewaltsamen
Todes starben – wie Mose – oder welche überhaupt nicht gestorben sind, sondern schon zu Lebzeiten
entrückt wurden – wie Elia, möglicherweise aber auch Hennoch - noch einmal auf diese Erde kommen, um als
Märtyrer getötet zu werden und damit die Voraussetzung für die Erste Auferstehung zu erfüllen.
Wie auch immer, die Leichname dieser beiden Männer liegen nun auf dem Marktplatz der Stadt, in der auch ihr
Herr gekreuzigt ward - also in Jerusalem. Unter den Menschen der ganzen Welt bricht ein Freudentaumel aus. Sie
beglückwünschen sich gegenseitig, und um dieses Bild der „Erlösung” den Menschen weltweit präsentieren
zu können, verhindern sie, dass diese zwei Toten begraben werden.
Nach dreieinhalb Tagen werden die zwei Propheten auferstehen.
Off 11,11 Und nach drei Tagen und einem halben fuhr in sie der Geist des
Lebens von Gott, und sie stellten sich auf ihre Füße; und eine große Furcht fiel auf die, die sie
sahen.
11,12 Und sie hörten eine große Stimme vom Himmel zu ihnen sagen: Steigt herauf! Und sie stiegen auf in den
Himmel in einer Wolke, und es sahen sie ihre Feinde.
11,13 Und zu derselben Stunde geschah ein großes Erdbeben, und der zehnte Teil der Stadt stürzte ein; und es
wurden getötet in dem Erdbeben siebentausend Menschen, und die andern erschraken und gaben dem Gott des
Himmels die Ehre. 11,14 Das zweite Wehe ist vorüber; siehe, das dritte Wehe kommt schnell. Off 11,11-14;
Mitten in diese Freudenfeiern hinein fällt eine Schreckensbotschaft. Nach dreieinhalb Tagen
werden diese zwei Toten plötzlich wieder lebendig und fahren in einer Wolke zum Himmel auf. Und zur gleichen
Zeit ereignet sich in Jerusalem ein großes Erdbeben. Siebentausend Menschen werden getötet und ein Zehntel
der Stadt stürzt ein. Und erst jetzt besinnen sich die übriggebliebenen Menschen in Jerusalem auf ihren Gott
und geben ihm die Ehre.
Doch der Antichrist lässt sich von all dem nicht beeindrucken. Bisher war Jerusalem ja
sozusagen Sperrgebiet der zwei Zeugen. Wer auch immer versucht hatte, sie anzugreifen, wurde von ihnen
vernichtet. Nun ist aber der Bann gebrochen. Nach der Eliminierung der zwei Zeugen besetzt der Antichrist mit
seinen Truppen die ganze Stadt. Sie plündern die Häuser, die Frauen werden geschändet und die Hälfte der
Stadtbevölkerung wird von ihnen weggeführt.
Denn ich werde alle Heiden sammeln zum Kampf gegen Jerusalem.
Sach 14,1 Siehe, es kommt für den HERRN die Zeit, dass man in deiner Mitte unter
sich verteilen wird, was man dir geraubt hat. 14,2 Denn ich werde alle Heiden sammeln zum Kampf gegen
Jerusalem. Und die Stadt wird erobert, die Häuser werden geplündert und die Frauen geschändet werden. Und
die Hälfte der Stadt wird gefangen weggeführt werden, aber das übrige Volk wird nicht aus der Stadt
ausgerottet werden. Sach 14, 1- 2;
Das große Erdbeben in Jerusalem bei der Entrückung der zwei Zeugen hat siebentausend
Menschen gefordert. Der überlebende Rest der Stadtbevölkerung hat sich bekehrt und tat Buße. Die Menschen
in Jerusalem sind also zu diesem Zeitpunkt alle gläubig und beten den wahren Gott an. Und dies ist nun
möglicherweise ein Grund mehr für den Antichrist, um diese Menschen zu verfolgen zu töten und zu
vertreiben.
Kurze Zeit haben sie dein heiliges Volk vertrieben und dein Heiligtum zertreten.
Jes 63,18 Kurze Zeit haben sie dein heiliges Volk vertrieben, unsre
Widersacher haben dein Heiligtum zertreten. 63,19 Wir sind geworden wie solche, über die du niemals
herrschtest, wie Leute, über die dein Name nie genannt wurde. Ach dass du den Himmel zerrissest und führest
herab, dass die Berge vor dir zerflössen, Jes 63,18-19;
Sie werden fallen durch das Schwert und gefangen weggeführt unter alle Völker.
Lk 21,20 Wenn ihr aber sehen werdet, dass Jerusalem von einem Heer belagert
wird, dann erkennt, dass seine Verwüstung nahe herbeigekommen ist. 21,21 Alsdann, wer in Judäa ist, der
fliehe ins Gebirge, und wer in der Stadt ist, gehe hinaus, und wer auf dem Lande ist, komme nicht herein.
21,22 Denn das sind die Tage der Vergeltung, dass erfüllt werde alles, was geschrieben ist.
21,23 Weh aber den Schwangeren und den Stillenden in jenen Tagen! Denn es wird große Not auf Erden sein und
Zorn über dies Volk kommen, 21,24 und sie werden fallen durch die Schärfe des Schwertes und gefangen
weggeführt unter alle Völker, und Jerusalem wird zertreten werden von den Heiden, bis die Zeiten der
Heiden erfüllt sind. Lk 21,20-24;
Jerusalem wird von den Heiden zertreten zweiundvierzig Monate lang.
Off 11,1 Und es wurde mir ein Rohr gegeben, einem Messstab gleich, und mir wurde
gesagt: Steh auf und miss den Tempel Gottes und den Altar und die dort anbeten. 11,2 Aber den äußeren Vorhof
des Tempels lass weg und miss ihn nicht, denn er ist den Heiden gegeben; und die heilige Stadt werden sie
zertreten zweiundvierzig Monate lang. Off 11, 1- 2;
Bei diesen Schriftstellen über die Eroberung Jerusalems, könnte leicht der Eindruck
entstehen, es handle sich auch hier um die Zerstörung der Stadt im Jahr 70 n. Chr., am Ende des ersten
jüdischen Aufstandes gegen die Römer. Damals wurde die Stadt und der Tempel nach fünfmonatiger Belagerung
von Titus erobert und völlig zerstört. Und wie wir oben gesehen haben, gibt es auch Schriftstellen, welche
auf dieses Ereignis hinweisen (Lk 19,41-44; Jes 29,1-4), so dass man wirklich genau unterscheiden muss. Ein
wichtiger Anhaltspunkt für die Exegese in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, dass im Jahre 70 auch der
Tempel völlig niedergerissen wurde, in der siebzigsten Jahrwoche jedoch gerade der Tempel unversehrt bleibt.
Dies erkennen wir einerseits aus Off 11,2, wo nur der äußere Vorhof - also der Bereich außerhalb des
Tempels - von der Zerstörung betroffen ist, andererseits auch aus dem Umstand, dass etwas später der
Antichrist sein Bild im Tempel aufstellen und anbeten lässt (Mt 24,15; Dan 9,27; 11,31), was voraussetzt,
dass es diesen Tempel auch noch gibt. Abgesehen davon muss man realisieren, dass die Aussage in Off 11,2: „die
heilige Stadt werden sie (nämlich die Heiden) zertreten zweiundvierzig Monate”, in den neunziger Jahren
unserer Zeitrechnung geschrieben wurde, die Eroberung durch Titus zu diesem Zeitpunkt schon mindestens zwanzig
Jahre zurücklag und daher dieser Text - als Prophezeiung - keinesfalls auf dieses Ereignis bezogen sein kann.
Aber auch aus Sach Kap. 14 lässt sich der zeitliche Zusammenhang ableiten. In den Versen 1-2 (siehe oben)
wird die Eroberung und Plünderung der Stadt durch die Heiden prophezeit. In den Versen 3, 12 und 16 dieses
Kapitels wird auf diese Völker /Heiden Bezug genommen, die vorher gegen Jerusalem in den Kampf gezogen sind
und welche dann – in der Schlacht von Harmagedon – vom Herrn geschlagen und besiegt werden.
Und der HERR wird ausziehen und kämpfen gegen diese Heiden.
Sach 14,3 Und der HERR wird ausziehen und kämpfen gegen diese Heiden, wie
er zu kämpfen pflegt am Tage der Schlacht. 14,4 Und seine Füße werden stehen zu der Zeit auf dem Ölberg,
der vor Jerusalem liegt nach Osten hin. Und der Ölberg wird sich in der Mitte spalten, vom Osten bis zum
Westen, sehr weit auseinander, so dass die eine Hälfte des Berges nach Norden und die andere nach Süden
weichen wird. 14,5 Und das Tal Hinnom wird verstopft werden, denn das Tal wird an die Flanke des Berges
stoßen. Und ihr werdet fliehen, wie ihr vorzeiten geflohen seid vor dem Erdbeben zur Zeit Usijas, des Königs
von Juda. Da wird dann kommen der HERR, mein Gott, und alle Heiligen mit ihm. Sach 14, 3- 5;
Der Herr wird alle Völker schlagen, die gegen Jerusalem in den Kampf gezogen sind.
Sach 14,12 Und dies wird die Plage sein, mit welcher der HERR alle Völker
schlagen wird, die gegen Jerusalem in den Kampf gezogen sind: ihr Fleisch wird verwesen, während sie noch
auf ihren Füßen stehen, und ihre Augen werden in ihren Höhlen verwesen und ihre Zungen im Mund.
14,13 Zu der Zeit wird der HERR eine große Verwirrung unter ihnen anrichten, so dass einer den andern bei der
Hand packen und seine Hand wider des andern Hand erheben wird; 14,14 und auch Juda wird in Jerusalem kämpfen.
Und man wird zusammenbringen die Güter aller Heiden ringsumher: Gold, Silber und Kleider über die Maßen
viel.
14,15 Und so wird dann diese Plage auch kommen über Rosse, Maultiere, Kamele, Esel und alle Tiere, die in
diesem Heer sind; sie werden von ihr geschlagen gleichwie jene.
14,16 Und alle, die übriggeblieben sind von allen Heiden, die gegen Jerusalem zogen, werden jährlich
heraufkommen, um anzubeten den König, den HERRN Zebaoth, und um das Laubhüttenfest zu halten. Sach 14,12-16;
Also beziehen sich die Verse Sach 14,3, 12 und 16 direkt auf den Vers 2. Nun ist aber von der
Einnahme Jerusalems im Jahre 70 weder eine Seuche, noch eine Verwirrung unter dem römischen Kriegsvolk
überliefert. Auch ist die Aussage von Vers 16, dass die übriggebliebenen Heiden jährlich heraufkommen nach
Jerusalem, um den Herrn anzubeten, in dieser Form bisher nicht erfüllt worden, so dass man diese Prophezeiung
in das Millennium platzieren muss. Und da wäre es kaum verständlich, wenn sich der Hinweis auf „alle, die
übriggeblieben sind von allen Heiden, die gegen Jerusalem zogen” auf die Truppen des Titus vor nunmehr
schon fast zweitausend Jahren beziehen würde.
Des Herrn Zorn ist entbrannt über sein Volk und er schlägt sie, dass die Berge beben.
Jes 5,25 Darum ist der Zorn des HERRN entbrannt über sein Volk, und er
reckt seine Hand wider sie und schlägt sie, dass die Berge beben und ihre Leichen sind wie Kehricht auf
den Gassen. Und bei all dem lässt sein Zorn nicht ab, sondern seine Hand ist noch ausgereckt.
5,26 Er wird ein Feldzeichen aufrichten für das Volk in der Ferne und pfeift es herbei vom Ende der Erde.
Und siehe, eilends und schnell kommen sie daher. 5,27 Keiner unter ihnen ist müde oder schwach, keiner
schlummert noch schläft; keinem geht der Gürtel auf von seinen Hüften, und keinem zerreißt ein
Schuhriemen. 5,28 Ihre Pfeile sind scharf und alle ihre Bogen gespannt; die Hufe ihrer Rosse sind hart wie
Kieselsteine, und ihre Wagenräder sind wie ein Sturmwind. 5,29 Ihr Brüllen ist wie das der Löwen, und sie
brüllen wie junge Löwen. Sie werden daherbrausen und den Raub packen und davontragen, dass niemand retten
kann.
5,30 Und es wird über ihnen brausen zu der Zeit wie das Brausen des Meeres. Wenn man dann das Land ansehen
wird, siehe, so ist es finster vor Angst, und das Licht scheint nicht mehr über ihnen. Jes 5,25-30;
(Siehe auch Kapitel 02: „Die Eroberung und Zerstreuung
Jerusalems”.)
Der untere Text aus Dan 9,27 ist die Schlüsselstelle für das Verständnis des zeitlichen
Zusammenhangs zwischen den 1260 Tagen der zwei Zeugen und den 42 Monaten des Antichrists. Dieser wird bei
seinem Kommen zuerst die zwei Zeugen überwinden und sodann jene, welche für 3 ½ Zeiten in seine Hand
gegeben werden, durch die Änderung ihrer religiöser Festzeiten und ihres religiösen Gesetzes in Bedrängnis
bringen.
Und in der Mitte der Woche wird er Schlachtopfer und Speisopfer abschaffen.
Dan 9,27 Er wird aber vielen den Bund schwer machen eine Woche lang. Und in
der Mitte der Woche wird er Schlachtopfer und Speisopfer abschaffen. Und im Heiligtum wird stehen der
Gräuel der Verwüstung, bis das Verderben, das beschlossen ist, sich über die Verwüstung ergießen wird.
Dan 9,27;
Sie werden in seine Hand gegeben werden eine Zeit und zwei Zeiten und eine halbe Zeit.
Dan 7,25 Er (der elfte König /Anm.) wird den Höchsten lästern und die Heiligen
des Höchsten vernichten und wird sich unterstehen, Festzeiten und Gesetz zu ändern. Sie werden in seine
Hand gegeben werden eine Zeit und zwei Zeiten und eine halbe Zeit. Dan 7,25;
Das regelmäßige Opfer wird abgeschafft, um den verwüstenden Gräuel einzusetzen.
Dan 12,9 Und er sagte: Geh hin, Daniel! Denn die Worte sollen geheimgehalten und versiegelt
sein bis zur Zeit des Endes. 12,10 Viele werden geprüft und gereinigt und geläutert werden. Aber die
Gottlosen werden weiter gottlos handeln. Und die Gottlosen werden es alle nicht verstehen, die Verständigen
aber werden es verstehen.
12,11 Und von der Zeit an, in der das regelmäßige Opfer abgeschafft wird, um den verwüstenden Gräuel
einzusetzen, sind es 1290 Tage. 12,12 Glücklich, wer ausharrt und 1335 Tage erreicht! 12,13 Du aber geh
hin auf das Ende zu! Und du wirst ruhen und wirst auferstehen zu deinem Los am Ende der Tage. Dan 12, 9-13;
Er herrscht 3 ½ Jahre, wenn die Zerstreuung des heiligen Volks ein Ende hat.
Dan 12,6 Und er sprach zu dem Mann in leinenen Kleidern, der über den Wassern
des Stroms stand: Wann sollen denn diese großen Wunder geschehen? 12,7 Und ich hörte den Mann in leinenen
Kleidern, der über den Wassern des Stroms stand. Er hob seine rechte und linke Hand auf gen Himmel und schwor
bei dem, der ewiglich lebt, dass es eine Zeit und zwei Zeiten und eine halbe Zeit währen soll; und wenn
die Zerstreuung des heiligen Volks ein Ende hat, soll dies alles geschehen. Dan 12, 6- 7;
Der Antichrist hat nun gewonnenes Spiel. Er hat die zwei Propheten, welche die Erde mit
Hungersnot und Seuchen geschlagen haben, besiegt und die Stadt Gottes - Jerusalem - erobert. Er ist der „Retter”
der Welt, er ist „der Messias” und der, der ihn gesandt hat, ist „Gott”.
Diesen „Gott”, den Satan, werden die Menschen nun anbeten. Und diesen „Messias”, der nun endlich
gekommen zu sein scheint, um das Reich und die Herrschaft auf Erden aufzurichten, werden auch die Juden
anerkennen. Er muss kaum noch nachhelfen; alle Welt will, dass er der Weltherrscher wird. Der „Messias” in
seinem Friedensreich! Das Tausendjährige Reich scheint angebrochen. Er bekommt Macht über alle Nationen und
Völker.
Aber der Schein trügt. Auch diese seine Macht ist vom wahren Gott nur geduldet. Und er hat nur kurze Zeit, um
sie auszuüben. Dreieinhalb Jahre, also 42 Monate sind ihm gegeben. Dann wird es auch mit ihm ein Ende nehmen.
Die Heiden werden die heilige Stadt zertreten zweiundvierzig Monate lang.
Off 11,1 Und es wurde mir ein Rohr gegeben, einem Messstab gleich, und mir wurde
gesagt: Steh auf und miss den Tempel Gottes und den Altar und die dort anbeten. 11,2 Aber den äußeren Vorhof
des Tempels lass weg und miss ihn nicht, denn er ist den Heiden gegeben; und die heilige Stadt werden sie
zertreten zweiundvierzig Monate lang. Off 11, 1- 2;
Er wird gegen den Gott aller Götter Ungeheuerliches reden und sowohl den Vater als auch den
Sohn leugnen. Er wird alle jene zur Ungerechtigkeit verführen, die verloren sind, denn ihnen sendet Gott die
Macht der Verführung, so dass sie der Lüge glauben, und damit alle gerichtet werden, die der Wahrheit nicht
glaubten.
Und gegen den Gott aller Götter wird er Ungeheuerliches reden.
Dan 11,36 Und der König wird tun, was er will, und wird sich überheben und grosstun
gegen alles, was Gott ist. Und gegen den Gott aller Götter wird er Ungeheuerliches reden, und es wird ihm
gelingen, bis sich der Zorn ausgewirkt hat; denn es muss geschehen, was beschlossen ist. 11,37 Auch die
Götter seiner Väter wird er nicht achten; er wird weder den Lieblingsgott der Frauen noch einen andern Gott
achten; denn er wird sich über alles erheben.
11,38 Dagegen wird er den Gott der Festungen verehren; den Gott, von dem seine Väter nichts gewusst haben,
wird er ehren mit Gold, Silber, Edelsteinen und Kostbarkeiten. 11,39 Und er wird die starken Festungen dem
fremden Gott unterstellen. Denen, die ihn erwählen, wird er große Ehre antun und sie zu Herren machen über
viele und ihnen Land zum Lohn austeilen. Dan 11,36-39;
Die Texte aus Dan 11,31-39, welche in diesem Kapitel auf den Antichrist bezogen werden, haben
ihre Vorerfüllung bereits in der Zeit des Antiochus IV. Epiphanes in den Jahren 175-171 v. Chr. gefunden.
Während man jedoch die Verse Dan 11,31-36 noch problemlos mit den geschichtlichen Überlieferungen aus der
Zeit des Antiochus’ interpretieren kann, wird die Auslegung in diese Richtung ab Vers 37 immer schwieriger.
Es zeigt sich also hier dasselbe Bild wie in Dan 9,26 und 27: Während Dan 9,26 noch ziemlich eindeutig auf
Titus gedeutet werden kann, ist Vers 27 – obwohl darin mit „Er” weiterhin auf den „Fürsten” in Vers
26 Bezug genommen wird - bereits der Antichrist gemeint. Und ganz ähnlich auch hier: Die Verse Dan 11,21-36
lassen sich ganz eindeutig Antiochus und seiner Zeit zuordnen. Ab Vers 37 jedoch nimmt der geschichtliche
Bezug zu Antiochus ab und wir erkennen immer deutlicher die Züge des Antichrists, den wir dann ab Vers 40
eindeutig identifizieren können.
(Siehe auch die Tabelle 04: „Die Offenbarung aus dem Buch der
Wahrheit”.)
Nachdem Satan das erste Tier, den Antichrist, aus dem Meer geholt hat, lässt er noch ein
zweites Tier erstehen. Diesmal aus der Erde. Es ist der falsche Prophet, und dieser handelt im Auftrag und in
der Macht des ersten Tieres. Auch er tut große Zeichen und erreicht schließlich, dass die ganze Welt das
erste Tier, den Antichrist, anbetet. Sie beten ihn als den „Erlöser” an, und der falsche Prophet bringt
die Menschen dazu, ein Bild von ihm zu machen und auch dieses anzubeten. Jeder, der nicht bereit ist dieses
Bild anzubeten, ist ein „Gotteslästerer” und wird getötet.
Und ich sah ein zweites Tier aufsteigen aus der Erde; das hatte zwei Hörner.
Off 13,11 Und ich sah ein zweites Tier aufsteigen aus der Erde; das hatte zwei
Hörner wie ein Lamm und redete wie ein Drache.
13,12 Und es übt alle Macht des ersten Tieres aus vor seinen Augen, und es macht, dass die Erde und die
darauf wohnen, das erste Tier anbeten, dessen tödliche Wunde heil geworden war. 13,13 Und es tut
große Zeichen, so dass es auch Feuer vom Himmel auf die Erde fallen lässt vor den Augen der Menschen; 13,14
und es verführt, die auf Erden wohnen, durch die Zeichen, die zu tun vor den Augen des Tieres ihm Macht
gegeben ist; und sagt denen, die auf Erden wohnen, dass sie ein Bild machen sollen dem Tier, das die
Wunde vom Schwert hatte und lebendig geworden war. Off 13,11-14;
Und diesem falschen Propheten gelingt es auch in seiner Macht, dieses Bild sprechen zu lassen.
Eine der ersten Aussagen des Bildes ist nun, dass sich alle Menschen ein Zeichen an ihre Stirn und ihre rechte
Hand machen müssen. Wer dieses Zeichen nicht hat, wird verfolgt und getötet.
Und es wurde ihm Macht gegeben, Geist zu verleihen dem Bild des Tieres.
Off 13,15 Und es wurde ihm Macht gegeben, Geist zu verleihen dem Bild des
Tieres, damit das Bild des Tieres reden und machen könne, dass alle, die das Bild des Tieres nicht anbeteten,
getötet würden. 13,16 Und es macht, dass sie allesamt, die Kleinen und Großen, die Reichen und Armen,
die Freien und Sklaven, sich ein Zeichen machen an ihre rechte Hand oder an ihre Stirn, 13,17 und
dass niemand kaufen oder verkaufen kann, wenn er nicht das Zeichen hat, nämlich den Namen des Tieres oder die
Zahl seines Namens. 13,18 Hier ist Weisheit! Wer Verstand hat, der überlege die Zahl des Tieres; denn es
ist die Zahl eines Menschen, und seine Zahl ist sechshundertundsechsundsechzig. Off 13,15-18;
Der falsche Prophet lässt dieses Bild zur Anbetung an heiliger Stätte, im Tempel in
Jerusalem aufstellen. In der Folge ändert er die Festzeiten und die Gesetze des jüdischen Gottesdienstes und
schafft das tägliche Opfer ab.
Er wird sich unterstehen, Festzeiten und Gesetz zu ändern.
Dan 7,25 Er wird den Höchsten lästern und die Heiligen des Höchsten vernichten
und wird sich unterstehen, Festzeiten und Gesetz zu ändern. Sie werden in seine Hand gegeben werden
eine Zeit und zwei Zeiten und eine halbe Zeit. Dan 7,25;
Und im Heiligtum wird stehen der Gräuel der Verwüstung.
Dan 9,26 Und nach den zweiundsechzig Wochen wird ein Gesalbter ausgerottet werden
und nicht mehr sein. Und das Volk eines Fürsten wird kommen und die Stadt und das Heiligtum zerstören,
aber dann kommt sein Ende durch eine Flut, und bis zum Ende wird es Krieg geben und Verwüstung, die längst
beschlossen ist.
9,27 Er wird aber vielen den Bund schwer machen eine Woche lang. Und in der Mitte der Woche wird er
Schlachtopfer und Speisopfer abschaffen. Und im Heiligtum wird stehen der Gräuel der Verwüstung, bis das
Verderben, das beschlossen ist, sich über die Verwüstung ergießen wird. Dan 9,26-27;
Dan 12,11 Und von der Zeit an, da das tägliche Opfer abgeschafft und der Gräuel der Verwüstung
aufgestellt wird, sind tausendzweihundertneunzig Tage. Dan 12,11;
Aus den obigen Parallelstellen in Dan 7,25; 9,27 und 12,11 lässt sich aber noch eine weitere
Erkenntnis gewinnen: Schlachtopfer und Speisopfer sind Bestandteile des jüdischen Gottesdienstes im Tempel.
Dieser Gottesdienst kann also nur im Tempel durchgeführt werden. Nachdem es jedoch in Jerusalem seit der
Zerstörung durch Titus, im Jahr 70, keinen Tempel mehr gibt, kann bis heute ein gesetzeskonformer
Gottesdienst nicht gehalten werden.
Diese lange Zeit ohne Gottesdienst weissagt auch der Prophet Hosea.
Lange Zeit werden die Israeliten ohne Opfer bleiben.
Hos 3,4 Denn lange Zeit werden die Israeliten ohne König und ohne Obere
bleiben, ohne Opfer, ohne Steinmal, ohne Efod und ohne Hausgott. 3,5 Danach werden sich die Israeliten
bekehren und den HERRN, ihren Gott, und ihren König David suchen und werden mit Zittern zu dem HERRN und
seiner Gnade kommen in letzter Zeit. Hos 3, 4- 5;
Wenn nun zu dieser Zeit, in der Mitte der siebzigsten Jahrwoche, Schlachtopfer und Speisopfer
abgeschafft und Festzeiten und Gesetz geändert werden sollen, so müssen sie vorher ja bestanden haben und
ein regulärer Gottesdienst muss möglich gewesen sein. Dies, und der Umstand, dass ja auch der Gräuel der
Verwüstung im „Heiligtum” bzw. „an heiliger Stätte” steht, setzt voraus, dass in Jerusalem ein
Tempel steht.
Wir erkennen hier sehr genau, dass zwischen Dan 9,26: „...Und das Volk eines Fürsten wird kommen und die
Stadt und das Heiligtum zerstören...” – also Titus im Jahre 70 n. Chr. - und dem nächsten Vers,
Dan 9,27: „... Und im Heiligtum wird stehen der Gräuel der Verwüstung...” ein Zeitraum von bis
jetzt fast zweitausend Jahren liegt.
Dass dieser Tempel - der dritte übrigens - voraussichtlich schon in unserer Zeit gebaut werden wird, ist im
Kapitel 10 näher ausgeführt. Wir können also davon ausgehen, dass zu Beginn der siebzigsten Jahrwoche in
Jerusalem ein Tempel steht und der jüdische Gottesdienst mit Schlachtopfer und Speisopfer gefeiert wird.
(Siehe auch Kapitel 10: „Das Millennium”.)
Dieser Gräuel der Verwüstung im Tempel, von welchem wir oben, in Dan 9,27 und 12,11 lesen,
wird auch im NT wiederholt erwähnt. So schreibt Paulus den Thessalonichern in seinem zweiten Brief vom „Mensch
der Bosheit”, der sich in den Tempel setzt und vorgibt Gott zu sein.
Der Mensch der Bosheit setzt sich in den Tempel und gibt vor, er sei Gott.
2The 2,3 Lasst euch von niemandem verführen, in keinerlei Weise; denn zuvor
muss der Abfall kommen und der Mensch der Bosheit offenbart werden, der Sohn des Verderbens. 2,4 Er ist
der Widersacher, der sich erhebt über alles, was Gott oder Gottesdienst heißt, so dass er sich in den
Tempel Gottes setzt und vorgibt, er sei Gott. 2The 2, 3- 4;
Und auch in den Evangelien weist der Herr darauf hin, dass der Gräuel der Verwüstung im
Tempel für die Gläubigen ein Zeichen zur Flucht sein sollte.
Wenn ihr nun sehen werdet den Gräuel der Verwüstung an der heiligen Stätte.
Mt 24,15 Wenn ihr nun den Gräuel der Verwüstung, von dem durch Daniel, den
Propheten, geredet ist, an heiliger Stätte stehen seht - wer es liest, der merke auf! -, 24,16 dann
sollen die in Judäa auf die Berge fliehen; 24,17 wer auf dem Dach ist, soll nicht hinabsteigen, um die
Sachen aus seinem Haus zu holen; 24,18 und wer auf dem Feld ist, soll nicht zurückkehren, um seinen Mantel zu
holen. 24,19 Wehe aber den Schwangeren und den Stillenden in jenen Tagen! 24,20 Betet aber, dass eure Flucht
nicht im Winter geschehe noch am Sabbat!
24,21 Denn dann wird große Bedrängnis sein, wie sie von Anfang der Welt bis jetzt
nicht gewesen ist und auch nie sein wird. 24,22 Und wenn jene Tage nicht verkürzt würden, so würde
kein Fleisch gerettet werden; aber um der Auserwählten willen werden jene Tage verkürzt werden. Mt
24,15-22;
Alsdann, wer in Judäa ist, der fliehe auf die Berge.
Mk 13,14 Wenn ihr aber sehen werdet das Greuelbild der Verwüstung stehen, wo
es nicht soll - wer es liest, der merke auf! -, alsdann, wer in Judäa ist, der fliehe auf die Berge.
13,15 Wer auf dem Dach ist, der steige nicht hinunter und gehe nicht hinein, etwas aus seinem Hause zu holen.
13,16 Und wer auf dem Feld ist, der wende sich nicht um, seinen Mantel zu holen. 13,17 Weh aber den
Schwangeren und den Stillenden zu jener Zeit! 13,18 Bittet aber, dass es nicht im Winter geschehe.
13,19 Denn in diesen Tagen wird eine solche Bedrängnis sein, wie sie nie gewesen ist bis jetzt vom Anfang
der Schöpfung, die Gott geschaffen hat, und auch nicht wieder werden wird. 13,20 Und wenn der Herr diese
Tage nicht verkürzt hätte, würde kein Mensch selig; aber um der Auserwählten willen, die er auserwählt
hat, hat er diese Tage verkürzt. Mk 13,14-20;
Er wird das regelmäßige Opfer abschaffen und den verwüstenden Gräuel aufstellen.
Dan 11,31 Und Streitkräfte von ihm werden dastehen; und sie werden das
Heiligtum, die Bergfeste entweihen und werden das regelmäßige Opfer abschaffen und den verwüstenden Gräuel
aufstellen. 11,32 Und diejenigen, die sich am Bund schuldig machen, wird er durch glatte Worte zum Abfall
verleiten. Aber das Volk, das seinen Gott kennt, wird sich stark erweisen und entsprechend handeln. 11,33 Und
die Verständigen des Volkes werden die Vielen unterweisen; aber sie werden stürzen durch Schwert und Flamme,
durch Gefangenschaft und Beraubung - eine Zeitlang. Dan 11,31-33;
Eine Zeit so großer Trübsal, wie sie nie gewesen ist, seitdem es Menschen gibt.
Dan 12,1 Zu jener Zeit wird Michael, der große Engelfürst, der für dein Volk
eintritt, sich aufmachen. Denn es wird eine Zeit so großer Trübsal sein, wie sie nie gewesen ist, seitdem
es Menschen gibt, bis zu jener Zeit. Aber zu jener Zeit wird dein Volk errettet werden, alle, die im Buch
geschrieben stehen.
12,2 Und viele, die unter der Erde schlafen liegen, werden aufwachen, die einen zum ewigen Leben, die andern
zu ewiger Schmach und Schande. 12,3 Und die da lehren, werden leuchten wie des Himmels Glanz, und die viele
zur Gerechtigkeit weisen, wie die Sterne immer und ewiglich. Dan 12, 1- 3;
1290 Tage von der Zeit an, in der das regelmäßige Opfer abgeschafft wird.
Dan 12,11 Und von der Zeit an, in der das regelmäßige Opfer abgeschafft
wird, um den verwüstenden Gräuel einzusetzen, sind es 1290 Tage. 12,12 Glücklich, wer ausharrt und
1335 Tage erreicht! 12,13 Du aber geh hin auf das Ende zu! Und du wirst ruhen und wirst auferstehen zu
deinem Los am Ende der Tage. Dan 12,11-13;
Auch die obige Matthäusstelle mit ihrer Parallele bei Daniel, wird von manchen Auslegern auf
das Jahr 70 n. Chr. und die Eroberung Jerusalems durch Titus interpretiert. Natürlich kommen diese Leute dann
in die Verlegenheit, die „große Bedrängnis, wie sie von Anfang der Welt nicht war und auch nicht mehr sein
wird” erklären zu müssen.
Es heißt dann „dass der Fall der Stadt Jerusalem für Israel ein solch furchtbares Grauen des Entsetzens
und der Verzweiflung, eine solch schreckliche Qual hervorgerufen hat wie sonst nirgendwo in der Weltgeschichte”
(Fritz Rienecker, „Das Evangelium nach Matthäus”, WStB, S. 319). Doch es ist leicht zu erkennen, dass all
diese Verzweiflung der Juden, so schrecklich sie auch gewesen sein mag, das Gewicht der Aussage in Mt 24,21
bei weiten nicht aufwiegen kann. Es geht hier nicht um die Trauer über eine Stadt, sondern um eine
Katastrophe von weltweitem Ausmaß.
Dies spiegelt sich besonders in der von Matthäus zitierten Danielstelle wider, wo diese Trübsal eine solche
genannt wird, wie sie nie gewesen ist, seit es Menschen gibt. Und dann heißt es dort weiter: „zu jener Zeit
wird dein Volk errettet werden, alle, die im Buch geschrieben stehen”. Nun ist das Volk Israel im Jahre 70
unserer Zeitrechnung nicht errettet, sondern fast zur Gänze zerstreut worden.
Und auch für die Aussage in Dan 12,11: „Und von der Zeit an, in der das regelmäßige Opfer abgeschafft
wird, um den verwüstenden Gräuel einzusetzen, sind es 1290 Tage” lässt sich zur Zeit Titus überhaupt
keine Erklärung finden, im Gegensatz zur siebzigsten Jahrwoche, in deren Mitte der Antichrist den Gräuel im
Tempel aufstellt und dann, nach 42 Monaten der Herrschaft, durch den Herrn vernichtet wird.
Schließlich gibt es noch ein letztes stichhaltiges Argument dafür, dass diese Aussage aus Mt 24,15-16 nicht
in die Zeit Titus’ gehört. Es heißt ja dort: „Wenn ihr nun den Gräuel der Verwüstung, von dem durch
Daniel, den Propheten, geredet ist, an heiliger Stätte stehen seht - wer es liest, der merke auf! -, dann
sollen die in Judäa auf die Berge fliehen”. Der Gräuel der Verwüstung wird also an heiliger Stätte –
im Tempel in Jerusalem - stehen. Und nun kommt die Aufforderung an alle die „in Judäa” sind, in die Berge
zu fliehen. Und zwar so eilig, dass sie nicht einmal ihre Kleider mitnehmen sollten, wie die Verse 24,17-18
besagen.
Nun war Judäa vor dem Jahre 70 zusammen mit Samaria und Idumäa eine römische Prokuratur. Die Ausdehnung
Judäas von Norden (Antipatris) bis Süden (Hebron) betrug rd. 80 Km, von der Mittelmeerküste im Westen bis
zum Toten Meer bzw. dem Fluss Jordan im Osten ebenfalls rd. 80 km. Jerusalem lag relativ zentral, sodass die
Information über ein Geschehen, welches sich in Jerusalem ereignete, über etwa 40 km in allen Richtungen
transportiert werden musste, um den Leuten auf dem Lande bekannt zu werden.
Und nun stellt sich erstens die Frage, warum die Leute in einer Entfernung von 40 km von Jerusalem damals in
die Berge fliehen sollten, wenn die Stadt selbst in Bedrängnis ist. In dieser Entfernung und bei der
Reichweite der damaligen Waffen, wäre für sie überhaupt keine Gefahr gewesen.
Zweitens aber ergeben sich Probleme bei der Erklärung, wie denn diese Leute auf dem Land so schnell zu dieser
Information – nämlich, dass im Tempel in Jerusalem ein Greuelbild aufgestellt wurde - gekommen sein sollen.
Jene Juden, die in Jerusalem waren, hatten alle Hände voll zu tun, um rechtzeitig in die Berge zu fliehen.
Die Römer aber hatten kein Interesse irgendwen außerhalb Jerusalems von diesem Ereignis zu informieren.
Anders wäre es in unserer Zeit. Da wären die Medien wahrscheinlich die Ersten an Ort und Stelle um ein
derartiges Geschehen live senden zu können. Und es wären nicht nur alle Bewohner Judäas sondern
wahrscheinlich die ganze Welt in jeder Sekunde darüber informiert, was im Tempel in Jerusalem vor sich geht.
Und so wird es auch in der Endzeit sein. Ebenso wie der Tod der zwei Zeugen aus Off 11,7-10 binnen kürzester
Zeit den „Menschen aus allen Völkern und Stämmen und Sprachen und Nationen” nur mit Hilfe der heutigen
Informationstechnologie bekannt geworden sein kann, sodass sie sich darüber freuen konnten, wird auch das
Ereignis im Tempel von Jerusalem zeitgleich in aller Welt ausgestrahlt werden.
Und dann wird dieser Akt der Schändung des jüdischen Tempels auch keinen militärischen, sondern einen
religiösen Hintergrund haben. Die Aufstellung des Tierbildes im Heiligtum und das Gebot dessen Anbetung bei
sonstiger Todesstrafe, wie wir es auch weiter oben, in Off 13,15 gelesen haben, ist sichtlich der Auftakt zur
Ächtung, Verfolgung und Tötung der noch verbliebenen Jesusgläubigen.
Allerdings muss man sich objektiver Weise auch hier fragen, vor welchem Hintergrund dieser Aufruf zur Flucht
zu sehen ist. Auch hier könnte man natürlich mutmaßen, dass es der Angriff des Antichrists mit seinen
Heeren auf Jerusalem ist, welcher die Menschen in die Flucht treibt. Doch ebenso wie oben, betrifft das ja
keinesfalls die übrige Bevölkerung im Gebiet des einstigen Judäa. Und auch heute ist es nicht üblich, eine
Stadt, welche man einnehmen will – und der Antichrist braucht diese Stadt und ihren Tempel intakt und
unbeschädigt – völlig zu zerstören.
Wenn man sich daher fragt, was heute dazu führen könnte, um der Bevölkerung einer Stadt die Flucht in die
Berge zu raten, kommt man recht bald auf die Gefahr eines Erdbebens. Ein Erdbeben – zumal ein großes –
ist in der Stadt durch die zusammenbrechenden Bauwerke aller Art immer viel gefährlicher, als außerhalb der
Stadt.
Nun haben wir ein solches „großes Erdbeben” bereits bei der Entrückung der zwei Zeugen in Jerusalem
gehabt. Siebentausend Menschen sind dabei umgekommen. Allerdings kann dies aus zwei Gründen nicht jenes
Erdbeben sein, vor dem hier scheinbar gewarnt wird. Erstens ereignete sich dieses Erdbeben am Beginn der
Herrschaft des Antichrists über Jerusalem – hier sind wir aber schon in der Zeit weiter fortgeschritten:
der falsche Prophet ist bereits in seinem Amt, das Bild steht im Tempel und die Tieranbeter verfolgen die
Jesusgläubigen.
Zweitens aber kommt auch hier das obigen Argument zum Tragen, dass ja die Bedrohung nicht – oder nicht nur
– für die Stadt Jerusalem zu gelten scheint. Es heißt ja: „wer in Judäa ist”, und somit muss die
kommende Bedrohung, vor der oben, in Mt 24,15-22 u. par. gewarnt wird, für das ganze Land gelten. Wenn damit
ein Erdbeben gemeint ist, muss es sich daher um ein noch viel größeres Erdbeben handeln, als bei der
Entrückung der zwei Zeugen.
Und ein solches ganz großes Erdbeben finden wir dann auch gleich anschließend beim sechsten Siegel, am Ende
dieser Periode der „Großen Trübsal”, beim Ereignis der großen Finsternis. Dort verursacht ein
weltweites Erdbeben nicht nur die Verfinsterung der Gestirne, sondern es werden auch Berge und Inseln von
ihrer Stelle gerückt.
Damit hätten wir wahrlich einen triftigen Grund für die Flucht der Bevölkerung von ganz Judäa in die
Berge.
Die Seelen der Märtyrer im Himmel.
Off 6,9 Und als es das fünfte Siegel auftat, sah ich unten am Altar die
Seelen derer, die umgebracht worden waren um des Wortes Gottes und um ihres Zeugnisses willen. 6,10 Und sie
schrien mit lauter Stimme: Herr, du Heiliger und Wahrhaftiger, wie lange richtest du nicht und rächst nicht
unser Blut an denen, die auf der Erde wohnen? 6,11 Und ihnen wurde gegeben einem jeden ein weißes Gewand, und
ihnen wurde gesagt, dass sie ruhen müssten noch eine kleine Zeit, bis vollzählig dazukämen ihre
Mitknechte und Brüder, die auch noch getötet werden sollten wie sie. Off 6, 9-11;
Es sind die Märtyrer im Himmel, welche hier, bei der Öffnung des fünften Siegels, von Gott
Rache an den Gottlosen und Ungläubigen auf Erden fordern. Doch es ist noch zu früh. Wie ihnen gesagt wird,
müssen sie noch kurze Zeit warten, bis auch ihre Mitbrüder getötet sind. Gemeint sind damit die
Jesusgläubigen, welche auch während dieser Zeit noch weltweit verfolgt, gefangengenommen und verurteilt
werden.
Ehe nun der „Tag des Herrn” anbricht, der Tag der Errettung für seine Auserwählten und
der große und schreckliche „Tag des Zornes” für die Gottlosen und Unbußfertigen, ereignet sich ein
großes, weltweites Erdbeben. In der Folge kommt eine große Finsternis über die Erde: Sonne und Mond
verfinstern sich und die Sterne fallen vom Himmel.
Die Sonne finster, der Mond wie Blut, und die Sterne des Himmels fallen auf die Erde.
Off 6,12 Und ich sah: als es das sechste Siegel auftat, da geschah ein großes
Erdbeben, und die Sonne wurde finster wie ein schwarzer Sack, und der ganze Mond wurde wie Blut,
6,13 und die Sterne des Himmels fielen auf die Erde, wie ein Feigenbaum seine Feigen abwirft, wenn er
von starkem Wind bewegt wird. 6,14 Und der Himmel wich wie eine Schriftrolle, die zusammengerollt wird, und alle
Berge und Inseln wurden wegbewegt von ihrem Ort. Off 6,12-14;
Sonne und Mond verfinstert, die Sterne fallen vom Himmel.
Mt 24,29 Sogleich aber nach der Bedrängnis jener Zeit wird die Sonne sich
verfinstern und der Mond seinen Schein verlieren, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte
der Himmel werden ins Wanken kommen. Mt 24,29;
Die Sonne in Finsternis, der Mond in Blut verwandelt, ehe der Tag des HERRN kommt.
Joel 3,3 Und ich will Wunderzeichen geben am Himmel und auf Erden: Blut, Feuer
und Rauchdampf. 3,4 Die Sonne soll in Finsternis und der Mond in Blut verwandelt werden, ehe denn der große
und schreckliche Tag des HERRN kommt. 3,5 Und es soll geschehen: wer des HERRN Namen anrufen wird, der soll
errettet werden. Denn auf dem Berge Zion und zu Jerusalem wird Errettung sein, wie der HERR
verheißen hat, und bei den Entronnenen, die der HERR berufen wird. Joel 3, 3- 5;
Der Tag des HERRN kommt und ist nahe, ein finsterer Tag, ein dunkler Tag.
Joel 2,1 Blast die Posaune zu Zion, ruft laut auf meinem heiligen Berge!
Erzittert, alle Bewohner des Landes! Denn der Tag des HERRN kommt und ist nahe, 2,2 ein
finsterer Tag, ein dunkler Tag, ein wolkiger Tag, ein nebliger Tag! Gleichwie die
Morgenröte sich ausbreitet über die Berge, so kommt ein großes und mächtiges Volk, desgleichen vormals
nicht gewesen ist und hinfort nicht sein wird auf ewige Zeiten für und für. Joel 2, 1- 2;
Wenn dieses anfängt, so erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.
Lk 21,25 Und es werden Zeichen geschehen an Sonne und Mond und Sternen,
und auf Erden wird den Völkern bange sein, und sie werden verzagen vor dem Brausen und Wogen des Meeres,
21,26 und die Menschen werden vergehen vor Furcht und in Erwartung der Dinge, die kommen sollen über die
ganze Erde; denn die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen. 21,27 Und alsdann werden sie sehen den
Menschensohn kommen in einer Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit. 21,28 Wenn aber dieses anfängt zu
geschehen, dann seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht. Lk 21,25-28;
(Siehe auch Kapitel 04: „Die große Finsternis”.)
Nach dem sechsten und vor dem siebenten Siegel finden wir einen Einschub, einen sogenannten
Zwischentext. In Off 7,1-8 werden einerseits die 144.000 aus jedem der 12 Stämme Israels versiegelt. (Eine
diesbezügliche Analyse findet sich im Kapitel: „Der Tag des Herrn”.)
(Siehe auch Kapitel 05: „Der Tag des Herrn”.)
Der zweite Teil dieses Zwischenstückes befasst sich mit der großen Schar „aus allen
Nationen und Stämmen und Völkern und Sprachen”, die aus der Großen Trübsal gekommen sind. Diesen Text
haben wir bereits eingangs, bei der Suche nach der Großen Trübsal behandelt.
Nun, wo wir Inhalt und zeitliche Einordnung der großen Trübsal geklärt haben, können wir auch den
Zusammenhang zu diesen Aussagen mühelos herstellen und nun passt auch dieser Text vorzüglich in die Reihe.
Die aus der großen Trübsal gekommen sind, werden nicht mehr hungern noch dürsten.
Off 7,9 Danach sah ich, und siehe, eine große Schar, die niemand zählen
konnte, aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Sprachen; die standen vor dem Thron und vor
dem Lamm, angetan mit weißen Kleidern und mit Palmzweigen in ihren Händen, 7,10 und riefen mit großer
Stimme: Das Heil ist bei dem, der auf dem Thron sitzt, unserm Gott, und dem Lamm!
7,11 Und alle Engel standen rings um den Thron und um die Ältesten und um die vier Gestalten und fielen
nieder vor dem Thron auf ihr Angesicht und beteten Gott an 7,12 und sprachen: Amen, Lob und Ehre und Weisheit
und Dank und Preis und Kraft und Stärke sei unserm Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. 7,13 Und einer der
Ältesten fing an und sprach zu mir: Wer sind diese, die mit den weißen Kleidern angetan sind, und woher sind
sie gekommen? 7,14 Und ich sprach zu ihm: Mein Herr, du weißt es. Und er sprach zu mir: Diese sind es, die
gekommen sind aus der großen Trübsal und haben ihre Kleider gewaschen und haben ihre Kleider hell
gemacht im Blut des Lammes.
7,15 Darum sind sie vor dem Thron Gottes und dienen ihm Tag und Nacht in seinem Tempel; und der auf dem Thron
sitzt, wird über ihnen wohnen. 7,16 Sie werden nicht mehr hungern und nicht mehr dürsten; es wird auch
nicht mehr auf ihnen lasten die Sonne oder irgendeine Hitze; 7,17 denn das Lamm mitten auf dem Thron wird
sie weiden und leiten zu den Quellen des lebendigen Wassers, und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren
Augen. Off 7, 9-17;
Unter den Milliarden Menschen auf der ganzen Welt, welche in der Großen Trübsal ihr Leben
lassen mussten, waren sichtlich Millionen Gläubige, welche nun im Himmel vor dem Thron und vor dem Lamm
stehen und Gott und das Lamm loben. „Sie haben ihre Kleider gewaschen im Blut des Lammes”, das heißt sie
haben das Opfer des Herrn Jesus für ihre Sünden angenommen und diese sind ihnen vergeben worden. Der
Schrecken dieser großen Trübsalszeit ist für sie nun vorbei. Das Lamm wird sie zu Quellen des lebendigen
Wassers leiten und ihr Gott wird alle Tränen von ihren Augen abwischen.
Den sieben Engeln, die vor Gott stehen, wurden sieben Posaunen gegeben.
Off 8,1 Und als das Lamm das siebente Siegel auftat, entstand eine Stille
im Himmel etwa eine halbe Stunde lang. 8,2 Und ich sah die sieben Engel, die vor Gott stehen, und ihnen
wurden sieben Posaunen gegeben. 8,3 Und ein anderer Engel kam und trat an den Altar und hatte ein goldenes
Räuchergefäß; und ihm wurde viel Räucherwerk gegeben, dass er es darbringe mit den Gebeten aller Heiligen
auf dem goldenen Altar vor dem Thron.
8,4 Und der Rauch des Räucherwerks stieg mit den Gebeten der Heiligen von der Hand des Engels hinauf vor
Gott. 8,5 Und der Engel nahm das Räuchergefäß und füllte es mit Feuer vom Altar und schüttete es auf
die Erde. Und da geschahen Donner und Stimmen und Blitze und Erdbeben. Off 8, 1- 5;
Mit dem Aufbrechen des siebenten Siegels durch das Lamm ist die Buchrolle nun vollends
geöffnet. Versucht man nun diese sieben Siegel einer abschließenden Beurteilung zu unterziehen, so kommt
hier doch der Verdacht auf, dass diese Siegelgerichte keine direkten Gottesgerichte sind. Das Aufbrechen der
Siegel symbolisiert auch eher das Öffnen von Schleusen, welche bisher verschlossen waren und man hat den
Eindruck, das Gott hier nun jenen Katastrophen freien Lauf lässt, welche er bisher, in ihrer totalen
Ausprägung, immer verhindert hat.
Im Unterschied zu den nachgelagerten Posaunen- und Schalengerichten, wo immer Engel die Vollstrecker sind,
wird hier den Plagen selbst die Macht „gegeben”. Es wird diesen Kräften sozusagen freier Lauf gelassen.
Ob es nun der erste Reiter ist, dem ein Siegeskranz „gegeben” wurde und damit die Macht, alle Welt zu
besiegen, der zweite Reiter, dem die Macht „gegeben” wurde, den Frieden von der Erde zu nehmen, der dritte
Reiter, dem die Macht „gegeben” wurde, allen Feldfrüchten – außer Wein und Öl – Schaden zuzufügen,
oder schließlich der vierte Reiter, dem Macht „gegeben” wurde über den vierten Teil der Erde, zu töten.
Es scheint also, dass diese ersten vier Siegelgerichte von den Menschen selbst verursacht werden.
Und hier dürfte es interessant sein, auf ein Detail hinzuweisen, welches bei der Interpretation dieser
Schriftstelle im Allgemeinen eher wenig Beachtung findet. Nämlich der Umstand, dass diese vier Reiter von den
vier lebendigen Wesen ihren „Einsatzbefehl” erhalten. Einerseits bestärkt dies die Vermutung, dass hier
nicht Gott selbst der Handelnde ist, sondern dass er diese Entscheidung den vier lebendigen Wesen übertragen
hat. Und wenn wir nun davon ausgehen - wie im Exkurs 11 dargelegt -, dass diese vier Wesen die Repräsentanten
der ganzen lebendigen Schöpfung vor dem Thron Gottes sind, verstärkt sich immer mehr der Eindruck, dass wir
es hier mit einer Reaktion der Natur, der lebendigen Schöpfung Gottes, zu tun haben.
(Siehe auch den Exkurs 11: „Der Thron Gottes”.)
In unserer heutigen Zeit, mit der bewussten und durch die Profitgier des Menschen betriebenen,
systematischen Zerstörung von Boden, Luft und Wasser, wäre es gar nicht so abwegig zu vermuten, dass diese
Plagen keine Gottesgerichte in dem Sinne sind, dass Gott sie „über uns ausgießt” - wie etwa die
Schalengerichte - sondern dass uns Gott eher unseren Weg der Ausbeutung und Vernichtung der Umwelt dieses
Planeten weitergehen lässt. Dieser Weg führt dann garantiert auch in die Katastrophe.
Das fünfte Siegel bringt die Klage der Märtyrer im Himmel, und ist kein Gericht an sich, sondern bietet eine
Orientierungsmöglichkeit für die Auslegung. Hier wird – wie übrigens auch in Off 14,13 – darauf
hingewiesen, dass auch nach der Trübsal noch Knechte Gottes als Märtyrer sterben werden. Während dann das
sechste Siegel eine weltweite Katastrophe mit Erdbeben und geologischen Umwälzungen bringt, welche nach
heutiger Sicht durchaus auch „hausgemacht” sein könnten, finden wir im siebenten Siegel so etwas wie eine
Wende, also den Abschluss des bisherigen Geschehens und den Beginn einer neuen Periode. Es ist sozusagen die
Ruhe vor dem Sturm, welche sich im siebenten Siegel präsentiert. Und schließlich gilt das Argument vom
ersten Siegel, nach dem der dortige Reiter auf dem weißen Pferd nicht der Herr Jesus ist, weil er nicht Lamm
und Reiter zugleich sein kann, für alle Siegelgerichte, die ja jedes einzeln vom Herrn eröffnet werden. Das
Kommen des Herrn ist daher erst nach der Öffnung aller sieben Siegel denkbar.